Pensées: Eine Fahrt ins Elsass – Mulhouse

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  1. Über Pfingsten fahren wir ins Elsass. Bis Mulhouse sind es nur knapp über zweieinhalb Stunden mit dem Auto.
  2. Trotzdem waren wir noch nie dort.
  3. Die Straßenschilder von Mulhouse sind zweisprachig. Manche sind direkt übersetzt (Rue Sauvage – Wildemannsgass) andere unterscheiden sich in der Bedeutung (Place Lambert – Hàfelemàrkt) und scheinen gerade deshalb eine Geschichte zu erzählen.
  4. Bei Schlendern durch die Stadt höre ich nur Französisch, kein Elsässisch und wundere mich, ob das ein Zufall ist, oder ob so knapp nach der Grenze zu Basel tatsächlich nicht mehr Deutsch gesprochen wird.
  5. Ich hätte gerne jemanden Elsässisch sprechen gehört. Den Straßenschilden nach zu urteilen muss es wie eine Mischung aus Schwäbisch und Vorarlbergisch klingen.
  6. Am Hauptplatz von Mulhouse sind Cafés, Restaurants, bunte Schirme, ein Brunnen mit Trinkwasser, bunte Häuser und sogar ein Karussell.
  7. Und das Münster.
  8. Es ist Mittag und wir setzten uns auf dem Platz in ein Restaurant. Ich bestelle Flammkuchen mit Ziegenkäse, mein Mann ist abenteuerlich und bestellt eine Schweinsstelze mit Sauerkraut. Obwohl es heiß ist.
  9. Die Stelze ist nicht knusprig braun gebraten wie im Prater, sondern gesotten. Sie erinnert mich an eine Wasserleiche. Mein Mann sagt, sie sei ganz gut, das Kraut sei ihm zu süß. Ich tausche mit ihm, mir schmeckt das Kraut.
  10. Nach dem Essen gehen wir ins Münster.
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  12. Das ist berühmt für seine Fenster aus dem 14. Jahrhundert. Um sie zu sehen, muss man eine Stiege hinaufsteigen. Zettel unter jedem Fenster erklären, was sie darstellen.
  13. Ich erkenne gleich Jonas, wie er im Maul des Wals steckt. Er ist fast größer als der Wal.
  14. Die Einsetzung der Ehe mit nacktem Adam und nackter Eva vor Gott ist zu sehen. Ein alchemistischer Teufel mit einem Drachen. Die Erschaffung der Frau – wie Gott eine winzige Frau aus Adams Rippe zieht. Kreuzritter, die 600 Menschen getötet haben.
  15. Eine Szene finde ich besonders seltsam: Jesus befreit Adam und Eva aus der Hölle. Von so einer Geschichte habe ich noch nie gehört. Mein Mann und meine Mutter auch nicht.
  16. Zu Hause schaue ich nach. Tatsächlich gab es einmal die Glaubenslehre, dass Jesus zwischen Karfreitag und Ostersonntag in der Hölle war und dort Adam und Eva rettete.
  17. Wir schlendern um den Platz. Auf einem gelben Haus steht in großen Buchstaben „Butterblume“. Ein Käsegeschäft befindet sich dort. So eines, wie ich immer gerne in meiner Nähe gehabt hätte, mit Reihen von Reihen roter, grüner und schwarzer Käse, die so aussehen, als würden sie beim Aufschneiden sofort verrinnen.
  18. Daneben ist eine Konditorei. In der Auslage sind Éclairs ausgestellt. Die Kinder machen große Augen. Wir schicken sie alleine hinein, um für alle welche zum Nachtisch zu kaufen. Mit Händen und Füßen gestikulieren sie, schaffen es und sind stolz auf sich.
  19. Vor dem Rathaus essen wir die Éclairs. Sie schmecken herrlich.
  20. Auf dem Rathaus sind die Tugenden aufgemalt. Die sind alle weiblich.
  21. Wir gehen ins Museum.
  22. Der Klapperstein ist dort ausgestellt (er hängt auch außen am Rathaus). Menschen, die hässlich über andere redeten, mussten ihn sich umhängen und damit durch die Stadt gehen. Für Blasphemien gab es einen eigenen schiefmäuligen Kopf, den der Schuldige tragen musste.
  23. Einrichtungsgegenstände, Spielsachen (ein Kaufmannsladen, eine Küche mit richtigem Ofen, ein Kinderlotto zu historischen Begebenheiten), Ausgrabungsfunde sind ausgestellt. Auch eine Lutherbibel.
  24. Die Kinder sind recht interessiert.
  25. Wir machen noch eine letzte Runde um die Stadt. Für das Automuseum ist keine Zeit mehr. Wir fahren zu dem Haus in den Vogesen, das wir gemietet haben.
  26. DSC00256 IMG_8541 IMG_8507

Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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