Quasi Sciacquajje

IMG_9385

Im Sommer verbrachten mein Mann und ich eine Woche in Italien. Ganz ohne Kinder. Wir besuchten Museen, plantschten im Meer, aßen in Restaurants, in die wir sonst mit den Kindern nicht gehen können (oder wollen). An verschiedenen Orten kaufte ich Ohrringe zur Erinnerung.

Wir waren auch in den Abruzzen. In Giulianova, am Meer. So weit südlich an der Ostseite von Italien war ich noch nie. Deshalb freute ich mich besonders auf diese Gegend.

Von besonderen Ohrringen hatte ich gehört – Sciacquajje – die typisch für Abruzzo sind. Ich hatte Darstellungen aus den Zwanzigerjahren gesehen, auf denen Frauen in Alltagssituationen diese großen Ohrringe trugen. Es gibt auch ein Denkmal für Gefallene des Ersten Weltkrieges, auf dem die trauernden Frauen diese Ohrringe tragen (Bild unten). Dieses Denkmal besuchten wir auch.

Ich wollte unbedingt Sciacquajje haben. Im Internet versuchte ich Juweliere zu finden, die diese Ohrringe verkauften. Einen Treffer bekam ich für Pescara. Wir wollten uns ohnehin Pescara ansehen.

IMG_9394 IMG_9398 IMG_9412Der Juwelier befand sich in einer eher heruntergekommen aussehenden Gegend nahe am Meer. Das Geschäft war eines von jenen, die mit Billigschmuck, Nippesfiguren, Bilderrahmen und allerlei Tand vollgerammelt sind. Der Ladenbesitzer stand vor der Türe, und als ich umkehren wollte sprach er mich an. Da konnte ich schlecht wegrennen. Ich fragte nach den Ohrringen. Freudig zeigte er mir ein Paar. Das sah nicht so aus, wie ich mir die Sciacquajje vorgestellt hatte. Aber eine gewisse Ähnlichkeit bestand doch.

Er versicherte mir, das seien traditionelle Sciacquajje. Ich glaubte ihm nicht. Aber mir gefielen die Ohrringe gut. Und teuer waren sie auch nicht. Ich kaufte sie. Der Ladenbesitzer wirkte hocherfreut und packte die Ohrringe so umständlich ein, dass es meinem Mann zu langweilig wurde und er den Laden verließ. Bei der Verabschiedung schaute mit der Ladenbesitzer anzüglich an und fragte, wo man mich in Pescara denn abends antreffen könne.

Ein seltsamer Typ. Aber hübsche Ohrringe.

Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
Dieser Beitrag wurde unter Schmuckkolumne abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

5 Antworten zu Quasi Sciacquajje

  1. latenightlibrarian schreibt:

    Allerdings ein seltsamer Typ! Aber wirklich schöne Ohrringe.

  2. Pia Marie schreibt:

    Hallo Karin, du siehst mal wieder echt zauberhaft aus, wie Esmeralda oder so. Ich finde jedes Ohrloch und jedes Piercing an dir sooo schön und deine immer neuen Kobinatzionen machen mich noch ganz Verrück. Ich steh total auf dich, echt schade das du vergebenbist, ich denke gerade ernsthaft über einen wechsel ins Lesbenlager nach, weil da einfach auch viel mehr Piercingschmuk im einsatz ist.

    P.S. Sag mal hast du im rechten Ohr neue Löcher?

  3. Pingback: Pensées: Ausflüge nach Pescara L’Aquila, Teramo und Guardiagrele | Karin Koller

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s