Drehcreolen und Metallarbeit

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Ich hatte mir noch nie überlegt, wie eine Bronzestatue entsteht. Dann las ich die Autobiographie von Benvenuto Cellini. Der fertigte nämlich nicht nur das Salzfass, für das er in Österreich bekannt ist (vor allem weil es aus dem Kunsthistorischen Museum von einem Passanten, der ein offenes Fenster sah, gestohlen wurde), sondern auch Statuen mit überlebensgroßen Figuren.

Cellini schrieb, wie es 1545 eine fast übermenschliche Kraftanstrengung bedeutete, seinen Perseus zu machen. Das Tonmodell musste mit Wachs überzogen werden, dann noch einmal mit einer Tonschicht. Während die zweite Tonschicht brannte, schmolz das Wachs und bildete einen Hohlraum. Die Figur wurde mit Luft- und Ausflusslöchern versehen, damit die Bronze sie zügig und vollständig durchfließen konnte.

Für die Figur musste ein Loch gegraben werden, das so tief war, dass der Kopf unterhalb des Ausflusses des Schmelzofens zu liegen kam. Die Figur wurde in das Loch gesenkt und ganz mit Erde bedeckt. Der Ofen musste heiß genug sein, damit die große Menge Bronze schmelzen konnte. Der Ausfluss musste genug Druck haben, damit das Metall bis in die Füße rinnen konnte. Cellini heizte den Ofen so stark ein, dass das Dach Feuer fing, und einige seiner Gesellen mussten die gesamte Zeit des Gießvorgangs das Haus löschen.

Als die Figur gegossen werden sollte, bildete sich ein Kuchen im flüssigen Metall. Mit diesem festen Stück hätte man keine Figur gießen können. Cellini behalf sich damit, dass er den Ofen noch stärker einheizte, sich und seine Gesellen in Lebensgefahr brachte, und das Metall verflüssigte, indem er alle Zinnbecher und –teller, die er besaß in den Ofen warf.

Einige Tage später, als das Metall hart geworden war, konnte er erst nachsehen, ob seine Figur geglückt war.

Ich habe keine Ahnung, wie heute Bronzefiguren hergestellt werden. Möglicherweisen nicht viel anders, aber vermutlich ohne Hausbrand.

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In dieser Schmuckkolumne stelle ich meine gedrehten Creolen vor. Ich trage sie durchdouble flared Goldtunnel. Den Ohrrand entlang und in Labret und Conch trage ich Ringe aus Silber und Gold.

Ich sage „gedreht“, weil die Ohrringe so aussehen, als wurden viele dünne Golddrähte zusammengefügt, verdreht und dann zu einem Ring geformt. Aber ich habe keine Ahnung, wie sie tatsächlich gemacht wurden. Vielleicht wurden sie auch in eine Form gegossen oder aus einem Stück herausgearbeitet. Eigentlich ist es schade, wie wenig Ahnung ich von Metallarbeiten im Groben und im Feinen habe.

Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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4 Antworten zu Drehcreolen und Metallarbeit

  1. joansanders schreibt:

    Lovely jewelry! And such a cute hairdo!

  2. Mrs LJ schreibt:

    ja, tolle frisur!

  3. OldMac schreibt:

    Links 13 Ohrlöcher ohne Tunnel am Ohrrand, rechts „nur“ 11. Möchtest du rechts noch nachziehen oder ist das Ende der Fahnenstange erreicht?

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