Pensées: Ein Ausflug nach Mantua und Carpi

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  1. Von Gardone fahren wir nach Ravenna. Unterwegs wollen wir Mantua ansehen. Und Carpi, weil diese Stadt im Reiseführer extra ein Rufzeichen für besondere Schönheit hat.
  2. Nach Mantua fährt man über eine Brücke. Die Stadt sieht aus als läge sie in einem See. Die Seen heißen Lago inferiore, Lago superiore und Lago medio. Sie umschließen die Stadt aber nicht.
  3. Nicht sehr einfallsreich.
  4. In Mantua starb Andreas Hofer. Die Tiroler Landeshymne beginnt mit der Schilderung dieses Todes. Mein Mann trällert die Stelle manchmal vor sich hin. Warum, weiß ich nicht, da er alle Hymnen hasst.
  5. In Mantua ist keine Spur von Andreas Hofer zu finden.
  6. Wir suchen aber auch nicht. Wir brauchen den Österreichbezug nicht unbedingt.
  7. In einem Park steht ein riesiges Denkmal für Vergil. Mit überlebensgroßer Staue des Dichters in der Mitte und links ein Feldherr, der auf einen Soldaten tritt und rechts ein Pan, der einer Frau und einem Kind vorspielt. Unter den Skulpturen sind Zitate von Vergil in den Stein gemeißelt.
  8. Wir gehen in den Palazzo Ducale.
  9. Der wurde von der Familie Gonzaga erbaut.
  10. Besonders schön sind die Deckenmalereien. Ein Wolkenhimmel. Eine in Gold und Blau gehaltene Decke, die Heldentaten eines Gonzaga wie in einem Labyrinth beschreibt. Eine Darstellung der Sternbilder mit Monstern und Schlangen und Fabelwesen. Und den Sternen natürlich.
  11. Der Palazzo hat auch einen Dachgarten. Mit Säulengang. Mitten in der Stadt, aber eben nicht ebenerdig.
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  13. In einem Raum sehe ich schon wieder einen Hirschfischer (wie damals in Heidelberg).
  14. Diesmal ist er aber nicht so eindeutig. Der Hirsch könnte auch in einem Nebel versunken sein, aus dem ihn der Jäger herauszieht. Ich will mir aber lieber vorstellen, dass Hirschfischen wirklich einmal eine Beschäftigung war.
  15. Im gleichen Raum sind zwei Frauen dargestellt, die mit Speeren ein Wildschwein zu erlegen versuchen. Jägerinnen sieht man eher selten.
  16. Das Museum hat auch eine Skulpturensammlung. Eine dieser Skulpturen sieht Putin zum Verwechseln ähnlich, stammt aber aus römischer Zeit. Eine andere zeigt eine sehr schöne Herrensandale. Aber ohne Herr. Der scheint abgebrochen zu sein.
  17. Nach dem Museum schlendern wir durch die Stadt. In einem Eissalon sehen wir in einer Vitrine ein Assortiment von selbstgemachten Eislutschern. Kiwi und rosa Grapefruit, Joghurt und Ananas. Fast schwarzes Waldfrüchteeis.
  18. Ich muss so ein Eis kosten. Es schmeckt sehr gut und erfrischend. Ich nehme mir vor, zu Hause auch so Schleckeis selbst zu machen.
  19. In den wildesten Geschmacksrichtungen.
  20. In fast jeder Bäckerei sind Torte di Tagliatelle ausgestellt. Nester aus trockenen Nudeln mit Nussfülle. Ich bin neugierig und kaufe mir auch eine kleine Torte.
  21. Die schmeckt, wie sie ausschaut: Trocken-knusprige Nudeln zusammengeklebt mit Marzipan.
  22. Das habe ich mir erwartet und bin trotzdem enttäuscht.
  23. Ich bin immer enttäuscht, wenn lokale Spezialitäten nicht herrlich schmecken. Aber viele sind genau deshalb nur lokale Spezialitäten.
  24. Wir gehen in eine alte römische Kirche, die ein schönes Gewölbe hat, ansonsten aber leer ist. Der Dom ist über Mittag geschlossen. Wir schlendern durch die Stadt und dann zum See.
  25. Ausflugsboote fahren dort herum. Eltern spielen mit ihren Kindern.
  26. Wir gehen zum Auto und fahren nach Carpi.
  27. Es ist Sonntag und die Stadt wirkt wie ausgestorben.
  28. Aus irgendeinem Grund habe ich mir die Füße aufgerieben in Sandalen, die ich seit Jahren habe und mit denen ich schon durch ganz Paris gelaufen bin.
  29. Carpi hat einen riesigen Stadtplatz. Die Kirche wird gerade renoviert, auf das Museum haben wir keine Lust.
  30. Wir setzen uns in eine Bar und trinken Kaffee. Um uns herum sitzen alte Männer. Manche plaudern miteinander. Andere sitzen alleine, stieren auf den verlassenen Platz und schlagen den Sonntag tot.
  31. Wir fahren weiter nach Ravenna.

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Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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