Pensées: Ein Ausflug nach Lugano und Bastia

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  1. Ostern im Piemont. Romantisch. Wir fahren über den San Bernardino ins Tessin. Der Weg führt an der Viamala vorbei, einer Schlucht, die wie verwunschen aussieht und heißt.
  2. Einige Kleinstädte, an denen wir auf der Autobahn vorbeifahren, wirken sehr hässlich. An der Peripherie stehen Hochhäuser, die dem derzeitigen Architekturgeschmack nicht mehr entsprechen. Vielleicht hatte die Schweiz das Pech, sich einen Bauboom in einer anachronistisch gewordenen Phase der Architekturgeschichte leisten zu können.
  3. An den Hängen des San Bernardino kleben kleine Hütten und Häuser. Manche der Häuser sehen bewohnt aus. Es wirkt nicht gemütlich, so eingeklemmt zwischen Steilhang und Straßenkurven.
  4. Wir beschließen, in Lugano Halt zu machen.
  5. Der See sieht schon frühlingshaft aus, besonders nach den noch vereisten Bergseen, die wir gerade hinter uns gelassen haben.
  6. Wir schlendern an der Seepromenade entlang.
  7. Es ist Mittag. Wir haben nicht viele Franken dabei, also gehen wir zu McDonalds. Das Essen kostet gut doppelt so viel wie zu Hause.
  8. Nach dem Essen gehen wir in die Stadt. Es ist Sonntag und die Geschäfte sind zu. Die Fassade des Kaufhauses ist mit riesigen glitzernden Schmetterligen und Blumen geschmückt. Das gefällt den Kindern.
  9. In den Torbögen einer Wursthandlung hängen Riesensalamis. Ich berühre die Würste vorsichtig, kann aber nicht feststellen, ob sie echt sind. Wahrscheinlich nicht, wenn sie sonntags vor der geschlossenen Fleischerei hängen.
  10. In der Nähe der Seepromenade ist eine Stiege neben den stillgelegten schon leicht verrosteten Schienen einer Seilbahn. Funicolare steht auf dem Schild. Wir gehen die Stiegen hinauf. Es sind 264. Oben gibt es eine schöne Aussicht, aber sonst eigentlich nichts.
  11.  Wieder zurück schauen wir in die Kirche Santa Maria degli Angioli. Von außen sieht sie unscheinbar aus, innen ist sie voller Fresken aus dem 16. Jahrhundert.
  12. Das zentrale Fresko ist sehr bunt und mit Menschen gefüllt. Auf den ersten Blick sieht es aus wie eine Kreuzigungsszene, aber viele Stationen des Leidenswegs Jesu sind gleichzeitig dargestellt. Diese Gleichzeitigkeit der bildlichen Erzählung ist mir sonst noch nie aufgefallen.
  13. Viele Details sind auch interessant: Ein goldenes Schild mit einem Skorpion, ein Teufel, der den rechten Gekreuzigten beschleicht, ein kleiner Hund im Vordergrund.
  14. Die Bögen unter dem Fresko sind mit einer Schrift verziert. In den Worten kommt immer wieder ein eingekreistes R vor, das aussieht wie das Zeichen für registered Trademark. Was es bedeutet weiß ich nicht.
  15. Unter einem Bogen ist eine Ansicht von Jerusalem dargestellt. Auf einem Baum hat sich Judas erhängt.
  16.  Es gibt auch ein letztes Abendmahl, mit einem Apostel, der den Finger erhebt, einem der einen Geldbeutel in der Hand hält, und einem, der ein Taschenmesser hat. Vor Jesus auf dem Teller liegt ein Vogel mit Bein.
  17. Ob sich Maria Magdalena an Jesus lehnt, oder ob das auch ein Apostel ist, weiß ich nicht. Die Schuhe dieser Person sind mehr verziert als die anderen.
  18. Im Vordergrund kauert eine Katze. Auch eine Symbolik, die ich so noch nie gesehen habe.
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  20. Wir fahren weiter. Die Grenze zwischen Schweiz und Italien ist von atemberaubender Hässlichkeit.
  21. Das Haus, in dem wir die Ferien verbringen, ist in der Nähe von Modovì. Die Straße dorthin ist gesperrt, weil es einen Erdrutsch gegeben hat. Auch die Straße hinauf zum Ferienhaus wurde verschüttet. Sie ist aber wieder passierbar. An einer Stelle klafft ein Abgrund, an dem die blanke Erde zu sehen ist. Ich hoffe, die Straße hält.
  22. In der Wegbeschreibung der Vermieter steht: „Fahren Sie unbeirrt weiter.“ Das galt für gute Zeiten, nicht für Erdrutsche.
  23. Die Vermieter laden uns auf ein Glas Wein ein. Sie erzählen uns, wie sie das Schwimmbad mit dem Hubschrauber liefern lassen mussten. Wie das Badehaus mit dem Lastwagen geliefert wurde und man bei manchen Felsen etwas Gestein abgeschlagen werden musste, damit der Lastwagen durchpasst. Wie sie Baumaterial für die Renovierung beim Antiquitätenhändler kauften. Wie sie früher einen Weingarten hatten, 1000l Wein produzierten, die Hälfte verschenkten und die Hälfte selbst tranken.
  24. Im Nachbardorf gibt es ein sehr gutes Restaurant, sagen die Vermieter. Wir wagen uns die enge Straße hinunter. Bei der Herfahrt haben wir einen großen Supermarkt gesehen. Tatsächlich hat der sonntags um 19.00 Uhr noch offen und wir fahren hin, bevor wir essen gehen. Um dort Lebensmittel kaufen zu können, muss man sich eine Woche vor Ostern durch einen Wald von Schokoostereiern kämpfen.
  25. Das Größte von ihnen ist etwa so groß wie ich und ist von 349€ auf 289€ herabgesetzt. Das Lied „Osterhas, schenk ein Ei mir wie ein Fass, möcht mich gern darin verstecken und den ganzen Tag dran lecken..“ fällt mir ein. Ich weiß nicht, womit das Ei gefüllt ist.
  26. Wir fahren in das Dorf mit dem Restaurant. In dem winzigen Dorf gibt es eine große Kirche und eine kleine Burg. Und eine schöne Aussicht.
  27. Das empfohlene Restaurant hat ein winziges Schild und einen unordentlichen Innenhof. Wir sind nicht ganz sicher, ob wir hier richtig sind.
  28. Drinnen begrüßt uns der Padrone und führt uns zu einem Wagen mit Antipasti. Er teilt uns Carpaccio, Vitello Tonnato, getrüffelten Käse und noch vieles mehr aus.
  29. Es gibt keine Speisekarte, der Padrone erzählt uns, was heute gekocht wird. Wir bestellen Tortellini in Sugo und Schweinefleisch in Barolosauce. Es ist herrlich.
  30. Die Kinder schaffen noch Nachtisch. Der Padrone öffnet einen Kühlschrank, der im Gastzimmer steht, und holt Panna Cotta, Kuchen, Kompotte und Cremen heraus. Auch eine Schokoladensalami, die mich interessiert hätte.
  31. Aber ich bin pappsatt.

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Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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