Pensées: Die Dada, Kunstmuseum Appenzell

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  1. In Appenzell, einer Stadt in der die Häuser mit Kühen und Trachtenfiguren bemalt sind, gibt es auch eine Ausstellung über Dada Künstlerinnen.
  2. Das Kunstmuseum Appenzell ist in einem modernen Gebäude untergebracht, dessen Zacken wohl die Berglandschaft reflektieren soll. Es wirkt wie ein augenzwinkernder Blick auf die Idylle der Stadt.
  3. In der Ausstellung „DiE DaDA, lA dAdA, She DadA“ werden Dada-Künstlerinnen vorgestellt.
  4. Bei der Kasse kann man sich einen Klappstuhl nehmen. Es gäbe viele Videoinstallationen, vor die man sich setzen kann. Ich will eigentlich keinen Stuhl, aber alle anderen Besucher, die ich von hier aus sehen kann, tragen einen Stuhl, also nehme ich auch einen. Später stellt sich heraus, dass ich mich nicht setzen möchte, sondern lieber mehrmals durch die Räume gehen und kurz vor den Videos verweilen. Kaum jemand sitzt. Wir Museumsbesucher, die wir mit unseren Klappstühlen in der Hand oder auf der Schulter durch das Museum wandeln, sehen so aus, als wären wir Teil einer Dada-Performance.
  5. Eminente Dadaisten, so erfahre ich in der Ausstellung, wollten in ihren Manifesten die Geschlechter abschaffen, „vergaßen“ dann aber in ihren Autobiographien oder Geschichtsschreibungen der Dadabewegung die Frauen zu erwähnen, die mit ihnen gearbeitet hatten.
  6. Frauen waren vor 100 Jahren oft ausgeschlossen vom Kunststudium. An einer speziellen Kunstakademie für Frauen durften die angehenden Künstlerinnen Aktbilder nur von männlichen Modellen in Unterhosen malen.
  7. Auf eine Wand werden Fotos der Künstlerinnen projiziert mit einem kurzen Lebenslauf.
  8. In einer Vitrine liegen Dada-Zeitschriften.
  9. „Es ist der deutsche Dichter, der deutsche Geistige, der vor Wut platzt, daß man seine formvollendete Schmalzstullenseele in der Sonne des Gelächters schmoren ließ, der tobt, weil man ihn mitten ins Gehirn traf, das bei ihm dort liegt, wo er sitzt – und nun hat er nichts mehr, daß er sitze.“ Steht dort in einem Artikel mit dem Titel „Der deutsche Spießer ärgert sich.“
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  11. Oder ein ernsteres Manifest: „Die Kunst stirbt, wie die Religion gestorben ist. Was aus dem menschlichen Hirn kommt, ist sterblich.“
  12. Beide Ausschnitte sollen das Wesen von Dada veranschaulichen, stammen aber auch wieder von Männern.
  13. Im nächsten Raum wird ein Film an die Wand projiziert, auf dem ein Stadion und sich im Wind bewegende Gräser zu sehen sind. Ich denke mir zunächst nichts dabei.
  14. Hannah Höch wird vorgestellt. An den Wänden hängen sehr kleine, eher nichtssagende Bilder. Im Beschreibungsplakat wird erwähnt, dass sie mit Montagen arbeitete. Man hätte zumindest eine Reproduktion von „Schnitt mit dem Küchenmesser Dada durch die letzte Bierbauchkulturepoche Deutschlands“ oder einem ähnlichen Werk zeigen können.
  15. Ein Bild von Elsa von Freytag-Loringhoven, das ein illustriertes Dadagedicht ist, hängt an der Wand.
  16. In einem Raum läuft ein Film, in dem eine barfüßige Frau verschiedene Beine aus Folie von der Wand nimmt und diese sich unter den Rock zu adjustieren versucht. Jetzt fällt mir endlich auf, dass die Videoinstallationen gar nicht Dada sein können. Ich schaue genauer nach. Das Video ist von Judith Albert, es wurde speziell für diese Ausstellung gemacht und ist eine Hommage an Hannah Höch und ihr „Nur nicht mit beiden Beinen auf der Erde stehen.“
  17. Es gibt noch mehrere andere Videoinstallationen. Eine davon ist von Anka Schmid und heißt: „Sophie tanzt trotzdem“. Sie bezieht sich auf die Performances von Sophie Taeuber, der man androhte, ihr würde ihrer Stelle als Lehrkraft „verlustig“ gehen, würde sie weiterhin an Dadaistischen Manifestationen mitwirken. Sie tanzte daraufhin mit Maske und unter einem Decknamen.
  18. In verschiedenen Räumen hängen Tafeln, die Dadabewegungen in verschiedenen Städten – Berlin, Zürich, Köln, New York, Paris – beschreiben. Ein Raum ist vorbehalten für Interviews und Kommentare, die als Vertonung von Standbildern der Sprechenden gezeigt werden. Alle Interviews liegen als laminierte Zettel auch auf den Tischen und man kann sie nachlesen. Man würde viel erfahren, aber die Zeit, alles durchzulesen, möchte ich mir nicht nehmen.
  19. Ein Raum ist wie ein Aussichtsfenster auf den Bahnhof und die Berge. Als wäre der Bahnhof eine weitere Videoinstallation. In diesem Raum ist eine Skulptur von Hans Arp ausgestellt. Ich finde das in dieser Ausstellung sehr unpassend. Die Skulptur gehört dem Museum, vielleicht steht die immer in diesem Raum.
  20. Ich gehe drei Runden durch das Museum, schaue Passagen der Videos an. Ich finde die Idee, fast 100 Jahre später die Ideen der Künstlerinnen noch einmal neu zu interpretieren, sehr spannend. Ich hätte aber gerne mehr Kunstwerke oder Fotos von Performances der Dada-Künstlerinnen gesehen. Wenn schon nicht als Original, so doch als Illustration für die Texttafeln.
  21. An der Kasse kaufe ich die Zeitung zur Ausstellung, ein Ausstellungskatalog in Zeitungsform. Zu Hause lese ich diese Zeitung und schaue mir im Internet Werke von Dada-Künstlerinnen an. Mir hat die Ausstellung Lust gemacht, mich ein bisschen mit diesen Künstlerinnen zu beschäftigen.

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Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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2 Antworten zu Pensées: Die Dada, Kunstmuseum Appenzell

  1. dongowski schreibt:

    Zu Hannah Höch gab’s in London eine wohl tolle Ausstellung mit einem Katalog: http://www.whitechapelgallery.org/about/press/hannah-hoch/

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