Creolenkette

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Fein verwobenes Geschmeide. Das klingt so mittelalterlich. Nach schweren Ketten aus verflochtenen Goldsträngen für die Burgdamen. Nach verwirkten Kettenhemden für die Ritter. Die Vorstellung davon ist geheimnisvoll. Von einer Welt, in der die ritterlichen Tugenden hochgehalten wurden. In der es Ehre noch gab, sagen manche. Andere sprechen von der dunklen Zeit, in der Gesetzeslosigkeit vorherrschte und in der es keine Manieren gab. Es stimmt wohl beides nicht, wenn man Genaueres liest als Kinderbücher und die üblichen Soundbites und Stereotype über das Mittelalter.

Von Kettenhemden, wenn ich sie in Burgmuseen ausgestellt sehe, halb verrostet oft und an den Rändern ausgefranst, bin ich fasziniert. Wie es sich wohl angefühlt haben mag, so ein Hemd zu tragen. Ob das gekratzt hat, ob man ein weiches Woll- oder Leinenhemd darunter getragen hat, wie es war, im Regen damit herumzulaufen, ob es besonders unangenehm war zu tragen, wenn man schwitzte. Oder vielleicht waren diese Hemden so fein verwoben, dass sie sich anfühlten, als wären sie aus Stoff.

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In dieser Schmuckkolumne stelle ich eine Kombination mit den gleichen Creolen vor, die ich auch in der Schmuckkolumne von letzter Woche verwendet habe. Diesmal trage ich die sechs Creolen aber nicht gemeinsam im Ohrloch, sondern habe eine Kette aus ihnen gemacht. Dafür habe ich sie der Größe nach geordnet und eine Creole in die nächste gehängt und die letzte Creole in einen Tunnel eingesetzt.

Diese Kette kann man mit der kleinsten Creole durch den Tunnel tragen oder mit der größten. Sie reicht bis zur Brust und sieht je nach Tragweise luftiger oder schwerer aus, aber nicht anachronistisch. Und dennoch fühle ich mich ein bisschen wie im Mittelalter damit. Vielleicht auch weil ich immer darauf achten muss, wie ich mich bewege, wenn ich sie trage. Und durch die Einschränkung der Kette, durch ihr Klimpern und Klirren an die mittelalterlichen Kettenhemden denken muss.

Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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5 Antworten zu Creolenkette

  1. Maria schreibt:

    Eine schöne Idee, die mit Sicherheit interessant anfühlt und bewundernde Blicke auf sich zieht. Persönlich hätte ich allerdings Angst, dass ich spätestens nach zwei Minuten irgendwo hängen bleiben und schlimmstenfalls zum Schlitzohr werden würde. Toll, dass Du es scheinbar ohne solche Probleme schaffst, den Alltag mit immer wieder neuen beeindruckenden Schmuckkombinationen zu bestehen.

    • Karin Koller schreibt:

      Das ist keine Alltagskombination, sondern etwas für ein elegantes Abendessen, oder so. „Schlitzohr“ kann ich damit nicht werden, weil ich die Creolen durch Tunnel trage. Tanzen würde ich jetzt auch nicht damit. Zum Essen oder ins Theater ist es OK.

      • Maria schreibt:

        Du machst Mut, ungewöhnlichen Schmuck auszuprobieren…. vielleicht sollt ich einfach auch mal etwas probieren von dem ich genau weiss, dass es nicht alltagstauglich ist, aber eben für den Moment OK.
        Wenn ich darüber nachdenke ist es eigentlich genau dieselbe Haltung, die ich zu meinen Korsetts habe.

  2. Friese schreibt:

    Wenn die untersten Creolen auch noch zusammengefügt wären, wäre es eine richtige Kette. Vermutlich noch auffälliger.

  3. silbermann schreibt:

    Ob diese Creolenkette nun wirklich das Nonplusultra darstellt, sei jedem selbst überlassen.
    Aber interessant ist vielmehr, man sollte beim Schmucktragen stets seine ureigene individuelle Vorstellung verwirklichen und keinesfalls die aus einem Katalog kopieren und erst recht nicht das tragen, was die Freundin, die Clique oder Popstar x macht.
    Und dann wird man schließlich merken, wie Freunde oder auch völlig Fremde darauf reagieren.
    Dann wiederum muss man sehen, ob diese Reaktionen von mir auch so gewünscht sind.
    Man wird dann sehen: 1000 Leute = 1000 Meinungen! Und das ist gut so und wird auch immer so bleiben!

    Ich mache es so: Ich als reifer Mann trage seit Jahren viel Silberschmuck, der ursprünglich für die Damenwelt der Stilepoche DecoArt kreiert wurde. Das habe ich übrigens niemanden nachgemacht, sondern dieses Gefühl kommt so richtig aus meinem Herzen.
    Ich habe mich auch mit den Meinungen der anderen 999 Personen auseinandergesetzt und liebe jetzt meine individuelle Note unbeirrbar über alles und auch weiterhin.

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