Madeleines

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Prousts Madeleines haben mich fasziniert. Wie ein kleines Gebäck, eher trocken und nicht wirklich gut, Erinnerungen an die Kindheit hervorrufen kann, die man als verloren geglaubt hatte. Wie ich das Gebäck schmecken kann, während ich die Geschichte lese und wie ich die Kindheit vor mir sehe. Wie ich mir überlege, welche Speisen wohl meine Kindheit wiederaufleben ließen.

Polenta vielleicht. Meine Oma hatte fast immer gekochte Polenta in der Vorratskammer und ich schlich mich mehrmals am Tag dort hinein und grub mit den Fingern einen Batzen Polenta aus der Schüssel und steckte ihn mir in den Mund. Als ich drei Jahre alt war, zog ich zu meiner Mutter nach Wien. Am ersten Tag weinte ich, weil ich keine Polenta fand und wollte wieder zurück zur Oma. So erzählt es meine Mutter. An die Polenta erinnere ich mich selbst, von damals, als ich nur noch den Sommer bei meiner Oma verbrachte und die Heimlichkeit des Polentastehlens weiterbetrieb.

Ich versuchte, zu Hause Madeleines zu backen. Sie schmeckten auch ungefähr so, wie Proust sie beschrieb. Aber da ich die richtige Form nicht hatte, sahen sie nicht so hübsch aus. Echte Madeleines sehen aus wie Muscheln, mit feinen Streifen an der Oberfläche.

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In dieser Schmuckkolumne stelle ich eine Kombination aus vier einfachen schmalen Silbercreolen vor. Eine Creole trage ich ganz normal durch den Silbertunnel im ersten Ohrloch, eine durch den Conch und den Tunnel, eine durch den oberen Ohrrand und den Tunnel und eine durch den unteren Ohrrand und den Tunnel. Das Einfädeln des Schmuckes ist eine Aufgabe, die mein räumliches Vorstellungsvermögen übersteigt (und das noch spiegelverkehrt!) und ich musste mir helfen lassen. Aber es hat sich ausgezahlt, finde ich.

Meine Ohrmuschel zieren nun genau die zarten Streifen, die mir beim Backen meiner Madeleines nicht geglückt sind.

Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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14 Antworten zu Madeleines

  1. Xeniana schreibt:

    Mich hat diese Stelle mit den Madelaines auch sehr fasziniert. In der Realität war es wohl Zwieback mit Tee gewesen. Geruch und Geschmack sind starke Erinnerungsträger . Bei mir blieben saure Krumbeerebrie und Kohlrouladen abeer auch saure Dickmilch stark abgespeichert.

  2. Friese schreibt:

    Sieht toll aus mit den Creolen, die in den gedehnten Löchern fixiert werden. Ich habe ja keine Ahnung davon, aber gehen da noch mehr durch? Sozusagen als Umkehrung dieses Eintrags: https://karinkoller.wordpress.com/2011/09/21/silber-und-gold/.
    Vielen Dank auch an dieser Stelle für die vielen anderen Blogeinträge, insbesondere die über Slowenisch in Kärnten.

  3. andi schreibt:

    tolle ideen die du da immer wieder hast. ich habe auch 42 ohrlöcher, aber auf viele deiner kombinationen wäre ich nie gekommen. darf ich fragen, ob du dir ein industrial machen lässt und welche pläne du sonst noch hast im ohrpiercingberech?

  4. Pia Marie schreibt:

    Sieht echt sehr schön aus. Am schönsten ist der kleine Ring durch Ohrmuschell und Tunnel, der sieht einfach aus als musste der da sein. Ich liebe diese kombi. Mir kam da gerade noch eine idee. Wie wäre das wenn du einfach die Tunnel weg lässt aber die ringe trotzdem durch die gedehnten Löcher. Oder zwei Tunnel einfädeln die dann vor und hinter dem Loch baumeln.

  5. teresa schreibt:

    das sieht klasse aus! darf ich fragen, wieviele ohrlöcher du insgesamt hast?

  6. daria schreibt:

    Du warst wohl eine Trendsetterin, wenn man die diesmonatigen Modejournale ansieht 🙂 http://en.vogue.fr/jewelry/runway-trends/diaporama/runway-trends-piercings/21779#les-piercings-de-givenchy

    • Karin Koller schreibt:

      Ha, sieht fast so aus. Aber ohne Scherz: Ich habe mich schon oft gewundert, warum Piercings weder in Mode- noch in Tattoo-Zeitschriften Beachtung finden, wenn doch so viele Frauen und Männer welche haben.

      • daria schreibt:

        Ja. Erstaunlich. Oder doch nicht. Zu subkulturell und ohne Backing großer Konzerne, die in das damit verbundene Business eingestiegen wären und Interesse daran haben, das zu pushen? Die Medienverantwortlichen sind wohl auch schlicht zu spießig dafür. Und persönlich daran uninteressiert.

      • Karin Koller schreibt:

        Wahrscheinlich ist das so. Mal sehen, wie sich das entwickelt.

      • daria schreibt:

        Man wird sehen. Ist ja letztendlich auch egal. Darf ich fragen, wann wieder etwas neues von dir dazu publiziert wird? Ich hoffe, du hast nicht den Spaß daran verloren. Ich bin sicher, viele warten …..

      • Karin Koller schreibt:

        Ich publiziere im Sommer jede Woche einen Reisebericht, habe aber irgendein Problem mit dem Publikationsdatum, deshalb erscheint das nicht bei den Abonnentinnen. Schmuckkolumnen gibt es wieder nach den Sommerferien,

      • daria1985 schreibt:

        Bin gespannt auf neue Anregungen. Was planst du konkret, wenn ich fragen darf?

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