Pensées: Ein Ausflug nach Ravensburg

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  1. Katharina hat sich zum Geburtstag einen Shoppingausflug gewünscht und sich für Ravensburg entschieden.
  2. Anna und Lukas haben keine Lust mitzukommen. Sie bleiben lieber zu Hause, essen zu Mittag Eierspeise und Kuchen und lassen den ganzen Tag die Pyjamas an. Chillen nennen sie das.
  3. Katharina ist nicht traurig, es soll ja ihr Tag werden.
  4. Müller steht auf ihrer Liste. Zuerst die Spielzeugabteilung (Monchhichis sind wieder in Mode und ich erzähle ihr, wie ich mir in ihrem Alter eines wünschte und auch bekam und so stolz darauf war. Ich erinnere mich aber nicht, ob die daumenlutschenden Äffchen auch damals schon dieses seltsame Doppel-H im Namen hatten), dann die Krimskramsabteilung (Fußballparaphernalia gibt es hier von FC Bayern, Borussia Dortmund, VfB Stuttgart. Paulaner macht sogar Bierdosen, die mit den Köpfen von Bayernspielern bedruckt sind) und die Musikabteilung (Bravo-Hits-Doppel-CD ist selbstverständlich das Geschenk der Wahl).
  5. Es regnet in Strömen, in jedem Geschäft müssen wir unsere Knirpsschirme ablegen und dann tropfnass wieder unter anderen Knirpsschirmen hervorgraben. Katharina findet in einem Geschäft ein T-Shirt. Ich möchte im Schokoladengeschäft einige Tafeln von Cluizel kaufen. Es gibt aber keine. Im Sommer, so erklärt mir die Verkäuferin, hat sie ein kleineres Sortiment als im Winter, weil im Sommer weniger Schokolade gegessen wird.
  6. An einer Hausecke sehe ich eine seltsame Skulptur: Auf einem Buben sitzt ein Mann mit einer Rute und auf dem ein beleibter Mann mit gefalteten Händen.  Das ist ein Mahnmal für den Hütekindermarkt, der hier bis 1914 stattfand. Arme Familien aus Vorarlberg, Tirol und Graubünden schickten ihre Kinder hierher, damit sie im Sommer Dienste bei Bauern machen sollten. Hier war der Sklavenmarkt der Schwabenkinder.
  7. Nach dem Essen regnet es noch immer. Katharina lässt sich erweichen und wir gehen ins Ravensburger Spielemuseum. Unterwegs sehen wir ein sehr hübsches Kindermodengeschäft, das aber noch fast eine Stunde Mittagspause hat.
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  9. An der Kasse des Museums hat sich eine Schlange gebildet. Bei dem Regenwetter sind wir nicht die einzigen, die einen Museumsbesuch zum Trocknen machen. Einige Kinder vor mir geben ihre Kopfhörer ab und bekommen Urkunden. Da muss so etwas wie eine Museumsralley stattgefunden haben. Ich schaue mir das Beiheft zum Museum an, während ich warte. Es sieht eher enttäuschend aus, wie eine Werbebroschüre.
  10. Endlich kommen wir dran, der Eintritt kostet 7 € für Erwachsene und 6 € für Kinder. Das Museum ist nicht groß, deshalb finde ich das teuer.
  11. Im ersten Raum sind historische Spiele und der Schreibtisch von Otto Maier, dem Verlagsgründer ausgestellt. Auf jeder Tafel, die Ausstellungsstücke beschreibt, steht „Otto Maier dies“ und „Otto Maier das“ in großer Bewunderung.
  12. Ab 1902 gab es Vertreter das Otto Maier Verlages, 1912 wurden Spiele in neun verschiedenen Sprachen gefertigt und exportiert.
  13. Ein Schrank, in dem Entwürfe für verschiedene Arten von Spielen aufbewahrt sind, steht an einer Wand. Eine Werbung, etwa 100 Jahre alt stellt fest, dass Ravensburger Spiele „aufs glücklichste Ernst und Scherz, Unterhaltung und Belehrung“ vereint.
  14. Das erste Spiel von Ravensburger stammt aus 1884 und ist „Die Reise um die Erde“ nach Vorlage von Jules Vernes Roman. Das Spiel hat genau 80 Felder. Dieses Spiel kann man auch im Shop kaufen.
  15. Fang den Hut wurde 1927 entwickelt, Memory erst 1959 (es ist das erfolgreichste Spiel von Ravensburger).
  16. In einem Raum sind moderne Spiele aufgestapelt. Man kann bunte Schubladen aus Schränken ziehen, in denen Spiele aufgebaut sind: Eile mit Weile – Chi va piano va sano, Vertragen und nicht schlagen (nach pädagogischen Erkenntnissen der 1970er Jahre), das Ur-Spiel aus 1977 (das dem 5000 Jahre altem Spiel aus Mesopotamien nachempfunden ist und das als eines der ältesten Brettspiele der Welt gilt), Öl für uns alle aus 1960 (das ursprünglich als Werbegeschenk einer Ölfirma erschien), In die deutschen Kolonien von 1908 (bei dem auch ein Herero-Aufstand niedergeschlagen werden muss), Haustöchterchens Kochschule von 1895 inklusive Kochuntensilien von der Firma Märklin, Das 19. Jahrhundert aus 1899 (das jedes Jahr in einem Bild darstellt und bei dem auch Orden verteilt werden), Reichsautobahnen im Bau von 1938 (bei denen die von den Nationalsozialisten gebauten Autobahnen auf einer Landkarte nachgelegt werden), Der Mittelstürmer bist du aus 1957 (über das sich Sepp Herberger wohlwollend äußerte), Das Wolkenkuckuckshaus aus 1958 (bei dem Häuser aus Kunstkarten zusammengesteckt werden) und noch einige mehr.
  17. Anfang des 20. Jahrhunderts hatten Quartette Themen wie Deutsche Dichter, Gemälde neuerer Meister, Geschichtliches Quartett oder Sinnsprüche Quartett.
  18. Einige kleinere Räume sind mit den Wimmelbildern von Ali Mitgutsch tapeziert. Es gibt Spielezimmer, in denen die Kinder malen, basteln oder Brettspiele spielen können, und eine Bibliothek, in der man lesen kann. Alle Spielecken sind aber so überfüllt, dass wir das nicht machen.
  19. Ich finde die alten Spiele interessant, hätte aber gerne mehr Anleitungen gesehen. Ich hätte gerne mehr über die Spieleentwicklung  und über die Spieleproduktion erfahren. Die wenigen Schaukästen, die es diesbezüglich gibt, sind wenig aussagekräftig.
  20. Das Kindermodengeschäft sperrt gerade auf, als wir das Museum verlassen. Katharina gefallen einige Stücke. Zum Probieren wird sie in ein Hinterzimmer unter ein schmales, von der Decke hängendes Zelt geführt. Im Hinterzimmer stehen auch Nähmaschinen. Manche Stücke näht die Besitzerin des Geschäfts selbst.
  21. Katharina trägt den roten Sack mit den weißen Punkten in dem ihre Streifenhose steckt, zum Auto.

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Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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