Pensées: Ein Ausflug auf den Dobratsch

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  1. Es ist ein kalter grauer Herbstmorgen. Die Temperaturen halten sich knapp über dem Gefrierpunkt. Der Hochnebel macht alles noch ungemütlicher. Wie Schlechtwetter sieht er nicht aus.
  2. Es sind Ferien und ich würde lieber im Bett bleiben und mich verkriechen. Aber das geht nicht.
  3. Natürlich muss man mit so einem Wetter rechnen, wenn man in den Herbstferien nach Kärnten kommt, oder irgendwohin in Österreich. Natürlich braucht man sich von so einem Wetter nicht die Laune verderben lassen.
  4. Man tut es aber doch. Ich zumindest.
  5. Gerade als ich irgendetwas jämmerlich Selbstmitleidiges sagen möchte, sagt mein Mann: „Ich würde gerne auf den Dobratsch fahren.“
  6. Schlagartig bessert sich meine Stimmung. Ich versuche, das den Kindern schmackhaft zu machen. Die schauen mich nur mitleidig an. Bei so einem Wetter gehen sie nirgends hin und außerdem sind sie in den Ferien und haben ein Anrecht auf „Chillen“.
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  8. Meine Mutter möchte aber mitkommen. Also lassen wir die Kinder allein zu Hause.
  9. Die Maut auf den Berg kostet 15 €. Auf der Fahrt hinauf bin ich nicht sicher, ob wir es durch die Wolken schaffen. Der Nebel wird dichter. Stellenweise sieht man nicht bis zur nächsten Kurve.
  10. Aber dann zeigt sich durch die Schleier ein Licht und kurz darauf sehe ich den blauen Himmel.
  11. Im strahlenden Sonnenschein steigen wir aus.
  12. Wir gehen zur neuen Aussichtsplattform am Anfang des Jägersteigs. Das ist ein etwas halbstündiger Spaziergang.
  13. Hier oben ist es nicht kälter als im Tal und viel weniger klamm. Der Wind weht.
  14. Ich schaue mich um. Das Tal ist ausgefüllt mit Wolken. Nur die Bergspitzen schauen heraus.
  15. An manchen Stellen scheint die Wolkensuppe überschwappen zu wollen. Aber insgesamt ist sie ruhig.
  16. Beruhigend.
  17. Ich könnte gar nicht erklären, warum ich so eine Freude hätte, auf einem Berg über den Wolken zu stehen.
  18. Es hat etwas Erhabenes. Der Himmel wirkt blauer nach einer Fahrt durch den Nebel.
  19. Ich habe das Gefühl, etwas richtig gemacht zu haben. Etwas, von dem all jene, die im Nebel verblieben sind, nur träumen können.
  20. Von der Aussichtsplattform sehe ich den Sender. Der ist nur zwei Monate jünger als ich. Das weiß ich, weil mein Taufpate zur Einweihung des Senders nach Kärnten kommen und mich besuchen wollte.
  21. Der Sender ist durch das digitale Fernsehen obsolet geworden, denke ich. Zu Hause schaue ich aber nach und Wikipedia sagt, auch digitales Fernsehen wird über Sender ausgestrahlt.
  22. Wieder etwas, von dem ich keine Ahnung habe.
  23. Wir gehen zurück zum Hauptweg und diesen entlang hinauf, bis wir die Nocken bei Spital sehen. Dann drehen wir um.
  24. In der Nähe des Parkplatzes ist ein Aussichtshügel mit Holzliegen und Informationstafeln.
  25. Eine zerrissene Kärntner Fahne flattert im Wind.
  26. Wir schauen noch eine Weile. Dann fahren wir zurück. Wieder durch den Nebel.
  27. Aber dem bin ich heute entkommen, der kann mir nichts mehr anhaben.
  28. Schade, dass die Kinder nicht mitgekommen sind. Denen hätte das Über-den-Wolken-Sein gefallen. Aber manchmal wissen sie nicht, was ihnen gefallen würde, weil was die Eltern machen, immer langweilig sein muss.

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Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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