Pensées: Ein Ausflug zur Garnitzenklamm

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  1. In den Sommerferien wollte ich viele Wandertouren machen. Mit den Kindern und meiner Mutter in Kärnten. Touren, die mein Mann nicht mitmachen würde, weil er nicht gerne wandert, und wenn, dann nur bei Touren mit Aussicht.
  2. Ich hätte mir siebenstündige Wanderungen vorgestellt, und Wanderungen mit Übernachtung.
  3. Die Kinder waren nicht begeistert.
  4. „Wandern ist lahm,“ sagten sie.
  5. Na ja, eine schöne Wanderung würde sie schon dazu bringen, ihre Meinung zu ändern, dachte ich.
  6. Aber dann war das Wetter schlecht. Jeden Tag sah es so aus, als würde ein Guss oder vielleicht sogar ein Gewitter über die Berge niedergehen. Das wollte ich nicht riskieren.
  7. Aber dann kam doch ein Sonnenfenster, ausgerechnet an dem Tag, an dem sich meine Mutter nicht wohlfühlte. Aber ich wollte unbedingt wandern gehen. Die Kinder schmollten ein bisschen.
  8. Meine Mutter schlug vor, wir könnten in die Garnitzenklamm gehen. Es sei ein bisschen schwierig und gefährlich, aber wir würden das schon schaffen.
  9. Bei „schwierig“ horchten die Kinder auf, bei „gefährlich“ waren sie hellauf begeistert. Sie wissen, dass ihre Mutter leicht in Panik gerät. Aber ich versuche, nicht ständig Angst zu haben.
  10. Bei der Klamm angekommen, zahlten wir den Eintritt. Die Frau an der Kasse sagte: „Für Kinder unter 12 empfehlen wir, nur die ersten beiden Abschnitte zu gehen,“ und gab mir eine Wanderkarte.
  11.  DSC01075 - Kopie DSC01071 DSC01072
  12. Die Tour war laut Beschreibung 3 Stunden lang. Ein Rundweg. Eigentlich genau das Richtige für uns.
  13. Ein Schild zu Beginn des Trails ermunterte Kinder, bei einem Rätsel mitzumachen. Bei jedem Schild des Geotrails sollten sie einen Buchstaben finden und aus diesen Buchstaben das Lösungswort bilden.
  14. Das wollten meine Kinder versuchen. Sie stellten sich die schönsten Preise vor.
  15. Eine Holzbrücke führte zu Beginn des Weges über die Klamm. In deren Nähe war eine Picknickzone. Lukas bekam Hunger. Ich beschwichtigte ihn ein bisschen.
  16. Bei der nächsten Gelegenheit setzten wir uns auf Steine und aßen die ersten Brote. Satt wandert es sich besser.
  17. Der Weg führte der Klamm entlang. Er war nicht gefährlich. Aber wenn man nicht aufpasste, oder blöd herumsprang, konnte man schon abstürzen.
  18. In den reißenden Bach.
  19. Dessen Kraft auf den Informationstafeln des Geotrails beschrieben war.
  20. Ich muss den Kindern mehr zutrauen, dachte ich, und die Angst ließ nach.
  21. Da bemerkte ich an einer besonders ungefährlichen Stelle eine Gedenktafel für einen Vierzehnjährigen, der beim Blumenpflücken tödlich verunglückt war.
  22. Sofort kam Panik auf. Warum musste ich die Kinder sinnlos in Gefahr bringen?
  23. Aber ich beruhigte mich und wir gingen weiter.
  24. Auf den Tafeln war zu lesen, wie das Gestein durch die geologischen Kräfte verbogen wurde. Ich konnte mir nicht vorstellen, wie es ist, wenn sich Stein verbiegt.
  25. Es wurde auch auf die unterschiedlichen Steinarten aufmerksam gemacht. Vor dieser Tafel waren das nur Steine für mich. Danach sah ich ihre Größen, ihre Farben, ihre Texturen.
  26. Einer dieser Steine, ein besonders großer (fast ein Fels), hatte eine eigene Tafel. Er war aus einem Gestein, das es auf dieser Seite des Berges nicht gab. Die einzige Erklärung, wie er dorthin gelangt sein konnte, war, von einem Gletscher über den Bergkamm getragen worden zu sein.
  27. Auch auf Fossilien wurde aufmerksam gemacht. Aus dem Urmeer. Wir selbst fanden leider keine.
  28. Wir jausneten noch einmal. Und hielten die Füße in die Klamm.
  29. An einer Stelle mussten wir uns an Seilen festhalten und einen Abhang entlang balancieren. Ich hatte keine Angst. Ich traute das den Kindern zu und war ein bisschen stolz auf meine Gelassenheit.
  30. Die Kinder lösten das Rätsel, und ich las alle Tafeln.
  31. Ich konnte mir immer noch nicht vorstellen, wie Berge sich aus dem Meer erhoben, und Felsbrocken über Bergkämme wanderten. Es war wie eine Wundergeschichte.
  32. Wir wanderten über den Rundweg zurück ins Tal. Dort kehrten wir in einem Gasthaus ein.
  33. Bananensplit und Schmalzgebäck für die Kinder. Cranberrysaft für mich. Eigentlich affig so ein Saft, dachte ich zuerst, war aber neugierig und fand am Ende, dass dieser Saft die beste Erfrischung für mich nach einer Wanderung war.
  34. Zurück beim Klammeingang wollten die Kinder das Rätsel auflösen und ihre Preise abholen. Die Frau an der Kasse sagte, das hätte man im Besucherzentrum oben machen sollen.
  35. Ich habe dort kein Besucherzentrum gesehen. Vielleicht ist es erst in dem Abschnitt, in dem Kinder nicht hinwandern sollen?
  36. Trotzdem gefiel es den Kindern. Sogar Anna sagte, so eine Wanderung sei cool. Und ihr gefällt schon kaum mehr etwas, das ich vorschlage.
  37. Auf der Heimfahrt begann es zu regnen.
  38. Einige Tage später wurde eine Brücke in der Klamm bei heftigen Regenfällen weggespült. Die Klamm war gesperrt.

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Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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