Pensées: ein Ausflug nach Ravenna 1

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  1. In Ravenna gehen wir zuerst zur Basilika di S. Vitale. Dort kann man keine Tickets kaufen. Die müssen wir uns in einem Geschäft in der Nähe holen. Es ist eine Eintrittskarte für „Opere di religione delle diocesi di Ravenna“. Für die Sehenswürdigkeiten der Diözese.
  2. Fünf Stück sind das. Jedes hat am Rand der Karte ein Kästchen. Als wir die Kirche betreten, wird ein Kästchen gelocht.
  3. Ich frage mich, ob es am Ende der Besichtigungstour, wenn alle Kästchen gelocht sind, einen Stand gibt, an dem ich mir ein Würstchen zur Belohnung abholen kann. Wie beim Kindergartenfest, bei dem die Karten ähnlich aussahen.
  4. In der Kirche sind viele alte Mosaike. Von Justinian und Theodora, von Jesus und den Aposteln. Mich faszinieren die Kleidungsstücke, der Schmuck, die Schuhe.
  5. Es wäre interessant, eine Modestudie anhand alter Kunstwerke zu machen. Die Entwicklung der Schuhe zum Beispiel und dabei herauszufinden, wie authentisch Flip-Flop-Sandalen auf alten Mosaiken sind.
  6. In der Mitte der Kirche befindet sich eine Kuppel mit barocken Gemälden. Die Stimmung ist ganz anders als auf den alten Mosaiken. Bedrohlicher.
  7. Mir gefällt das nicht. Aber ich frage mich, inwieweit alte Kunst konserviert werden muss und inwieweit Platz für neuere und neue Kunst geschaffen werden muss.
  8. Unabhängig von meinem Geschmack.
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  10. Gleich neben der Kirche ist das Mausoleum der Galla Placidia. Wir bekommen das zweite Loch in unsere Karte gestanzt. In dem Mausoleum ist ein Schild, das Besucher bittet, aus mikroklimatischen Gründen den Raum nach fünf Minuten wieder zu verlassen.
  11. Ich stelle mir vor, wie ich ohnmächtig niedersinke und dann sterbe, nur weil mir die Mosaike so gefallen, dass ich sie zehn Minuten lang anschaute.
  12. Im Mausoleum ist ein seltsames Bild von einem Heiligen mit Kreuz auf der Schulter, der mit einem Buch vor einem Feuer steht. Ein offener Bücherschrank ist daneben. Es sieht aus wie eine Bücherverbrennung.
  13. Das Museum in der Nähe hat montags geschlossen. Also gehen wir durch die Stadt.
  14. Und in eine Kirche, die barock aussieht. Auf einem Altar stehen Bilder von den Päpsten Johannes XXIII und Joannes Paul II. In goldenen Rahmen. Mein Empfinden, Neues sollte nicht einfach mit dem Alten vermischt werden, verstärkt sich ob dieser Scheußlichkeit.
  15. Wir gehen weiter in das Battisterio Neoniano. Wieder schöne Mosaike. Auf einem tauft Johannes Jesus. Jesus steht im Wasser und Johannes schüttet ihm mit einer Schale Wasser über den Kopf. Eine erkennbare Taufszene also.
  16. Später lese ich in einem Reiseführer, dass damals die Taufe durch Untertauchen erfolgte, eine Schale also nicht notwendig war. Und dass ein Restaurator die Schale Jahrhunderte später einfach eigenständig eingefügt hat. Ein Mosaik-Photoshop sozusagen.
  17. Als wir weiterschlendern, kommen wir zur „Zona Dantesca – Zona del Silenzio“, dem Grabmal Dantes. Die Gebeine Dantes wurden mehrmals ausgegraben, versteckt und wieder aufgefunden, bevor sie in dieser „Zone der Stille“ mit einem Monument und einem Kunstschmiedegitter mit dem Motto „Hic non cedo malis“ zur Ruhe kamen.
  18. Die Sonne scheint und wir wollen unsere diözesische Wurstkarte nicht fertigmachen, wir fahren lieber ans Meer. Essen Eis, baden, lesen und liegen in der Sonne.

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Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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