Pensées: Ein Ausflug nach Deutschland – Heidelberg

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  1. Auf dem Nachauseweg von Frankfurt wollen wir uns Heidelberg ansehen. Aufgrund eines Versagens des Navigationssystems (oder meiner Interpretation der Richtungsangaben) kommen wir nicht wie alle Touristen an der alten Brücke an, sondern am anderen Ende der Hauptstraße.
  2. Es ist Sonntagvormittag und wenige Menschen sind auf der Straße. Die Mädchen sehen einen von diesen Billigschmuckläden, die auch Nagellack und Haarteile im Sortiment haben und sind sich einig: Heidelberg wäre eine Superstadt, wenn man sie nicht ausgerechnet am Sonntag ansehen müsste.
  3. Wir kommen am kurpfälzischen Museum vorbei und, bevor noch eines der Kinder Einspruch erheben kann, haben wir auch schon die Tickets gekauft.
  4. Das Museum ist recht umfangreich. Es zeigt aber nicht die Geschichte der Kurpfalz, sondern ausgewählte Gemälde und Gläser und Nippesfiguren. Die Kinder finden einiges, das ihnen gefällt.
  5. Ich schlendere durch dir Räume. Da sehe ich ein Gemälde – eine Jagdszene – das mir merkwürdig vorkommt. Ich schaue genauer hin:
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  7. Auf einem Hügel sind Gehege mit Hirschen. Jagdhelfer treiben die Hirsche aus den Gehegen, über ein Mäuerchen, sodass sie in einen See stürzen. Die Jagdgesellschaft sitzt auf einer Terrasse und schießt auf die herabspringenden Hirsche. Jagdhelfer mit Booten fischen die blutenden Hirsche aus dem See.
  8. Assistierte Jagd nennt sich das. Etwa so sportlich wie die Wachteljagd, die hochrangige Republikaner in den USA so gerne betreiben.
  9. Ich muss daran denken, dass Hirschfischer als Berufsvorstellung Entenfischer toppt und schaue zu, wie Katharina durchs Museum hüpft.
  10. Leider ist das Fotografieren nicht erlaubt und im Museumsshop gibt es keine Postkarte von dem seltsamen Bild.
  11. Im Keller des Museum sind antike Funde aus der Gegend ausgestellt. Auf einer erhöhten Platform ist ein römisches Speisezimmer aufgebaut. Die Kinder legen sich auf die Liegen (das ist mit eigener Einladung erlaubt) und spielen reiche Römer. Es bedient sie zwar niemand, aber das ist ihnen egal.
  12. Auf einer Schautafel wird von den Alltagsgewohnheiten von Römerinnen berichtet. Zum Schwarzfärben der Augenbrauen verwendeten römische Frauen Ameiseneier. Das erscheint mir seltsam, weil Ameiseneier ja weiß sind. Angeblich ist diese Technik schon bei Plinius erwähnt.
  13. Vom Museum aus schlendern wir weiter in Richtung Schloss. Unterwegs sehen wir eine stattliche Statue von Robert Bunsen.
  14. Ich finde es schön, dass einem Wissenschaftler eine Statue gewidmet ist. Obwohl ich überlebensgroße Feldherren gewohnt bin, kommt mir überlebensgroßer Wissenschaftler doch seltsam vor. Ob ich mich heimlich mit ihm vergleiche und mir meine Mickrigkeit im Vergleich bewusst wird?
  15. Wir gehen zum Schloss hinauf. Es wird Eintritt nur für den Schlosspark verlangt. Die Kinder murren, deshalb gehen wir nicht hinein. Im Hof soll ein riesiges Fass stehen. Aus purem Bestemm, dass ich nicht hinkonnte, schaue ich auch zu Hause nicht nach, was es bedeutet.
  16. Wir essen in einem TexMex-Lokal und freuen und, dass es den Kindern schmeckt.
  17. Auf der berühmten Brücke lässt sich ein Hochzeitspaar aus Asien fotografieren. Die Brautleute sehen sehr ernst drein. Das erinnert mich an den Film Mistery Train, wo eine junge Frau ihren Freund aufheitern will. Er schaut immer gleich ernst drein und sagt: „Ich war schon vorher glücklich.“
  18. Über dem Brautpaar steht ein stattlicher Kurfürst, über dem sich nackte Frauen ringeln.
  19. Die Touristendichte ist hier sehr groß. Wir flüchten in eine Seitengasse mit seltsamen Trinklokalen (Hanfabsinth!) und kaufen Eis. Schleckend gehen wir zum Auto zurück. Unser Kurzurlaub in Deutschland ist vorbei.
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Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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Eine Antwort zu Pensées: Ein Ausflug nach Deutschland – Heidelberg

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