Pensées: Ein Ausflug nach Strasbourg

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  1. Am zweiten Tag unserer Reise ins Elsass fahren wir nach Strasbourg. Wir parken beim Museum für moderne Kunst, ein großes Gebäude mit lauter bunten Quadraten auf der Fassade und einer riesigen Pferdestatue.
  2. Nicht weit vom Museum ist eine überdachte Brücke, über die man in die Altstadt gelangt. Am Anfang der Brücke ist eine Stiege auf das Brückendach, von dort hat man einen schönen Blick auf die Altstadt.
  3. Fachwerkhäuser, Türme, Brücken, im Hintergrund das Münster.
  4. In einem Park steht ein Schild: Square Luise Weiss, Doyenne du 1er Parlement Européen. Ich überlege, wo es denn in Vorarlberg oder in Wien prominente Straßen oder Plätze gibt, die nach Frauen benannt sind.
  5. Mir fällt keine Straße und kein Platz ein. Ich weiß nicht, ob diese Gedächtnislücke nur meine Vorurteile verstärken soll, oder ob es tatsächlich keine gibt.
  6. Wir gehen in Richtung des Kirchturms und kommen an einer Bäckerei vorbei. Es ist knapp vor Mittag und wir kaufen belegte Brote und Getränke.
  7. Am Gutenbergplatz setzen wir uns auf eine Bank und essen. Eine riesige Statue von Johannes Gutenberg steht in der Mitte des Platzes. Gutenberg hat ein Buch in der Hand, ich bin neugierig und sehe nach, was drinsteht:
  8. „La lumière fut“, es werde Licht. Auf allen vier Seiten des Denkmalsockels sind Reliefs. Ich schaue genauer hin. Es sind Menschen aus verschiedenen Erdteilen, die mit der Buchdruckkunst beglückt werden, darum sogar betteln. Frauen und Menschen aus Afrika sind vorzugsweise nackt dargestellt.
  9. Ich wundere mich, wie viele tausend Menschen täglich daran vorbeigehen und wie viele davon tatsächlich hinsehen. Wie viele dieser Rassismus stört.
  10. Nachdem wir gegessen haben, gehen wir zum Domplatz. An einer kleinen Seitentür des Münsters ist ein Schild, dass man hier auf den Turm steigen kann.
  11. Wir machen das. Über 400 Stufen.
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  13. Von oben sieht man zum Europaparlament. Das soll eines der interessantesten Bauwerke der Gegenwart sein. Von der Ferne sieht es aus wie ein Stadion mit überdimensionierter Skateboardrampe.
  14. In der engen Wendeltrappe wird mir beim Abstieg schwindlig.
  15. Wir sehen uns auch das Münster an. Durch die Rosette leuchtet das Licht.
  16. Die größte Attraktion ist die astronomische Uhr mit Automaten, Kalender, Statuen, Anzeige der Himmelsbewegungen und noch mehr. Fast finde ich die normale Zeitanzeige nicht.
  17. Alle Figuren, die die Zeit anzeigen, müssen bei dieser Uhr am Tod vorbei. Jeder Tag wird von einer römischen Gottheit symbolisiert – heute am Samstag zieht Saturn sein Kind fressend in einem Wagen, der von Drachen gezogen wird, vorbei.
  18. Auch eher melodramatisch.
  19. Das Uhrwerk ist in einem modern anmutendem Glaskasten mit der Aufschrift „Comput Ecclesiastique.“ Klingt sehr hochtrabend für eine Uhr aus dem späten 19. Jahrhundert.
  20. Teile der Uhr sind aus dem 16. Jahrhundert. Als das Uhrwerk im 19. Jahrhundert kaputtging, glaubte man, die Uhr würde niemals repariert werden können. Jean-Baptiste Schwilgué schaffte es und entwickelte sogar ein noch aufwändigeres Uhrwerk (die alte Uhr basierte noch auf dem geozentrischen Weltbild).
  21. Über dem Altar sind wie in einem Amphitheater Figuren gemalt. Mit Heiligenscheinen. Vor goldenem Hintergrund. Sie wirken seltsam alt. Ich wundere mich, was der Hintergrund ist. Im Reiseführer lese ich später nach. Dort steht es seien „byzantinisierende“ Wandmalereien aus 1877.
  22. Wir gehen weiter durch die Stadt zum Elsässischen Museum.
  23. Fußgänger und Radfahrer benutzen die gleichen Wege, ohne dass es zu Kollisionen kommt. Ich muss an die Mariahilferstraße denken und was für eine Aufregung das war, auch Fahrradfahrer in der „Begegnungszone“ zuzulassen.
  24. Das Museum ist recht schön, wir gehen durch alte Stuben, viele interessante Alltagsgegenstände sind ausgestellt. Aber eigentlich bietet das Museum nicht viel mehr als das Museum in Mulhouse.
  25. Wir essen lieber Eis und gehen durch die Stadt zurück.
  26. Ich kaufe mir Silberohrringe in einem winzigen Schmuckgeschäft.
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Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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4 Antworten zu Pensées: Ein Ausflug nach Strasbourg

  1. dasmanuel schreibt:

    Wieder eine wunderschöne Sammlung … Ich möchte etwas einfügen:

    13.5: Auf der Aussichtsplattform steht ein Apparat, der in unterschiedlichen Sprachen als ‚elektronischer‘ Reiseführer dient. Nach Einwurf einer Münze und Drücken eines großen roten Knopfes erzählt er Wissenswertes zu Strassbourg.
    13.75: Nahezu jeder, der die Stufen zur Aussichtsplattform erklimmt, geht zuerst zu diesem Automaten und rückt den großen roten Knopf.

    So war es zumindest bei meinem letzten Besuch. Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht, ob es den Automaten noch gibt. Aber diese Beobachtung war phänonemal. 😉

    Liebe Grüße

  2. Maria schreibt:

    Zeigst Du uns die neuen Ohrringe demnächst hier ?

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