Pensées: ein Ausflug nach Manta

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  1. Wir fahren nach Manta. Ein Weg durch einen bewaldeten Hügel führt zum Schloss. Da gibt es viele Abkürzungen, die ein bisschen gefährlich aussehen, mich aber nicht beunruhigen. Die Kinder laufen gerne dort herum.
  2. Vor dem Schloss ist ein ummauerter Park mit Wiese und Bäumen.
  3. Das Museum hat über Mittag offen. Das Kaufen der Tickets dauert ewig, als ob man nicht eingerichtet wäre für so eine Aktion. Möchte man fotografieren, muss man 3€ extra zahlen und bekommt einem Sticker. Ich mache das und komme mir vor wie eine akkreditierte Fotografin.
  4. Der Rundgang durch das Schloss beginnt im oberen Stock. Überall ist das Leitmotiv der Barone „Leit“ aufgemalt. So oft, dass ich an den Villacher Fasching mit seinem „Lei Lei“ denken muss. Tatsächlich kommt das „leit“ vom deutschen „leiten“.
  5. In einer Nische ist eine gemalte stillende Madonna aus dem 15. Jhdt. Ihre Brust ist an einer seltsamen Stelle. Das kommt bei solchen Bildern oft vor. Ich nehme mir vor, einmal etwas darüber zu recherchieren.
  6. Im Schloss gibt es einen Saal der Helden, auch aus dem 15 Jahrhundert. Neun Helden sind hier ausgestellt und neun Heldinnen. Die meisten sind bewaffnet – mit Schwertern, Speeren, einer Steinschleuder.
  7. Auch die meisten Frauen tragen Schwerter und Speere oder eine Spitzhacke. Eine Frau hat eine Feder, eine kämmt sich, eine trägt einen Fächer.
  8.  Die HeldInnen sind in der europäischen Mode der damaligen Zeit gekleidet. Manche tragen Kronen, einige Reichsäpfel, alle haben ein Wappen. Auf einem Wappen ist ein Doppeladler, ich wundere mich, welcher Habsburger dargestellt ist.
  9. Im Shop kaufe ich mir ein Begleitbuch (auch eine Aktion, auf die hier niemand vorbereitet zu sein scheint).
  10. Der Mann mit dem Doppeladler ist überraschenderweise Julius Caesar, weil er als erster römischer Kaiser angesehen wurde.
  11. Die Helden sind: Josuah, König David, Judas Makkabäus, König Artus, Karl der Große, Gottfried von Boullion, Hektor von Troja, Julius Caesar und Alexander der Große. Also drei hebräische, drei christliche und drei heidnische Helden.
  12. Die Heldinnen sind: Delfile, Synope, Hyppolita, Semiramis, Etiope, Lampeto, Tamiris, Teuca, Penthesilea. Also 4 Amazonen und Königinnen aus Illyrien, Assyrien, Indien und von den Skythen.
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  14. Ich stelle mir vor, wie man sich, als die Fresken neu waren, Geschichten über die Heldinnen und Helden erzählte. Wie gerne ich diese Geschichte hören würde. Wie dieses Fresko eigentlich ein schöner Anlass wäre, herauszufinden, wer die Heldinnen waren und warum sie ausgewählt wurden. Wie ich jetzt schon weiß, dass ich es nie tun werde und das schade finde.
  15. Gegenüber der HeldInnen ist ein Jungbrunnen dargestellt.
  16. Alte, kranke und gebrechliche Menschen werden in den Brunnen gehoben und gleich verjüngt. Sobald sie wieder fit sind, greifen die Männer den Frauen auf die Brüste.
  17. Die Frauen sehen nicht so aus, als würde ihnen das gefallen.
  18. Die Männer tragen Unterhosen, die auch heute modern sind. Die Frauen scheinen nackt zu sein. Bis auf Hüte.
  19. Außerhalb des Brunnens beschimpft ein alter Mann seinen Diener, der gerade aus einer Karaffe trinkt. Ein lüsterner Knappe will seine Freundin in den Wald locken. Sie ziert sich, weil sie Angst vor Entdeckung hat. Das erfährt man über Spruchbänder, die auch auf die Wand gemalt sind. Auf Piemontesisch und Französisch, je nachdem, wer spricht.
  20. Im Stock darunter befindet sich der Saal der Grotesken aus dem Jahr 1563.
  21. Der heißt so, weil man damals bei archäologischen Ausgrabungen römische Villen unter der Erdoberfläche, also in Grotten fand. „Grotesk“ wurde also nicht wie heute gebraucht, sondern war eine Nachempfindung von römischen Fresken und Mosaiken.
  22. Einen aufgemalten Globus gibt es da, auf dem schon Amerika eingezeichnet ist. Ein brennender Feuerwagen. Nackerte Engel. Alles untermalt mit Sinnsprüchen. Mein erster Eindruck ist, das müsse doch neuer sein, irgendwo zwischen Rokoko und der Geschmacksverwirrung des 19. Jhdts. Aber es ist eben älter und wird angepriesen als wegweisend.
  23. Hinter dem Saal ist ein Gang, auf dessen Decke verschiedenste Motive der griechischen Mythologie gemalt sind. Unter anderem erschlägt hier Herkules ein vielköpfiges Monster. Die Pranke seines Löwenfells bedeckt dabei seine Nacktheit dekorativ.
  24. Die mythischen Figuren tragen enge Rüstungen, jene der Frauen sehen aus wie aufgemalt, man kann jedes Detail ihrer Brüste erkennen.
  25. Ein Held, der einen Leoparden als Haustier hat und der Welt entrückt zu sein scheint, hat zwar einen sehr muskulösen Oberkörper, aber darunter ein schlappes Bäuchlein. Ob das so intendiert war, oder ob es sich um eine künstlerische Schwäche handelt, kann ich nicht sagen.

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Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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