Pensées: Ein Ausflug ins Juventus-Stadion

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  1. Am Reisetag, es ist Sonntag, fahren wir wie versprochen noch zum Juventus-Stadion. Wir sind uns sicher, an einem Tag, an dem nicht nur Sonntag, sondern auch noch Ostersonntag ist, werden wir einige Minuten, nachdem das Museum aufsperrt, fast die Einzigen sein.
  2. Aber weit gefehlt, als wir ankommen, hat sich schon eine lange Schlange gebildet, nicht ganz so lang wie am Vortag, aber immer noch beachtlich. Es sieht so aus, als würde es jeden Moment zu regnen anfangen. Zum Glück tut es das nicht.
  3. Ich stelle mich wieder selbstlos in die Schlange. Alle paar Minuten kommen Männer vorbei und wollen den Wartenden bunte Bänder aufschwatzen. Sie verschenken die Bänder, wenn man nichts kauft. Zuerst ist mir das lästig, dann denke ich aber, die müssen lange arbeiten, bis sie überhaupt etwas verdienen. Ich gebe einem Mann 2 Euro für ein schwarz-weißes Band. Er schenkt mir ein rot-weiß-grünes dazu.
  4. Ich stehe fast eine Stunde, während die anderen um das Stadion spazieren. Am Ostersonntag ist sogar das Einkaufszentrum zu.
  5. Das Stadion wirkt klein auf dem großen Parkplatz, auf dem es steht. Es wirkt fast so, als wäre es ein abgestelltes UFO, oder ein überdimensionierter silbern-grün-weiß-roter Autoreifen, der aus dem Weltall abgeworfen wurde.
  6. Als wir endlich die Kasse erreichen, sehen wir, dass man auch ein Ticket mit Stadionführung (inklusive Umkleideräume) kaufen kann. Weil so viele Leute das machen, wäre unsere Stadionführung erst in drei Stunden und deshalb verzichten wir.
  7. Im Museum sind zuerst die Pokale in einem Raum ausgestellt. Eine sehr irritierende Show aus Videos, lauter Musik und Lichteffekten. Irritierend deshalb, weil immer nur der Pokal beleuchtet ist, der im Video gezeigt wird. Die anderen sind dunkel. Im Raum drängen sich Menschen. Ich würde mir gerne die Pokale ansehen, aber das geht nicht.
  8. Der Rest vom Museum ist ein großer Raum. Zuerst wird die Geschichte von Juventus vorgestellt.
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  10. Einige Schüler einer humanistischen Gymnasiums gründeten den Verein 1897. Der Älteste von ihnen war erst 17 Jahre alt. Enrico Canfari, einer der Gründer, erzählte über die Namensgebung: „There were those fond of Latin, those who preferred the classics, and a few democrats.“ Juventus war die Kompromisslösung, obwohl die Gründer Sorge hatten, der Name würde ältere Menschen nicht ansprechen.
  11. Das Klassenbuch der Gründer ist ausgestellt.
  12. Juventus begann in rosa Dressen zu spielen. 1900 spielte Juventus in der italienischen Meisterschaft. 1905 gewann Juve diese zum ersten Mal.
  13. 1903 wurde zum ersten Mal in den schwarz-weißen Dressen gespielt, diese wurden von Notts County übernommen.
  14. Alte Zeitungsausschnitte sind in Vitrinen aufgelegt, auch jener, der über den Tod Enrico Canfaris im ersten Weltkrieg berichtet.
  15. Es gibt Schaukästen mit alten Ausrüstungen. Es ist interessant zu sehen, wie sich die Bälle, die Schuhe und die Trikots im Laufe der Zeit veränderten.
  16. Eines der Juventus-Stadien hieß „Stadio Benito Mussolini“ und später „Stadio Communale.“
  17. Alte Sammelplaketten und Sticker der Juve-Stars sind zu sehen. Auch Spielzeug und eine alte Jausenbox aus Blech.
  18. In Vitrinen sind Trikots vieler Stars ausgestellt. Mich erstaunt, wie lange relativ dicke Woll- oder Baumwolltrikots getragen wurden.
  19. Bilder von Fernsehauftritten zeigen, dass bereits 1965 Frauen im italienischen Fernsehen nur leichtbekleidetes Zierwerk darstellen mussten.
  20. In der Mitte des Raumes steht ein bewegliches Hologramm von Giovanni Trapattoni, die auf Knopfdruck zu sprechen beginnt. Ein bisschen beängstigend, aber lustig.
  21. Ich finde das Museum sehr abwechslungsreich und viel besser gemacht, als jene von Bayern und Barcelona, die ich auch schon gesehen habe.
  22. Mir gefallen die alten Ausstellungsstücke. Lukas interessiert sich für die neuen. Er schaut sich die Berichte und Trikots der Spieler an, die er kennt.
  23. Bevor wir das Museum verlassen können, müssen wir warten, bis eine neue Vorstellung im letzten Saal beginnt. Vorher darf man nicht hinaus.
  24. Der letzte Raum ist rund. Die Zuschauer stellen sich an den Wänden auf. Rundherum werden Szenen aus der Geschichte und Gegenwart des Vereins an die Wand projiziert. Das Motto „Fino alla Fine“, das meinen Mann an das „mia san mia“ der Bayern erinnert, mich aber eher an Kriegsparolen, wird immer wieder betont.
  25. Wir spazieren noch ein bisschen über das Stadiongelände, ich finde es immer noch schade, dass wir die Tour nicht machen können, und dann fahren wir nach Hause.
  26. Der Urlaub ist aus.

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Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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Eine Antwort zu Pensées: Ein Ausflug ins Juventus-Stadion

  1. Gilbert Pothmann schreibt:

    hallo was machen deine ohren,lange nichts neues gehört
    gruß gilbert

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