Pensées: Ein Ausflug in die Fiatfabrik

raphael

  1. Wir fahren nach Turin, es ist Samstag und wir haben uns gegen das Automuseum und für die alte Fiatfabrik entschieden. Dort wird Raphaels Madonna del divino amore ausgestellt.
  2. Laut Reiseführer soll es auch ein Museum über die Geschichte von Fiat und der Industrialisierung geben, aber das ist nirgends zu finden.
  3. Die alte Fiatfabrik ist ein großes, kalt aussehendes Gebäude. Es sieht auch leer aus. Auf den Parkplätzen auf dem Gelände stehen samstags um 10 Uhr vormittags nur wenige Autos.
  4. Über eine zugige Brücke mit defektem Laufband gelangen wir vom Parkplatz zum Gebäude. Dort ist ein Einkaufszentrum, seltsam weitläufig, mit zwei Geschäftsstraßen, die durch einen Innenhof voneinander getrennt sind.
  5. Das erinnert mich an die Kinderstation im Krankenhaus Innsbruck.
  6. Auf Schildern steht Pinacoteca Giovanni e Marella Agnelli. Sie führen in einen Museumsshop. Von dort aus muss man einige Stockwerke mit dem Lift hinauffahren, um die Galerie zu erreichen.
  7. Beim Aussteigen vom Lift sieht man die Rennbahn auf dem Dach der Fabrik, auf der früher die Autos getestet wurden. Ein Schild an der Glastür zeigt an, dass man mit der Eintrittskarte in die Galerie auch auf das Dach gehen darf.
  8. Aber zuerst schauen wir uns das Bild von Raphael an. Es hängt in einem Raum, in dem ansonsten nur ein paar Skizzen ausgestellt sind. Maria sitzt neben Elisabeth und schaut verzückt auf den nackten Jesus auf ihrem Schoß, der den etwas größeren Johannes segnet.
  9. Ein Museumswärter achtet penibel darauf, dass nicht fotografiert wird. Er scheint jederzeit bereit zu sein, sich auf fotografierende Menschen zu werfen, kommt aber mit strengen Blicken und dezenten Handbewegungen aus.
  10. Das Bild strahlt ein Licht und eine heitere Friedlichkeit aus, die ich in Reproduktionen nicht einmal erahnt hätte. Ich weiß nicht, ob das aufgrund der feierlichen Atmosphäre hier so ist, oder ob Reproduktionen eben wirklich vieles nicht wiedergeben. Oder ob das nur meine Einbildung ist.
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  12. In einem Raum läuft ein Video, das genau die Restaurierungsarbeiten und die wissenschaftlichen Untersuchungen beschreibt, die an dem Bild vorgenommen wurden. Dabei werden Details des Bildes beschrieben, die ich bisher nicht beachtet hatte. Josef im Hintergrund und die Landschaft hinter ihm. Maria trägt Flip-Flop-Sandalen, Johannes trägt einen Schafspelz.
  13. Im oberen Stock, der sich in einem über dem Dach zu schweben scheinenden Raum befindet, ist die permanente Ausstellung. Werke von Canaletto – Venedig mit verzierten Gondeln, ein Markt in Dresden – werden gezeigt. Ich finde das Licht in den Bildern schön und versuche möglichst viele Details in den gemalten Kleidern und Dingen herauszusehen. Es gibt hier auch einige modernere Kunstwerke, die mir aber keinen großen Eindruck machen.
  14. Wir gehen auf die Rennbahn. Der Bodenbelag wirkt veraltet. In den Kurven wird die Bahn so steil, dass manche Besucher ganz langsam und vorsichtig gehen.
  15. Die Kinder rennen um die Bahn herum, sie gehen bis ganz oben hin. Wir gehen langsam hinterher. Von hier aus hat man eine Aussicht über die Stadt. Über einen Bahnhof, über Wohngebiet. Ich habe schon wieder die Orientierung verloren und kann nicht einmal erahnen, wo die Innenstadt ist.
  16. Gerne würde ich probieren, hier mit einem Auto rundherumzufahren. Ich stelle mir vor, wie ich ganz schnell bis zum obersten Rand der Kurve fahren würde, weiß aber, dass ich mich das niemals trauen würde.
  17. Eine grüne Glaskuppel thront über der Mitte der Bahn, sie sieht aus wie eine Kommandozentrale und war vielleicht wirklich die Station, in der die Autotests früher überwacht wurden.
  18. Wir machen noch etwas Windowshopping im Einkaufszentrum. Es gibt dort ein Restaurant „Wienerhaus“ mit Schnitzeln. Auf den langen Gängen fahren Kinder mit Riesenplüschtieren. Bei den ganz Kleinen fahren die Väter mit.
  19. Dann fahren wir zum Juve-Stadion. Dort ist auch ein Einkaufszentrum. Es ist Spieltag und hunderte Menschen stehen vor dem Museum an. Ich stelle mich in die Warteschlange, während die anderen ins Einkaufszentrum gehen. Nach einer halben Stunde hat Anna eine neue Jacke und Lukas ein Juve-Trikot. Ich bin um 5 Meter weitergekommen. Etwa 20 Meter liegen noch vor mir.
  20. Wir beschließen, doch in die Stadt zu fahren. Lukas ist so enttäuscht, dass wir ihm versprechen, am nächsten Tag wiederzukommen.

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Das Foto des Raphaelbildes ist aus Wikipedia.

Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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2 Antworten zu Pensées: Ein Ausflug in die Fiatfabrik

  1. daria1985 schreibt:

    schade, dass deine neuen Posts nicht im WordPress-Reader aufscheinen. Ist das Absicht und wenn ja: warum?

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