Pensées: Ein Ausflug in die Langhe

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  1. Auf der Weinstraße fahren wir nach Verduno. Das ist einer dieser verschlafenen Orte in Piemont mit Castello und schöner Aussicht.
  2. Für diese Aussicht gibt es hier einen grasbewachsenen Platz neben dem Castello. Der hat auch eine Aussichtsplattform mit einer eisernen Patte, auf der die wichtigsten Orte eingraviert sind.
  3. Der Platz wäre ein ideales Kinderspielparadies auch für die Kinder, die hier wohnen, in einer Ecke sind jedoch nur lieblos drei Schaukeltiere und eine Rutsche aufgestellt.
  4. Von Verduno fahren wir über La Morra nach Barolo. Unterwegs ist die Aussicht so schön, dass wir stehenbleiben und uns umsehen.
  5. Die noch unbewachsenen Stützen der Weinstöcke erinnern an Gräber für unbekannte Soldaten.
  6. In Barolo gibt es ein Korkenzieher- und ein Weinmuseum.
  7. Korkenzieher heißt auf Italienisch cavatappi.
  8. Wir entscheiden uns für das Weinmuseum.
  9. Das beginnt mit einem verdunkelten Saal mit kleinen Lichtern und Flügelchen an der Decke.
  10. Im nächsten Raum steht eine Bank mit Fahrradpedalen. Dort kann man sich draufsetzen und die Bank mit den Pedalen im Kreis fahren lassen wie ein Karussell. Dabei sieht man Malereien von Menschen, die Wein erzeugen.
  11. Das Museum wirkt bisher wie etwas, das auch André Heller gestaltet hätte (sehr ähnlich wie die Kristallwelten in Wattens).
  12. Den Kindern gefällt es.
  13. Danach ist ein Raum, in dem gemalte Figuren aus Pappe oder Plastik aufgestellt sind. Sie sollen die Geschichte des Weines stilisieren. Ich  komme bei vielen von ihnen nicht mit, was sie bedeuten sollen.
  14. Unter diesem Aufbau sind aber Schilder, die einige interessante Dinge über den Weinbau erzählen:
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  16. Alkoholische Fermentation wird seit 13.000 Jahren genutzt, seit 11.000 Jahren wird Bier hergestellt. Trauben wurden zuerst in Anatolien domestiziert. Dazu musste das Geschlecht der Pflanze geändert werden. Die kultivierte Traube ist Hermaphrodit.
  17. Es gibt eine „rote“ (Schalen werden mitfermentiert) und eine „weiße“ (Schalen werden abgetrennt vor der Fermentation) Methode, Wein zu machen.
  18. Laut einer ägyptischen Legende schickten die Götter die Löwin Hathor auf die Erde, um die Menschen zu zerstören, sie hatten aber Mitleid, verwandelten den Nil in Rotwein und die Löwin wurde besoffen.
  19. Im Codex Hammurabi wird einer Priesterin, die das Weinlager betritt, Tod durch Verbrennen angedroht, einer Kellnerin, die die falsche Menge Wein mit Wasser mischt, Tod durch Ertrinken.
  20. Etrusker ließen die Weinreben auf Bäume wachsen.
  21. Bei den Tarquinen, den legendären Königen Roms wurde eine betrunkene Frau mit dem Tod bestraft, ihr Mann hatte das Recht, durch einen Kuss festzustellen, ob sie getrunken hatte.
  22. Einer der besten römischen Weine hieß Falerno. 92 AD ordnete Domitian an, dass keine neuen Weingärten angelegt werden dürften und die Hälfte der Weingärten in den Provinzen zerstört werden müssten.
  23. Im 2. Jahrhundert wurden die Amphoren durch Fässer keltischen Ursprungs ersetzt. „Barbarische“ Völker tranken eher Bier und Met als Wein. Da Wein ein christliches Symbol ist, blieb der Weinbau in den Klöstern (besonders Zisterzienser) erhalten. Diese erfanden auch das Konzept Cru.
  24. Im Mittelalter bestimmte die Qualität des Weines, wie oft die Trauben durch die Presse gelassen wurden. Der Feudalherr bekam die erste Pressung und der Wein wurde „weiß“ (ohne Schalen) fermentiert. Die Bauern fermentierten die zweite Pressung mit den Schalen. Arme Leute schütteten zu den Trestern alten Wein und Wasser und fermentierten das noch einmal. Im späten Mittelalter galt mit Gewürzen versetzter Wein als Medizin.
  25. Schon im 16. Jahrhundert wurde Wein in Amerika eingeführt. Im 17. Jahrhundert bekam der Wein Konkurrenz durch Tee, Kaffee und Kakao. Zu dieser Zeit entstanden große Destillerien und machten Schnäpse für eine breite Öffentlichkeit zugänglich.
  26. 1869 wurde die Reblaus aus Amerika eingeführt und zerstörte die Weinernte. Von da an mussten die Rebstöcke mit amerikanischen Rebstöcken verpfropft werden.
  27. Weiter geht es in einen Raum, der eine Küche darstellen soll, aber auch künstlerische Elemente aufweist, auf die auch André Heller stolz wäre. Auf beiden Seiten des Raumes sind Bildschirme auf denen eine italienische Mama mit einem modernen Koch über die italienische Küche streitet. Ein abgedunkelter Raum zeigt Filmausschnitte, die etwas mit Wein zu tun haben.
  28. Zum Schluss sieht man noch Wohnräume im Schloss. Ein gedeckter Esstisch ist ausgestellt. Auf die Teller werden verschiedene Speisen projiziert. Pappkameraden von Herrschaften und Dienern stehen herum. Einige haben kleine Monitore am Mund oder den Augen, die sie aussehen lassen als würden sie sprechen oder blinzeln. Im Nebenraum ist ein Bett, auf das ein Liebespaar projiziert wird.
  29. Flaschen mit alten Etiketten und eine Karte über die Anbaugebiete sieht man erst im Weinshop.
  30. Dort gibt es auch einen Weinautomaten. Ein Glas kostet 2 oder 3 €.
  31. Wir kaufen Wein und fahren wieder zurück.

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Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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