Die Bentobox

Bento2

Am Samstag gehen wir gemeinsam einkaufen. Jedes Kind, das mitkommen will, kann sich Süßigkeiten für die nächste Woche aussuchen und Knabbergebäck für das Wochenende und worauf man sonst noch Lust hat.

Bei der Kasse liegen immer Gratishefte auf, von der Fleischerinnung, oder eines dieser Hochglanzhefte. Mein Mann nimmt diese Hefte gerne mit und schaut sie dann beim Mittagessen durch.

Manchmal finden wir eine Anregung für ein Abendessen darin, meistens werfen wir sie ungenutzt weg. Oder besser gesagt, nicht ganz ungenutzt, weil auf der Rückseite der Fleischerinnungshefte Witze stehen, die Katharina mit Wonne und Inbrunst vorliest. Und darüber lacht (auch wenn ihr das mitunter Mühe macht), weil Witze ja schließlich lustig sein müssen, sonst wären es ja keine Witze.

Wir sitzen also samstags bei Tisch und essen Leberkäsesemmeln. Mein Mann hat zwei Hefte vor sich liegen und sagt: „Schau her, da sind tolle Pausenbrote.“

Ich schaue nach, in dem Heft sind tatsächlich schöne Pausenbrote – mit Gemüse und Salat, mit Grillhuhn und Fleischlaberl, mit Curryfleisch und Schinken. Um zu zeigen, dass das Schulbrote sind, hat man neben jedes Jausenbrot Stifte und eine Tube Kleber gelegt. Ich finde das ein bisschen sonderbar.

„Und schau hier,“ sagt mein Mann, als er das zweite Heft durchblättert, „hier ist eine Bentobox. Da kann man gleich mehrere Gänge hineintun. Warum bekommen wir nie so etwas mit?“

„Weil wir keine Bentobox haben,“ sage ich und denke, damit ist das Thema erledigt.

Mein Mann aber springt auf, holt das iPad, wischt darauf herum und sagt nach einer Weile: „So, die Bentobox ist bestellt und ein Buch dazu auch.“

Ich denke mir, ich kann mir das ja anschauen, aber zwingen lasse ich mich zu nichts.

Nach einigen Tagen treffen Box und Buch ein. Die Box hat zwei Kompartements und ein kleines Schälchen. Platz also für Hauptspeise und Nachtisch.

Im Buch sind sehr aufwändige Gerichte beschrieben. Viergängige Menüs. Wenn sie kalt gegessen werden, sind innerhalb der Menüs die verschiedenen Komponenten kunstvoll durch Salatblätter getrennt.

Die Anleitungen sind mit einem Zeitrahmen versehen, manches dauert mehrere Stunden. Ein Bild zeigt eine Bunny-Sandwich-Bento mit in häschenform geschnittenen Schinkenbroten und Würstchentulpen auf Spießen mit Gurkenblättern. Sehr kunstvoll, aber zu viel.

Eine Bekannte, der ich das Buch zeige, sagt, das sei doch nur etwas für Hausfrauen, die sonst nichts zu tun haben. Das dämpft meinen ursprünglichen Bentoeifer mit dem ich mir schon überlegt habe, wie ich diese Sache angehen soll, ohne zu viel Aufwand zu treiben.

Ich frage mich, ob ich diese gelangweilte Hausfrau bin und schäme mich ein bisschen. Aber dann lasse ich mir das doch nicht vermiesen.

Jeden Tag denke ich nach, was ich in die Bentobox geben könnte: Fleischbällchen, Bratenbrote, selbstgebackene Brötchen mit Liptauer, Thunfischsalat, Mozzarella mit Tomaten, Muffins, Zwetschgenröster, Tortillas mit Guacamole und Huhn, Joghurt mit Früchten. Manchmal ist das fast kein Aufwand. Manchmal stelle ich mich in die Küche und backe extra für die Bentobox.

Jeden Tag kommen mein Mann und meine Kinder nach Hause und sagen: Heute war die Bento wieder gut.

Es macht mir Spaß, etwas Neues auszuprobieren. Es macht mir Spaß, wenn meine Familie eine Freude daran hat, dass ich das mache.

Es ist mir egal, wenn andere auf diese kleine Bentoidylle herabschauen. Ich finde sie schön.

Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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2 Antworten zu Die Bentobox

  1. Es Marinsche kocht schreibt:

    Und dann auch noch der „Mercedes“ unter den Bentoboxen…habe auch eine von MONBENTO, puristisch-stylisch, tolle Haptik und super gut durchdacht 😊 und ( mal näher an Karin Koller ranrück

  2. Es Marinsche kocht schreibt:

    und flüster ) beim BENTOSHOP gibt es tolle Ausstechhilfen und Sachen zum dekorieren, denn die meisten stellen sich sicher nicht stundenlang hin und verkünsteln sich…sie haben auch süsse Foodpicks, die nett aussehen und praktisch sind für unterwegs. Ein paar davon gibt es auf meiner Seite zu sehen 😊

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