Pensées: Ein Ausflug nach Colmar

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  1. Am dritten Tag unserer Elsassreise fahren wir nach Colmar. Nicht auf direktem Weg, sondern wir wollen ein bisschen von der Landschaft sehen.
  2. Wir haben uns einen 5-Burgen-Weg ausgesucht.
  3. Die erste Station ist ein Hügel, auf dem drei Burgruinen in unmittelbarer Nachbarschaft stehen. Man sieht kaum, wo eine aufhört und die andere beginnt. Ausgehöhlte Steinquader, die wirken, als hätte hier eine größere Burg gestanden.
  4. Der Ausblick ist sehr schön.
  5. Wir fahren weiter zur Hohlandsbourg.
  6. Diese Burg ist viel größer und schön renoviert. Wir müssen Eintritt bezahlen.
  7. Von der Burgmauer aus hat man einen herrlichen Blick auf Colmar. Ich würde gerne einmal im Herbst hierher kommen, wenn die Nebel im Tal liegen und die Burg in der Sonne ist.
  8. Wir essen im Burggasthaus zu Mittag. Würste, die nach Burgrezept auch mit Gemüse gefüllt sind, und eine Gemüsesuppe nach mittelalterlichem Rezept. Die schmeckt gut, aber eben wie eine Gemüsesuppe (und ja, mir geht es oft so: Ich bestelle ein einfaches lokales Gericht und bin dann enttäuscht, dass es zwar gut schmeckt, aber auch nicht anders als bei uns.)
  9. In der Burg ist ein kleines Museum, das ein paar mittelalterliche Alltagsgegenstände zeigt und die Renovierung der Burg dokumentiert.
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  11. Die fünfte Burg am Fünfburgenweg finden wir nicht. Wir fahren gleich nach Colmar.
  12. Wenige Meter vom Musée Unterlinden entfernt parken wir. Wir gehen gleich ins Museum. Das wird leider renoviert und nicht alle Säle sind zugänglich.
  13. Ausgestellt sind Bilder, Alltags- und Luxusgegenstände aus verschiedenen Epochen.
  14. Ein Schreibtisch mit vielen alten Messgeräten.
  15. Riesige alte Schlüssel. Eine Deklaration der Menschenrechte.
  16. Eine Kinderrodel in Schwanenform.
  17. Ein Gemälde von einem Totenwagen.
  18. Gezogen von Pferden, die nur noch Skelette sind.
  19. Das Gemälde des Martyriums eines Heiligen, der in einem Kochtopf gekocht wird.
  20. Das Fensterbildwappen einer Frau, auf dem sie in Robe und mit drei Löwen und einem Mann mit nacktem Oberkörper, Federhut und Ohrring dargestellt ist.
  21. Eine Kreuzigungsszene, in der dem Nachbarn von Jesus der Lebensatem als kleines Männchen aus dem Mund fliegt, während ein Teufelchen hämisch dabei zusieht.
  22. Lauter wundervolle Kuriositäten.
  23. Aber das berühmteste Kunstwerk befindet sich nicht im Museumsgebäude selbst, sondern in einer aufgelassenen Kirche einige Schritte davon entfernt.
  24. Es ist der Isenheimer Altar.
  25. Ein sonderbares Konstrukt auf verschiedenen Ebenen, die zu bestimmten Zeiten aufgeklappt wurden, um den Menschen verschiedene Aspekte des Glaubens zu vermitteln.
  26. Wie ein Programmkino der Frührenaissance sozusagen.
  27. In der Kirchen/Museumhalle ist der Altar auseinandergebaut, damit man alle Teile sehen kann. Ein Modell zeigt, wie er zusammengebaut aussehen würde und wie man ihn falten kann.
  28. Das am prominentesten ausgestellte Bild zeigt die Auferstehung. Es wirkt wie eines dieser modernen esoterischen Bilder, die man im Möbelhaus kaufen kann. Jesus streckt lässig die durchbohrten Hände heraus, schaut drein wie ein Superstar.
  29. Er strahlt so sehr, dass ich fast die sterbenden Soldaten zu seinen Füßen übersehe.
  30. Sehr surreal.
  31.  In einem ganz anderen Stil ist die Versuchung des heiligen Antonius dargestellt. Es erinnert an Hieronymus Bosch. Ein alter Mann liegt auf dem Boden. Monster mit Säugetier-, Vogel- und Reptilienkörpern bedrängen ihn.
  32. Ein Gnom, den gleich ein Fabeltier aufspießen wird, zerhackt mit verzweifelter Lust einen Frosch. Im Vordergrund liegt ein bläuliches Geschöpf mit Schmerbauch und schwelenden Wunden in Agonie.
  33. Warum das die Versuchung des Satans sein soll weiß ich nicht. Mich würde der eher mit schönen Dingen verführen.
  34. Fasziniert verlasse ich den Ausstellungsraum. Auf einem Portal sind lauter Köpfe von Leprakranen dargestellt.
  35. Mich gruselt es ein bisschen.
  36. Ich kaufe mir und den Kindern zum Ausgleich Eis. Ich nehme Karamell mit Salz. Weil das irgendwie zu dem seltsamen Museum passt.

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Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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3 Antworten zu Pensées: Ein Ausflug nach Colmar

  1. agathakath schreibt:

    Schönes Posting, danke. Du sprichst ein interessantes Phänomen in der katholischen Ikonographie: die ekstatische Verzückung der Heiligen beim Erdulden von Schmerz. Vielleicht waren bestimmte heute beliebte Sexualpraktiken gerade in Kirchenkreisen schon Jahrhunderte lang beliebt?

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