Pensées: Ein Ausflug nach Saluzzo

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  1. Am nächsten Tag fahren wir nach Saluzzo, vorbei an Obstgärten, die rosa blühen. Sie sehen aus wie Pfirsichplantagen. Da fällt mir aber die berühmte Piemontkirsche ein. Kirschen blühen zwar weiß, aber vielleicht gibt es rosablühende Sorten auch. Jedenfalls sehen die Gärten hübsch aus.
  2. Vor uns fährt ein alter Fiat 500 mit dem alten schwarz-weißen Kennzeichen. Ich komme mir wie in den Siebzigerjahren vor.
  3. In Saluzzo ist Wochenmarkt. Eigentlich wäre das recht nett, aber alle Parkplätze sind besetzt. Wir kreisen und überlegen, ob wir zuerst wo anders hinfahren sollen, da sehen wir die letzte freibleibende Parklücke der Stadt und quetschen das Auto hinein.
  4. Wir gehen durch die Stände des Wochenmarktes. Katharina kauft sich ein T-Shirt und eine Hose, sie findet immer etwas auf einem Wochenmarkt.
  5. Auf dem Hügel über der Stadt ist ein Castello. Dort gehen wir über kleine Aufgänge und Wege mit Stufen hin. Im Castello befindet sich ein Museum, eine Museumsangestellte begleitet uns in den Keller.
  6. Es sieht fast so aus, als würden hierher nicht Menschenmassen kommen, wenn jede Kleingruppe eigens begleitet werden muss.
  7. Das Castell war ein Gefängnis. Das ist noch nicht so lange her. Im Keller ist eine Ausstellung über dieses Gefängnis und über Gefängnisse allgemein.
  8. Ein Folterstuhl ist ausgestellt mit Eisenspitzen auf Lehne und Sitzfläche. Berichte über Ausbrüche oder versuchte Ausbrüche aus diesem Gefängnis werden gezeigt. Das kam zwischen 1965 und 1986 sechs Mal vor.
  9. Gefängnisarbeit und Folter werden gezeigt. Und Gefängnislatrinen im 19. Jhdt mit mehreren Reihen von Sitzklos ohne Abtrennung in einem Raum.
  10. Ein Bild mit Gefängnistattoos und ihrer Bedeutung ist ausgestellt. Mit Löwen und Schwertern und Schriftzügen und nackten Frauen.
  11. Ein Bild von 2014 sieht aus wie ein lustiges Wimmelbild, es heißt aber Adult’s games und stellt  47 Folterarten dar.
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  13. Der obere Stock, zu dem ums die Museumsangestellte führt, ist dem mittelalterlichen Leben gewidmet.
  14. Es gibt ein Jagdbild, bei dem Jäger mit Speeren aus nächster Nähe einen Bären aufspießen, der von Hunden angefallen wird. Und ein Fresko, auf dem ein junger Mann in Strumpfhosen und Spitzenkleid einem Paar auf der Laute vorspielt. Höfische Szenen mit Festbanketten und an Leinen angebundenen Affen. Nur einige der Bilder sind Originale.
  15. Eine Erstausgabe des Decameron liegt in einer Vitrine, weil dort der „Marquess de Sanluzzo“ vorkommt. Er heiratet ein Bauernmädchen. Nach einigen Jahren testet er sie, indem er ihr sagt, er habe die gemeinsamen Kinder getötet. Später sagt er ihr, er würde wieder heiraten, führt ihr die eigene Tochter (die sie tot glaubt) als Braut vor und schickt sie in Lumpen weg. Als die Frau das geduldig erträgt, holt er sie zurück und ehrt sie.  Sie wurde als Modell für die geduldige christliche Frau hingestellt. Mir fällt der Song Good patient woman von Green on Red ein.
  16. Reproduktionen von regionalen Landkarten aus dem 15. Jhdt. hängen an den Wänden. Jeder Hof und jeder Acker ist dort mit einem Schild gekennzeichnet. Es gibt auch Landkarten von ganz Piemont, auf denen jede Burg und jeder Herrschaftssitz eingezeichnet sind.
  17. Im Erdgeschoss wird moderne Kunst ausgestellt. Wieder denke ich mir, dass mich alte Kunst mehr interessiert, dass ich moderne Kunst nicht verstehe.
  18. Ein Brautkleid, leicht verwesend und vergilbt, ist ausgestellt. Ich denke an Miss Havisham und wie ich damals, als ich zwölf Jahre alt war, Große Erwartungen las. Ein Bild mit Hitlers Kopf ist auch ausgestellt und Teppiche, in die Gehirne eingewebt sind, die Völlerei, Rassismus, Gier, Neid und anderes darstellen sollen.
  19. Vor der Burg ist ein kleiner Park mit einigen Bänken. Wir essen unser Mittagsbrot dort. Dann würde ich gerne nach Manta wandern. Das sind vier Kilometer. Es ist aber heiß und der Weg führt durch ein Wohngebiet und die Kinder murren.
  20. Deshalb gehen wir zum Auto, oder wollen das tun. Keiner von uns weiß mehr genau, wo das Auto steht, weil wir so lange kreisen mussten, um einem Parkplatz zu finden. Gemeinsam versuchen wir uns an die Geschäfte zu erinnern, an denen wir zuerst vorbeigekommen sind. Das kann Katharina gut und wir finden das Auto wieder.

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Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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