Pensées: Ein Ausflug zum Ballon d’Alsace

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  1. Am letzten Tag unseres Kurzurlaubs fuhren wir auf den Ballon d’Alsace.
  2. Das Ferienhaus, das wir gemietet hatten, lag am Fuß dieses Berges.
  3. Gleich neben der Kirche. Auf dem Friedhof liegen auffällig viele Menschen mit Namen Iltis. Dort sind die Gräber mit Steinplatten abgedeckt. Auf den Platten stehen entweder Schalen mit Blumen oder „Souverniers“. Das sind gravierte Steintäfelchen, etwa im DIN-A4-Format, auf denen Dinge stehen, wie „pour ma mère“
  4. Vor der Kirche steht ein großes Kreuz, zu dessen Fuß eine Plakette auf Deutsch einen Ablass ankündigt. 7 Jahre Ablass für 7 Ave Marias. 500 Tage für 5 Vater unser. Das erscheint ziemlich billig.
  5. Auf unserer Reise durch das Elsass haben wir nur Menschen getroffen, die Französisch sprachen. Manche bemühten sich mit großem Tamtam, mit uns Deutsch zu sprechen (obwohl wir sie zwar radebrechend, aber doch auf Französisch ansprachen), nur um zu zeigen, dass sie doch nicht hinreichend Deutsch konnten, um auch nur den einfachsten Satz zu sagen.
  6. Umso erstaunlicher ist, wie viele alte Inschriften auf Deutsch, bzw. Elsässisch verfasst sind.
  7. Wir fahren auf den Berg. Hügel eigentlich. Ein Ball.
  8. In Kärnten wäre es ein kleinerer Nock.
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  10. Auf den Weiden blühen Stiefmütterchen.
  11. Nach einer kleinen Steigung erreichen wir ein Denkmal.
  12. Jeanne d‘Arc ist dargestellt, auf einem sich aufbäumenden Pferd und mit der Fahne in der Hand.
  13. Mit spitzen Schnabelschuhen.
  14. Wir gehen weiter zum Gipfel. Das Elsass breitet sich auf sanften Hügeln unter uns aus.
  15. Auf dem Gipfel verzichtete man auf das bei uns obligatorische Kreuz. Name und Höhe des Berges sind auf einem ganz normalen Hinweisschild aufgeschrieben.
  16. Wie angenehm das ist, nicht auf Schritt und Tritt mit christlichen Symbolen überschüttet zu werden, wie schön, eine laizistische Gesellschaft ist, denke ich gerade, als ich die nächste Staue sehe.
  17. Eine Jungfrau Maria.
  18. Ich sollte mit Vorurteilen und mit Lob nicht vorschnell sein.
  19. Wir wandern wieder zum Parkplatz. Die Kinder springen voraus. Heute gefällt ihnen das Wandern. Nicht immer ist das so.
  20. Im Shop beim Parkplatz kaufen sich die Kinder Hansi-Gläser. Hansi war ein elsässischer Künstler, der hübsche Geschäftsschilder und Alltagsbilder gemalt hat. Die sehen nett aus. Ich habe auch ein Buch gekauft über das Leben in seinem Dorf.
  21. In der Einleitung steht, dass Hansi dafür ins Gefängnis musste. Wegen zu elaborierter anti-Deutschen Propaganda. Im jetzt französischen Elsass gilt er als Held.
  22. Wieder habe ich mich getäuscht und hinter der netten Fassade nur Harmlosigkeit vermutet.
  23. Im Geschäft riecht es nach Käse. Mir fällt ein, dass ich zwar überall hier von Munsterkäse gehört, aber keinen gekostet habe. Ich kaufe den kleinsten Munsterkäse, der angeboten wird.
  24. Beim Parkplatz steht ein Kriegerdenkmal. Es sieht hässlich aus (für meinen Geschmack). Auffällig ist aber, dass hier ein (vom Himmel?) herabstürzender Nackter den Soldaten symbolisiert. Nicht ein strammer Held, wie bei uns so gerne.
  25. Wir fahren zum Stausee am Fuß des Berges, kühlen uns die Füße und essen zu Mittag.
  26. Dann fahren wir nach Hause. Im Auto beginnt der Käse zu riechen. Aber noch nicht unangenehm.
  27. Zu Hause lege ich den Käse in den Kühlschrank. Dort beginnt er sein Aroma zu verbreiten. Obwohl er verschweißt ist.
  28. Ich stecke den Käse in eine Plastikschachtel. Zur Sicherheit lege ich das Ganze in den Weinkühlschrank im Keller. Bis zum Morgen ist das Käsearoma wieder wahrnehmbar.
  29. Zu Mittag gibt es für alle Käsebrote. Auf der Terrasse. Zur Sicherheit. Der Käse schmeckt gut. Beim Essen in der Sonne stinkt er auch nicht.
  30. Trotzdem bin ich froh, als wir ihn aufgegessen haben.

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Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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2 Antworten zu Pensées: Ein Ausflug zum Ballon d’Alsace

  1. Kerstin schreibt:

    sehr schön, deine reisegedanken und -berichte

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