Pensées: Ein Ausflug zum Rheinfall

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  1. Wir machen einen Ausflug auf der Schweizer Seite des Bodensees. Die erste Station ist Romanshorn.
  2. Der Blick über den Bodensee ist sehr schön. Alle paar Minuten laufen Fähren nach Frierichshafen aus.
  3. Ein Schild, das ein Segelboot mit einem Piraten zeigt, bewirbt die „2. Romanshorner Kaperfahrt.“ Das sei ein „Plauschwettkampf mit historischem Hintergrund.“
  4. Ich verstehe das Wort „Plauschwettkampf“ (es bedeutet spaßhafter Wettkampf) nicht und mir fällt wieder einmal auf, wie verschieden Österreichisch und Schweizerisch auch in der Hochsprache sind.
  5. Katharina weigert sich, irgendetwas zu lesen hier. „Ich kann Schweizerisch nicht lesen“, sagt sie.
  6. Ich vermute, es ist aber nur aus Faulheit.
  7. Im Minutentakt laufen motorisierte Segelboote aus und schaukeln sanft durch die Windstille.
  8. Wir fahren weiter nach Arenenberg. Dort essen wir die mitgebrachten Wurstsemmeln und schauen uns das Napoleon-Schlösschen an.
  9. Über vier Etagen ist das Schloss zu besichtigen. Mit Filzpantoffeln, um den Boden zu schonen.
  10. Etwas abgelegen, in dem Haus, in dem die Tickets verkauft werden, befindet sich das Kaiserbad, eine mit Stufen begehbare Badewanne in einem Raum mit Lehnstühlen und einem Bild, auf dem Nackte dargestellt sind.
  11. Im Schloss selbst sind die repräsentativen Räume im Erdgeschoß. Eine gedeckte Tafel ist ausgestellt. In einem Raum steht ein reichverzierter chinesischer Nähkasten.
  12. In der Bibliothek schaue ich die Buchrücken genauer an. Voltaire und J. J. Rousseau und viele Theaterstücke.
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  14. In den oberen Stockwerken befinden sich die Privaträume – Schlafzimmer, Büros. Im Bad im ersten Stock ist ein Plumpsklo eingebaut und ein mobiler Leibstuhl steht daneben. Ob man gemeinsam die Notdurft verrichtete, oder das Mobilgerät für Notfälle in andere Räume getragen wurde, weiß ich nicht.
  15. Die Kinderzimmer sind im obersten Stock. Spielzeug ist ausgestellt. Ein Dreirad, das aussieht wie eine Sportkutsche mit einem Pferd davor, ein Baukasten, ein Schachspiel.
  16. In mehreren Schlafräumen stehen Sitzbadewannen – Stühle mit einem Bottich anstatt der Sitzfläche. Altmodische Bidets sozusagen.
  17. Wir fahren weiter nach Stein am Rhein. Die Häuser der Stadt sind bemalt. In sehr unterschiedlichen Stilrichtungen. Es gibt ein Pelikanhaus (der Pelikan sei schon 1380 erwähnt worden die Malerei stammt aber aus dem späten 19. Jhdt). Ein Haus, auf dessen Fassade ein Kalif dargestellt ist. Ein Haus mit Blumen und Vögeln im Biedermeierstil. Ein Haus, auf dem die Melancholie dargestellt ist und eine Frau, die sich ein Schwert in die Brust rammt. Ein Haus mit Szenen aus dem Decamerone und einer nackten schwangeren Frau mit Ziegenfüßen und Schwanz. Eines, auf dem Zwingli bei der Predigt dargestellt ist. Eines mit einem lieblichen Zitronenbaum und einem Eichhörnchen.
  18. Ich würde gerne wissen, warum man so elaborierte Verzierungen gewählt hat und warum auch stilistisch so unterschiedliche. Aber leider finde ich keine Erklärungen.
  19. Wir essen Eis. Auf einem Schild sehe ich eine Zeichnung vom Rheinfall, denke, sehr spektakulär sieht der nicht aus, und befürchte, wir werden enttäuscht sein.
  20. Beim Rheinfall angekommen, höre ich zunächst nur das Tosen des Wassers. Sehen kann ich nichts, weil ein riesiger Touristenbau die Sicht versperrt. Imbissstände sind dort und der Souvenirshop und ein Ticketoffice.
  21. Zahlen muss man, um den Wasserfall ansehen zu können. Der Tourist vor mir in der Schlange fragt die Ticketverkäuferin, ob sich das überhaupt auszahlt. Was wird die Verkäuferin antworten, frage ich mich. Dass das eine Touristennepperei ist, wohl nicht.
  22. Wir zahlen den Eintritt trotzdem. Über den Schlosshof gelangen wir zum Abgang, der zum Wasserfall führt. Das Tosen wird lauter. Und nach ein paar Minuten stehen wir vor dem Wasserfall. Er sieht beeindruckend aus. Ich spüre die Kraft der Wassermassen und wundere mich, wie der Felsen in der Mitte ihnen widerstehen kann.
  23. Direkt am Fuße des Wasserfalls fahren Ausflugsboote durch die Gischt und liefern Touristen beim Felsen mitten im Wasserfall ab. Ich würde Panikattacken auf so einem Boot bekommen.
  24. Wir gehen auf die unterste Aussichtsplattform. Mir ist, als könnte ich mit der Hand in den Wasserfall greifen. Ich traue mich nicht den Fotoapparat über die Brüstung zu halten. Mir wird mulmig.
  25. Der Wind dreht und wir werden nassgespritzt.
  26. So nah sind wir dem Wasserfall.
  27. Im Museum wird von den gescheiterten Plänen erzählt, den Rheinfall zu sprengen (im 17. Jhdt), ihn zu untertunneln oder ein Kraftwerk daraus zu machen.
  28. Wir essen noch Crepes und Frappé und fahren dann nach Hause.
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Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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