„Warum dann einer so ist, wenn alle gleich sind, weiß ich nicht.“

Dritter Teil des Gesprächs mit Josef Schnabl. Teil 1  und Teil 2 

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Der Vicki (der Mann, der die Partisanen verraten hat, siehe Teil 1) war Slowene. Alle haben Slowenisch geredet. Warum dann einer so ist, wenn alle gleich sind, weiß ich nicht. Das war so in der Ortschaft. Auch in Maglern, wo meine Mutter daheim war. In jedem Haus haben sie Slowenisch geredet. Oder Windisch, sagen sie. Schade, dass das verlorengeht.

Aber die Enkelkinder, jetzt suchen sie die Wurzeln.

Hitler hat die Jugend begeistert. Haider hat ja auch die Jugend begeistert. Die Leute sind für das. Mein Bruder war bei der Hitlerjugend. Der war Pimpf. Der Vater wollte ihn später in eine slowenische Landwirtschaftsschule geben, aber es ist nicht gegangen. Er hat ihn schon angemeldet gehabt. Aber er wäre nicht gegangen. Der Vater hat ja wollen. Der Bruder ist 3 Jahre älter.

Da war eine Begeisterung in der Ortschaft. Ich habe nicht verstanden, warum sie gesagt haben, das war ein Deutscher und das war ein Slowene. Das war schon die Einstellung. Aber geboren und erlebt – alle gleich. Sie waren ja alle gleich. Heute ist es anders. Jetzt sind ja die Parteien, einer ist Rot, einer Schwarz oder Freiheitlich, aber das eine, dass der ein Deutscher ist und der andere Slowene…

Nehmen wir den S., ich habe den noch gekannt, wo er slowenischer Bürgermeister war und die Kinder von ihm, die waren beim Hitler die größten Gegner gegen das Slowenische.

Ich habe erlebt, dass die Deutschen, die hergekommen sind, sich nicht über die Sprache aufgeregt haben. Aber die eigenen, die Slowenen waren die größten Gegner. Ich habe gesehen, die hierhergekommen sind, der Herzog aus Rattendorf, der konnte nur Deutsch. Aber mit dem Vater hat er sich verstanden und mit dem S. oder mit dem K., die deutsch eingestuft waren, hat er nicht so einen Kontakt gehabt, wie mit meinem Vater. Mein Vater hat gebaut mit dem Herzog. Er hat ein Pferd gehabt und mein Vater hat ein Pferd gehabt und sie haben einander geholfen.

Ich habe auch mit keinem, der herkommen ist, ein Problem gehabt.

In der Schule habe ich zuerst (im Krieg) kein Slowenisch lernen dürfen. Gleich nach dem Krieg war in ganz Kärnten zweisprachiger Unterricht. Der Landeshauptmann Wagner hat diese Pflicht abgeschafft. Dann war zum Anmelden. Wenn einer Slowenisch wollte, der hat die Kinder anmelden müssen.

Wie ich ausgeschult war, bin ich zwei Winter auf die slowenische landwirtschaftliche Schule. Damals hat mich der Vater gebracht. Ich habe nicht gewusst, wohin ich gehe, nach Wernberg hinunter, am Bahnhof Föderlach bin ich ausgestiegen mit dem Koffer. Der Direktor hat uns empfangen und durch die Schule geführt. Das war der erste Jahrgang. Wir waren 17 Schüler. Vom Gailtal war ich der Einzige. Da habe ich die Rosentaler und Jauntaler nicht verstanden, wir haben Deutsch miteinander reden müssen, aber dann habe ich den Dialekt schon mitgekriegt. Aber die Sprache war so verschieden. Im zweiten Winter sind dann der Wiegele und der Petritsch hinuntergekommen. Dann waren wir mit den zweien zusammen. Aber im ersten Winter war ich allein.

Es ist schade, dass das nicht mehr weitergegangen ist. Es waren zu wenige, dann haben sie aufgehört.

Die Wörter sind verschieden, sogar vom Schulsprengel Göriach und Maglern. Die von Achomitz haben gesagt, sie müssen „na loga“ machen. Bei uns in Göriach sagten wir an „aufgob nadrite“. In Göriach war schon mehr das Deutsche. In Feistritz haben sie für „wie viel?“ „choka“ gesagt, bei uns „kai“. Die Pferde: Wir haben gesagt „Ken“ und in Maglern haben sie gesagt „Mora“.

Der Schwiegervater hat nicht wollen dass die Kinder Slowenisch lernen und deshalb haben wir mit den Kindern dann auch nicht geredet.

Wie wir geheiratet haben, haben die Nachbarn gesagt, das wird nicht gehen. Ein Slowene und die Tochter eines Abwehrkämpfers. Der Bruder vom Schwiegervater war Bankdirektor in Slowenien. Von der Mutter war auch ein Onkel in Slowenien.

Wie wir geheiratet haben, hat der Schwiegervater immer zweisprachig gebetet, neben den Ofen hingekniet und gebetet. Aber er war gegen Slowenisch.

Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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