Ich bin in der Zeitung

EntenfischerKleinePDF

Ich war noch nie in der Zeitung. Außer bei Zeugnis- und Maturaverlautbarungen, die automatisch von den Schulen an die Lokalblätter weitergegeben werden. Und einmal war auf der Onlineseite des Lokalteils der Landeszeitung ein Teil meines Kopfes zu sehen. Bei einem Bericht über den Weihnachtsmarkt im Dorf.

Aber jetzt war es soweit. Die Kleine Zeitung brachte einen Bericht über mein Buch Entenfischer. In der Rubrik „Kärntner des Tages“. Eigentlich wurde ich vorgestellt. Katharina sagte aber sofort „Kärntnerin des Tages“ sei selbstverständlich sie. Weil sie der Star des Buchs ist und ich es nur geschrieben habe.

Für den Artikel wurde ich interviewt. Von Wolfgang Kofler. Der hatte über Twitter von meinem Buch gehört und er fragte mich, ob ich denn Lust auf einen Artikel hätte. Na sicher hatte ich Lust. Für mich war das eine Riesenchance.

Voller Spannung wartete ich auf das Erscheinen des Artikels. Jeden Tag schaute auf der Website der Kleinen Zeitung nach, ob ich schon Kärntnerin des Tages war.

Am 13. Juni, einem Freitag, war es soweit. Abends war der Artikel online. Das Buch war so nett beschrieben. Und ich auch. Leider gab es kein Foto zum Text.

Voller Stolz rief ich meine Mutter an, sie solle doch bitte am nächsten Tag die Kleine Zeitung kaufen, weil ich nicht wusste, ob es in Vorarlberg auch die Kärntner Ausgabe der Zeitung gab.

Als ich am nächsten Tag aufstehen wollte, läutete mein Telefon. Meine Mutter war schon vor acht Uhr in den Nachbarort geradelt und hatte die Zeitung geholt. So ein schöner Artikel, sagte sie, und so nette Fotos.

Fotos gab es also in der Zeitung. Die wollte ich so gerne sehen, aber meine Mutter hat nicht einmal ein Handy, das Fotos verschicken kann. Ich machte mich auf zur nächsten Trafik, um die Kleine Zeitung zu kaufen. Und in die übernächste. Und die überübernächste. In der fünften Trafik kristallisierte sich langsam heraus, dass die Kleine Zeitung in Vorarlberg gar nicht erhältlich ist. Ich war enttäuscht, aber Herr Kofler war so nett, mir per Twitter ein Foto zu schicken.

Am Sonntag ging meine Mutter in die Kirche. Einige Leute kamen auf sie zu, sprachen sie auf den Artikel an, sagten ihr, wie schön sie ihn fanden, dass sie sich für das Buch interessieren würden. Eine Frau sagte zu ihr: „Und Doktor ist sie auch noch.“ Interessant, welche Aspekte bemerkenswert erscheinen.

Meine Mutter hielt Hof und war ein bisschen stolz auf mich. Für mich war genau das das Schönste am In-der-Zeitung-Stehen: Dass meine Mutter eine Freude hatte.

Am Montag klingelte sogar eine Bekannte bei meiner Mutter an der Türe und fragte, wo man mein Buch kaufen konnte. Meine Mutter hatte ein Exemplar übrig und das verkaufte sie.

„Ich werde am Ende noch deine Managerin“, scherzte sie sie am Telefon.

Ich weiß, es ist eine sehr einfältige Freude, aber ich fand es sehr vergnüglich, in der Zeitung stehen zu dürfen.

Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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6 Antworten zu Ich bin in der Zeitung

  1. joansanders schreibt:

    Quite strange to be in the paper for the first time…. 😉

  2. dasmanuel schreibt:

    Daumen hoch! Und nein, dieser Stolz bzw. diese ‚Freude‘ ist kein bisschen einfältig. Sondern berechtigt.

  3. Dominik schreibt:

    Gratuliere dir zu diesem Erfolg! Dein Buch, eure Geschichte hat auch mich sehr berührt! Und da finde ich es auch klasse, dass die Kleine Zeitung so groß darüber berichtet hat. 🙂

    Und dasmanuel hat natürlich Recht: das sollte berechtigter Stolz sein. Und ich verstehe nur zu gut, wie sehr es gut tut, wenn die Eltern sich so sehr darüber freuen, und auch selber stolz sind. Das ist oft schöner als der eigene, ganz persönliche Stolz.

    • Karin Koller schreibt:

      Danke! Die Rezension auf deinem Blog hat mich sehr gefreut.
      Stolz ist ein schwieriges Thema, aber ja, man könnte einfach mal genießen, ohne ein schlechtes Gefühl sich einschleichen zu lassen.

  4. agathakath schreibt:

    Habe mir dein Buch gerade gekauft. Bin gespannt.

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