Wir erfinden einen Regionalkrimi

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Bei Tisch sagt Lukas plötzlich ohne Anlass: „Mama, vielleicht kaufen die Leute deine Bücher nur, weil sie einen schiefen Tisch damit gerade machen wollen.“

Ich weiß zwar nicht, warum er das witzig findet, scherze aber ebenso blöd zurück: „Das ist mir wurscht, mir geht es eh nur ums Geld.“

Da lacht Anna und sagt: „Wenn es dir wirklich ums Geld gegangen wäre, hättest du etwas anderes schreiben müssen. Einen Krimi vielleicht.“

Eigentlich eine gute Idee. Unser Dorf ist wahrscheinlich das einzige im deutschsprachigen Raum, über das es noch keinen Regionalkrimi gibt.

Ich frage die Kinder, worüber sie den Krimi schreiben würden.

Alle drei sind sich einig, der Pfarrer muss das Mordopfer sein, die Religionslehrerin die Täterin. Katharina hatte nämlich letztes Jahr Erstkommunion.

Bei der (obligatorischen) Hausmesse predigte der über achtzigjährige Pfarrer nicht, sondern erzählte vom ewigen Leben, wie schön das sei und wie sehr er sich danach sehnte. „Ihr werdet euch fragen, warum nicht jeder gleich sterben will“, sagte er zu den Achtjährigen und antwortete selbst mit einem tiefen Seufzer: „eine gute Frage.“

Er erzählte den Kindern von seiner Herzoperation und wie er sich durch einen täglichen Waldspaziergang fit halte, wie er nicht sterben dürfe (obwohl er sich eigentlich nichts sehnlicher wünschte), weil sonst in unserer Gemeinde kein Pfarrer nachkäme.

Ich hätte ja für eine Kindermesse ein Blumen- und Lichtblabla geeigneter gefunden, aber bitte, meine Kinder waren beeindruckt. Jetzt lassen sie sich von dieser Erzählung zu einem Krimi inspirieren.

Bei Tisch rufen sie wild durcheinander. Die Ideen sprudeln nur so.

„Er geht in den Wald. Die Religionslehrerin lockt ihn auf einen Baum.“

„Nein, sie vergiftet ihn.“

„Nein, sie will ihn über einen Felsen stürzen.“

„Und als er das merkt, wehrt er sich.“

„Aber sie ist zu stark, setzt sich auf ihn drauf, und er hat keine Chance.“

„Sie lässt es wie einen Unfall aussehen.“

„Wie einen Herzinfarkt, weil sie ihm vorher Medizin eingeflößt hat.“

„Wie kann sie das, wenn er ja auf den Baum geklettert ist? Das glaubt doch keiner.“

„Das mit dem Baum ist doch schon längst wieder vorbei. Pass doch auf.“

„Der Kindergärtnerin kommt etwas komisch vor. Sie forscht nach und klärt den Fall auf.“

„Hat die Religionslehrerin ihn jetzt zerquetscht?“

„Nein, die ist geflohen und sie haben sie im Pfarrhaus festgenommen.“

„Und auf dem Weg ins Gefängnis schreit sie noch: Ich bin unschuldig, der Pfarrer wollte doch unbedingt zu Gott.“

Das hat der Pfarrer davon, wenn er Kindern solche Geschichten erzählt.

Und ich komme vielleicht doch noch zu einem Bestseller.

Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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4 Antworten zu Wir erfinden einen Regionalkrimi

  1. dasmanuel schreibt:

    Die Idee mit dem Pfarrer und der Religionslehrerin ist gut! Auch der Gedanke mit dem ‚Ins Himmelreich auffahren wollen aber nicht können‘ … Hmmm.

    Viel Spaß beim Schreiben! 😀

    • Karin Koller schreibt:

      Danke. Ich fürchte jedoch, ich eigne mich nicht als Krimiautorin. Ich fand es aber lustig, zu sehen, was sich die Kinder ausdenken würden, und woher diese Gedanken kamen.

  2. Pingback: Das Kind schläft in der Schule | Karin Koller

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