Pensées: Ein Ausflug nach Pontebba

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  1. Es regnet immer noch.
  2. Berge und Seen kommen nicht in Frage. Das Einkaufszentrum haben wir auch schon ausgeschöpft, den ganzen Tag kann man auch nicht im Haus herumhängen.
  3. Also machen wir einen Ausflug nach Pontebba. Das liegt etwa eine halbe Stunde vom Haus meiner Mutter entfernt.
  4. Wir versprechen den Kindern Eis und hegen die stille Hoffnung, dass in Pontebba – schließlich liegt das in Italien – Schönwetter ist.
  5. In Pontebba schüttet es natürlich. Mehr als daheim. Was sonst?
  6. Dorthin fahren wir durch das Kanaltal. Bis in die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts war diese Gegend zweisprachig. Und zwar Deutsch und Slowenisch. Fast kein Italienisch.
  7. Dann wurden Menschen vertrieben und andere hier angesiedelt.
  8. Pontebba war die Grenzstadt zwischen dem Herzogtum Kärnten und Venedig.
  9. Alte Grenzsteine erinnern noch daran. Auf einem steht: „Kronland Venedig X Meilen nach Udine.“ Auf dem anderen: „Kaiserthum Österreich. Herzogthum Kärnten. IX Myriameter von Klagenfurt.“
  10. Warum die Distanzen in verschiedenen Einheiten angegeben sind, weiß ich nicht.
  11. Myriameter klingt wie aus einem Märchen. Stünde sie nicht auf dem Grenzstein, ich würde meinen, diese Einheit sei erfunden.
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  13. Jetzt ist die Gegend viersprachig (Italienisch, Friulanisch, Deutsch und Slowenisch – das Gemeindeamt ist in drei Sprachen beschildert, nicht in Slowenisch).
  14. Auf der Brücke, die die Grenze bildet, sind friulanische Lieder ausgestellt. Auf den ersten Blick scheint die Sprache dem Französischen verwandt zu sein.
  15. Wir rennen durch den Regen in die erstbeste Bar. Dort gönnen wir uns jeder eine Eiskugel und setzen uns an einen Tisch, um zu essen.
  16. Ich schaue auf die Karte. Ein Espresso kostet 1€. Ein Cappuccino 1.20€. Ich erinnere mich, im Café Landtmann kostet ein Cappuccino 5.50€. Dafür ist es hier nicht so aufgeplüscht. Was kein Nachteil ist.
  17. Beim Verlassen des Lokals sehen wir ein Plakat für einen Ausstellung im Gemeindeamt. Wir gehen dorthin.
  18. Das Wappen von Pontebba reflektiert die Geschichte: Ein Stern über einer Brücke, auf der zwei Grenzhäuschen stehen. Eines davon hat die Österreichische Fahne gehisst, auf dem anderen steht der Löwe von San Marco. Das Wappen muss nach 1918 entstanden sein.
  19. Wir gehen in das Museum, oder vielmehr in den Raum des Gemeindeamts, der das Museum ist. Ausgestellt sind „Worte im Stein“ (oder so ähnlich ist der Titel der Ausstellung).
  20. Auf Tafeln hängen Fotos von auf Felsen geschriebenen oder in Stein gemeißelten Worten, Gedenktafeln und Hinweisen, die während des ersten Weltkrieges an der Isonzofront entstanden.
  21. Eines davon ist von einem Wassertrog. Der Hinweis: „Sauberkeit ist die Gesundheit des Menschen“ ist dort eingemeißelt.
  22. Auf einem Felsen meißelten Soldaten ein: „Wir wollen den Frieden bitte“, gemeinsam mit der Jahreszahl 1917.
  23. Auf einer deutschsprachigen Tafel steht: „Fluch und Rache dem welschen Verrat, Segen und Nutzen den eigenen Braven!“ Auf einer anderen wird des Besuches von Thronfolger Karl 1915 gedacht.
  24. In Schaukästen sind Alltagsgegenstände der Soldaten ausgestellt, wie italienische Konservendosen. Oder Alltagsszenen des Krieges, wie Soldaten, die einen Berg von Stiefeln reparieren.
  25. Mir gefällt dieses winzige Museum. Aber schnell haben wir es angeschaut.
  26. Draußen regnet es immer noch. Wir fahren nach Hause. Immerhin haben wir etwas gesehen an diesem Regentag.

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Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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