Abendspaziergang meets Star Wars

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Jeden Abend, wenn es nicht regnet, gehe ich mit meinem Mann eine halbe Stunde spazieren. Wir bewegen uns, kommen an die Luft und weg von den elektronischen Geräten. Sprechen miteinander.

Als es vor Sieben noch hell war, gingen wir durch den Wald. Aber jetzt wird es schon um sechs Uhr dunkel und wir gehen lieber auf dem asphaltierten Feldweg, damit wir uns nicht über nachtschwarze glitschige Baumwurzeln in den Tod stürzen.

Katharina geht gerne mit uns mit, sie mag es, spazieren zu gehen, und sie mag nicht, ohne uns zu Hause zu sein. Da verzichtet sie sogar aufs Fernsehen.

Ich weiß jetzt, was in der Schule passiert, und was sie in Sachunterricht lernt.

Mich fasziniert, wie ich jeden Abend etwas anderes sehe, obwohl wir immer die gleiche Runde machen. Das Licht ist anders, die Wolken, die Blätter auf den Bäumen, die Züge, die in der Ferne vorbeifahren. Das Rauschen des Baches klingt im Dunkel anders als in der Dämmerung. Die Kühe am Feld sind nun nur noch durch das Gebimmel ihrer Glocken wahrnehmbar. Bei Vollmond ist der ganze Weg ausgeleuchtet, bei wolkenverhangenem Himmel so dunkel, dass Katharina bange wird. Und dass die Flutlichter des Fußballklubs schon von der Ferne blenden.

Neulich musste ich Katharinas Jacke waschen, Katharina blieb zu Hause. Es war ein besonders dunkler Abend. Die Felder waren frisch gedüngt und die Aromapalette erstreckte sich von Schweinegedärm bis Kanalgeruch.

Da sahen wir sie. Sie leuchteten in der Dunkelheit. Und machten Lärm.

Es waren Traktoren und die Maiserntemaschine. Die Maiserntemaschine stand mitten auf dem Feld und wurde von einem Traktorscheinwerfer angeleuchtet. Das Schneidewerkzeug war riesig, mit großen Spitzen und Rotorblättern dazwischen. Es bestand aus mehreren Schichten, die mit kreischendem Gesurre übereinandergeklappt wurden.

Die Maschinen sahen aus, als wären sie Star Wars entstiegen. Als würden sie hier mitten auf dem Feld die Übernahme der Weltherrschaft besprechen. Und dann noch dieser faulige Geruch, der direkt von ihnen aufzusteigen schien.

Und als ich dachte, nur könnte es nicht mehr unheimlicher werden, raste auf dem schmalen Feldweg ein weiterer riesiger Traktor auf uns zu. Wir sprangen in die Wiese, um nicht überfahren zu werden. Diese Maschinen würden sich durch nichts in ihrer Mission aufhalten lassen.

Der erste Traktor löste sich von der Maiserntemaschine und fuhr rund um das Feld zum nächsten Feld. Die Maiserntemaschine folgte. Und der zweite Traktor auch. In einer glänzenden Linie beleuchteten sie das Feld. Dann begann die Ernte. Mit Geschnaube und Gepruste und Gesurre der Maschinen. Als würden sie sich aufwärmen, bevor losführen, um unser Dorf und dann die Welt zu zerstören. In der Dunkelheit wird alles zum Sciencefictionfilm.

Als ich meine Gedanken als kindisch verwerfen wollte, raste der nächste Traktor lärmend und mit halsbrecherischer Geschwindigkeit auf uns zu. Sie würden nicht von uns ablassen, bis sie bekommen hatten, was sie wollten, dachte ich, und: Gut, dass Katharina nicht mitgekommen ist.

Wir gingen zum Auto zurück. Im Licht der Straßenlaternen sah die Welt weniger bedrohlich aus. An einer Abzweigung bog einer der Traktoren vor uns ab. Immer noch riesig, immer noch mit halsbrecherischer Geschwindigkeit. Als wir hinter ihm herfuhren, merkte ich, diese halsbrecherische Geschwindigkeit war in Wirklichkeit 30 km/h.

Es ist alles relativ. Vielleicht sogar das nächtliche Weltverschwörungsabenteuer.

Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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