Pensées: Ausflüge nach Pescara, L’Aquila, Teramo und Guardiagrele

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  1. Auf der Suche nach Sciacquajje fahren wir nach Pescara. Nachdem ich Ohrringe gekauft habe, versuchen wir das Stadtzentrum zu finden.
  2. Es scheint hier weder ein Zentrum noch Parkhäuser zu geben, nur eine sehr hässliche Stadt, die sich am Meer entlangzieht.
  3. Ein Museum würde mich interessieren, wir geben die Adresse in das Navigationssystem ein und finden weder Parkplatz noch Museum.
  4. Obwohl in Italien fast jede x-beliebige Stadt schön ist, sind es manche nicht. Pescara ist eine davon. Und Pistoia, wie wir vor einigen Jahren feststellten.
  5. Ich beginne an einen P-Fluch bei italienischen Städten zu glauben.
  6. Enttäuscht fahren wir nach Giulianova zurück. Am Nachmittag ist es zu bewölkt, um baden zu gehen, deshalb beschließen wir, nach L‘Aquila zu fahren.
  7. Dafür müssen wir durch den Gran Sasso d’Italia fahren. Mir kommt es komisch vor, so nahe am Meer einen so hohen Berg zu sehen. Auch dass sich hier der südlichchte Gletscher Europas befindet.
  8. Ein Schild zeigt an, dass Rom nur 150 km entfernt ist.
  9. Je näher wir dem Berg kommen, desto schlechter wird das Wetter.
  10. Im Tunnel gibt es immer wieder Abzweigungen, die aber nur für Berechtigte sind. Ich stelle mir eine geheime Welt im Inneren des Berges vor.
  11. Auf der anderen Seite des Tunnels schüttet es in Strömen. So sehr, dass ich kaum aus dem Auto hinaussehe.
  12. Wir sind wetterfest, denke ich, und deshalb schauen wir uns trotzdem die Stadt an. Die ist aber kaputt.
  13. Fünf Jahre nach dem Erdbeben ist immer noch fast jedes Haus der Innenstadt eingerüstet. Viele Häuser sind mit lieblosen Grafittis besprüht, viele Geschäfte geschlossen.
  14. An den Baufahrzeugen und Kränen kommt man auch zu Fuß fast nicht vorbei, die Straßen sind sehr eng.
  15. An Rande des Stadtzentrums ist eine große Festung, in der sich auch das Museo Nationale d’Abruzzo. Um herauszufinden, ob es offen hat, müssten wir um den gesamten Gebäudekomplex herumgehen.
  16. Aber es regnet noch stärker und auf den Gelände steht ein Kran.
  17. Wir riskieren keine vergeben Extrarunde und fahren wieder zurück.
  18. Kaum kommen wir durch den Tunnel, klart das Wetter auf.
  19. Unterwegs schauen wir noch Teramo an.
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  21. Am nächsten Tag fahren wir nach Guardiagrele. Hier soll es tatsächlich Sciacquajje geben.
  22. Die Sonne scheint wieder.
  23. Von der Stadt aus hat man einen schönen Blick auf die Umgebung. Nahe des Aussichtspunkts hat jemand „all coop are bastard“ auf eine rote Blechkiste gesprüht. Wahrscheinlich waren nicht Lebensmittelgeschäfte gemeint. Dort steht auch: Gewalt ist das Resultat eines Systems, das gescheitert ist.
  24. In der Stadt gibt es einige Juweliere. Und endlich Sciacquajje. Ich kaufe mir welche. Und mein Mann kauft halb heimlich auch ein Paar für mich zum Geburtstag.
  25. Es gibt auch einen Feinkostladen, klein und muffig, mit Weinen und Wurst aus der Region.
  26. Und mit Gelatina di Ratafia mit Untertitel „Elisir d’amore“ von der Firma I Pensieri del Poeta. Das ist mir fast zu poetisch. Kaufen traue ich es mich nicht.
  27. Im Hotel schaue ich aber nach, was das ist. Ratafia ist eine Mischung aus Traubenmost und Weinbrand. Dieses Getränk servierte man früher, wenn Verträge unterschrieben wurden. Daher der Name (von Rata fiat, ratifizieren).
  28. An der Kirche hängt eine Tafel, die den Opfern des Faschismus gedenkt. Von 2007 erst aber immerhin. Es wäre gar nicht so schwer, solche Tafeln auch in Dörfer bei uns zu hängen.
  29. Wir fahren noch nach Bocca del Valle. Dort gibt es in einer künstlichen Grotte ein Denkmal gegen den Krieg. Eigentlich gefällt es mir nicht. Aber die Frauen tragen schöne Ohrringe.
  30. Und der Krieg wird dargestellt als weinende Frauen. Nicht als heroische Männer, wie bei uns immer.
  31. Wir fahren zurück nach Giulianova und nach dem Abendessen gehen wir noch einmal an den Strand. Mir fällt auf, dass ich sicher schon zwanzig Jahre nicht mehr in der Nacht am Strand war.
  32. Schön ist das Meer, so schwarz. Und die Lichter. Ich möchte gar nicht mehr zurück.

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Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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