Pensées: Ein Ausflug nach Asti und Alba

DSC03444

  1. Am nächsten Tag fahren wir nach Asti, eine der Gourmethauptstädte in Italien, auf der Welt. Denken wir. Deshalb versprechen wir den Kindern, in einem Restaurant zu essen.
  2. Wir parken auf einem großen Parkplatz, schätzen die Lage des Stadtzentrums falsch ein und gehen weitläufig um die Stadt herum. Es dauert einige Zeit, bis wir die Einkaufsstraße finden.
  3. Sie ist ziemlich schmal und Autos fahren durch. Man sieht kaum Plätze und wenn doch, dann sind das kleine Plätze mit vielen Parkmöglichkeiten und wenig Ansporn zu verweilen. Irgendein auf dem Pferd sitzender König steht zwischen den Autos. Oder eine Frau, die Italien verkörpert.
  4. Es ist kurz nach 12 Uhr und wir beeilen uns, zum Dom zu kommen, weil viele Kirchen hier um 12.30 zusperren. Diese aber sperrt offenbar um 12 Uhr zu. Und wie ich später erfahre erst um 16.00 Uhr wieder auf.
  5. Der Dom ist aus beigen und braunen Steinen gebaut, die ein schönes Muster bilden. Er steht auf einem großen Platz, der aber von der Hauptflanierstraße aus nicht zu sehen ist, sondern nur über mehrere kleine Gassen zu erreichen ist.
  6. Ich wundere mich, warum das damals städtebaulich so war. Schließlich ist hier eine Gegend, in der fast jeder Ort eine Piazza hat, an der auch die Kirche steht.
  7. Wir gehen eben in eine andere Kirche, die Collegiata di S. Secondo. Es gibt hier einen Cephalophor. Das ist ein Heiliger, der selbst seinen Kopf in der Hand trägt. Dass es dieses Wort (zumindest im Englischen) gibt, erfuhr ich, als ich etwas über die Kirche in Viktorsberg nachsehen wollte.
  8. Hier ist es San Secondo, der 119 geköpft wurde.
  9. Ein Mann hat sich in die Kirche gesetzt, um in Ruhe seine Zeitung zu lesen.
  10. DSC03453 DSC03454 P1000803
  11. In einer Ecke stehen Fahnen. Asti hat einen Palio, ein Pferderennen. Dazu kommt die ganze Stadt zusammen und der Platz, auf dem wir parken, wird freigeräumt und Pferde und Reiter rasen außen herum.
  12. Wir beschließen, ein Restaurant zu finden. Nichts Aufregendes, eine Pizzeria. Wir finden zunächst gar nichts. Dann, an einer recht befahrenen Straße sehen wir ein Schild. Eine Pizzeria und ein Mittagsbuffet teilen sich einen zugigen Raum. Ein Geschäftsmodell, das durchaus sinnvoll sein kann.
  13. Die meisten Menschen in dem Lokal essen alleine und schnell. Die Pizza ist mittelmäßig, dafür gibt es aber einen Fernseher, in dem abwechselnd Musikvideos und Fußball zu sehen sind.
  14. Von Gourmetmetropole merke ich nicht viel.
  15. Nach dem Essen merken wir, dass die Museen über Mittag offen haben. Ich möchte mir die Ausstellung über das Essen im alten Rom ansehen. Mein Mann das Risorgimentomuseum.
  16. Die Kinder und meine Mutter kommen mit mir.
  17. Im Museum hätte man eine Eintrittskarte mit römischen Mittagessen kaufen können. Die Ausstellung hat viele Kleinigkeiten, die den Kindern gefallen: Ein Zimmer, in dem ein Gelage aufgebaut ist, bei dem mittels Projektor Essensreste auf den Boden geworfen werden und wo sogar eine Ratte durchläuft. Kleine Filmchen mit „special Effects“.
  18. Insgesamt zeigt die Ausstellung weniger über das Essen, als ich mir erhofft hatte, aber einige interessante Dinge sehe ich doch: Brote sind ausgestellt – panis siligineus, panis furfureus, panis artalaganus. Selbst Sklaven hatten Anspruch auf ein Glas Wein pro Tag. Ein thermopolium war eine Bar oder ein Schnellimbiss, der zu Mittag besucht wurde. Suppen und Eintöpfe wurden dort warm serviert, Wein und Heißgetränke ausgeschenkt und Obst und Gemüse verkauft. Im oberen Stock befand sich oft ein Bordell.
  19. Alba besuchen wir auch. Es soll die Stadt der Türme sein, erfahre ich im Nachhinein, aber das fällt mir beim Durchgehen nicht auf. Die Stadt ist klein und hübsch. Der berühmte Trüffel ist gerade nicht in Saison.
  20. Der Dom hat ein Dachgewölbe wie ein Himmelszelt. Und schöne Glasscheiben. Und schöne Holzintarsienarbeiten. Auf einem Plakat vor der Kirche ist eine Maria mit Ohrringen dargestellt, aber in der Kirche finde ich sie nicht.
  21. In einer anderen Kirche – San Domenico – wird Eintritt verlangt, es ist nicht viel und ich gehe hinein. Die Säulen der Kirche sind weiß und schwarz kariert. Malereien aus dem 15. Jahrhundert zieren die Säulen und die Decke.
  22. Auf einer Säule macht eine Heilige lässig ein Peacezeichen. Auf einer Wand wird ein großer Sebastian von sehr kleinen Bogenschützen durchschossen. Viele der Malereien sind nur als Fragmente erhalten.
  23. Die Kirche wird auch als Ausstellungsraum verwendet. Moderne Kunst, die bieder wirkt, ist ausgestellt. Sie passt nicht zum Rest der Kirche und wirkt verloren.
  24. Wir schlendern noch durch die Stadt, dann fahren wir zum Ferienhaus zurück.

DSC03211 DSC03214 DSC03220

Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
Dieser Beitrag wurde unter Pensées abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s