Pensées: Ein Ausflug nach Venedig 3

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  1. Am dritten Tag unseres Urlaubs in Venedig scheint die Sonne nicht mehr. Vom Vaporetto-Hafen aus sieht die Stadt wie halb ausradiert aus. Verschwommen, mit Grauschleier. Nur eine rote Boje leuchtet surreal.
  2. Noch ist nicht entschieden, ob es regnen wird. Wir nehmen sicherheitshalber die Jacken mit und fahren mit dem Vaporetto zur Accademia.
  3. Ich mache den Kindern diesen Museumsbesuch schmackhaft, indem ich einen Preis (ein Muranoglastierchen) ausschreibe für 10 gefundene Ohrringe auf Bildern oder Skulpturen.
  4. Mit einiger Begeisterung laufen sie los und schauen sich tatsächlich die Bilder an.
  5. Ich kann mir nicht alle Bilder in Ruhe anschauen, weil ständig eines der Kinder mich zur Ohrringbeschau herbeiruft. Viele Frauen sind hier mit Ohrringen dargestellt.
  6. Das Museum zeigt viele sakrale Werke. Viele Höllen- und Teufelsdarstellungen sind dabei.
  7. Auf einem Kreuzigungsbild von 1460 trägt Jesus einen Lendenschurz, die beiden mit ihm Gekreuzigten tragen aber Unterhosen, die heute auch modern wären.
  8. Auf einem anderen Bild von Tiepolo (Castigo die Serpenti) saugt ein rosiges Baby an der Brust seiner (offenbar schon länger) toten Mutter.
  9. Jedes der Kinder hat 10 Ohrringe gefunden, alle werden einen Preis bekommen.DSC01170 DSC01161 DSC01174
  10. Vor der Accademia kaufe ich bei einem Kiosk Getränke. Außen am Kiosk hängt ein Kalender. Jeden Monat lächelt ein junger Priester in Soutane von diesem Kalender herab. Ein Kalender abseits der Pornoindustrie.
  11. Auf der Eintrittskarte steht, wir können noch ein zweites Museum in einem Palazzo Grimani anschauen. Weil es aussieht, als würde es gleich regnen, beschließen wir das zu tun, mit Hilfe eines Stadtplans.
  12. Als wir beim Palazzo Grimani ankommen, entpuppt sich dieser als Berufungsgericht. In verschiedenen Sprachen hängen Zettel an der Türe: „Hier ist kein Museum.“ Und „Hier ist auch keine Toilette.“
  13. Aber ein Supermarkt ist in der Nähe und wir kaufen Brote, die wir gleich essen (ich hätte ja gerne Tripe, traue mich aber nicht). Auf den Stiegen bei einem Kanal, neben einem Schild „no picnic“ aber ohne Menschen in Orange, die uns verscheuchen.
  14. Während des Essens schaue ich noch einmal auf den Stadtplan. Es gibt noch einen zweiten Palazzo Grimani auf der anderen Seite des Markusplatzes.
  15. Durch kleine, verwinkelte Gassen voller Touristen und Souveniershops quetschen wir uns zum Palazzo Grimani, in dem tatsächlich ein Museum ist.
  16. Das ist eher klein und im Verhältnis zum Aufwand, den wir betrieben haben, nicht unbedingt der Mühe wert.
  17. Aber ein Polyptych von Hieronymus Bosch hängt dort. Vom irdischen Paradies, dem Himmel, der Hölle und dem Fall der Verdammten.
  18. Die Kinder möchten nach Murano, um ihren Museumspreis einzulösen. Ich möchte das Glasmuseum anschauen in der Hoffnung, dort werde gezeigt, wie die Glasgoldfische in die Glaswassertropfen kommen.
  19. Also besteigen wir wieder ein Vaporetto und fahren nach Murano. An der Station ruft ein Mann: „Zu den Glaswerkstätten geht es dorthin.“
  20. Alle Touristen, wir natürlich auch, gehen in diese Richtung, nur um nach 200 Metern im Nirgendwo am Meer zu stehen. Als wir zurückkommen, lacht der Mann noch immer ungut.
  21. Auf dem Weg zum Museum müssen die Kinder in jedem einzelnen Glasgeschäft vorsondieren.
  22. An einer Säule neben einer Kirche ist ein altes Relief, auf dem Glasbläser dargestellt sind.
  23. Das Museum wird renoviert. Man kann dennoch Teile davon besichtigen. Zum fast gleich hohen Eintrittspreis. Wenige Räume mit nichtssagenden Glasgefäßen sind offen. Über die Herstellung der Figuren erfährt man so gut wie nichts. Nach wenigen Minuten haben wir alles gesehen und fühlen uns geneppt.
  24. Die Kinder sind aber froh, jetzt können sie ihre Tiere kaufen. Es ist so schön zu sehen, wie sie abwägen, wie sie wirklich die schönsten und gleichzeitig preisgünstigsten Tiere kaufen. Wie unterschiedliche Entscheidungen sie treffen. Wie sie sich freuen, über ihre Tiere.
  25. Ich kaufe mir noch Ohrringe.

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Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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Eine Antwort zu Pensées: Ein Ausflug nach Venedig 3

  1. petrasreiseblog schreibt:

    Hat dies auf petrasreiseblog rebloggt und kommentierte:
    Netter Bericht! Einige Info werden wir in zwei Wochen vielleicht verwerten können…
    Besten Dank!!😊😊😊

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