Pensées: Ein Ausflug an den Bodensee

DSC04422

  1. Das Wetter ist wieder einmal am Wochenende trüb, aber es regnet wenigstens nicht. Wir fahren nach Wasserburg.
  2. Der Maibaum ist mit Zunftzeichen geschmückt, eines mit Doppeladler, eines mit Zimmermannswerkzeug, eins mit einem Blitz und Stromleitungen, eines mit einem Auto, das auf dem Dach eine Eichel und ein Eichenblatt liegen hat.
  3. Der Fleischer bietet auf einer Tafel „Bruzzelfleisch vom Landschwein“ an. Und Maultaschen.
  4. Am See regnet es immer noch nicht. Ich mag es, wenn der See so grau ist. An der Uferpromenade findet ein Kunstgewerbemarkt statt. Aufwändig gemachte Quilts werden verkauft. Eine Decke für über 300 €. Das sind 20 Cent Stundenlohn, sagt mir die Frau, die das Quilt genäht hat und die mich ansprach, als ich sagte, wie viel Arbeit in so einer Decke steckt.
  5. Eine Frau verkauft Schmuck aus gebrauchten Nespressokapseln, ich kann nicht widerstehen, obwohl der Schmuck nicht sehr edel aussieht, aber eben doch lustig.
  6. Bei einem Stand steht eine Sockenstrickmaschine aus 1880. Mit einer Kurbel kann man den Mechanismus dazu bringen, mit ganz normaler Sockenwolle innerhalb von einer halben Stunde eine Socke zu stricken, mit Ferse und allem Drum und Dran. Leider ist nur eine halb fertige Socke eingespannt und die Maschine nicht in Betrieb.
  7. Im Park stehen moderne Skulpturen, manche davon sind dürre Frauen, die sich vorbeugen und ihre Brüste baumeln lassen wie Euter. Ich verstehe die Aussage des Kunstwerks nicht.
  8. Am Rand des Marktes steht ein eher unscheinbares Denkmal. Es besteht aus acht Wappen, die die acht Herrscherhäuser repräsentieren, denen Wasserburg unterstellt war: St. Gallen, Kisslegg, Schellenberg, Ebersberg, Montfort, Fugger, Österreich, Bayern.
  9.  DSC04365DSC04370 DSC04396
  10. Vor der Kirche trägt die große Eiche ein Schild: „Zur Erinnerung an den Friedenschluß in Frankfurt am Main am 10. Mai 1871.“ Ein anderer Baum am Ufer trägt ein Schild: „Dieser Baum ist 150 Jahre alt.“ Das Schild ist verwittert, wahrscheinlich ist der Baum älter.
  11. Auf der Kirche kämpft der Heilige Georg mit dem Drachen. Am Friedhof gibt es Gräber von Bodenseekäpitänen und von zwei Generationen von Professoren der physiologischen Chemie. In einem Grab liegt Rosa Hund, ich schmunzle gerade, als ich sehe, alle drei Söhne der Familie starben im Zweiten Weltkrieg.
  12. An der Kirchenwand ist ein Epitaph an einen Pfarrer von 1610 mit einem Jesus in der Weinpresse. Der Pfarrer hat es sich selbst zu Lebzeiten geschaffen, steht auf einem Schild daneben.
  13. Die Deckenfresken der Kirche, die es seit dem achten Jahrhundert gibt, sind von 1920. Das Hauptthema sei, so das Beibuch „die vermeintliche Ungerechtigkeit des Vertrages von Versailles.“ Das Hauptbild heißt „Proklamation der Gottesmutter als Patrona Bavaria“. Es sieht auch so aus, wie ich mir das vorstellten würde.
  14. Ins Museum gegenüber der Kirche gehen wir nicht. Es ist klein und behandelt Themen von den Wasserburger Hexenprozessen bis zum Leben von Martin Walser.
  15. Am Weg zum Auto kaufen wir Erdbeeren und Apfelmost.
  16. Dann fahren wir nach Eichenberg und essen im Restaurant Schönblick zu Mittag. Der Blick ist wirklich schön und das Essen ist gut.
  17. Nachmittags klart es auf und wir fahren zum Rohrspitz. Dort fließt der Rhein in den Bodensee. Regattaboote stehen am Strand, sie haben Räder und können ins Wasser gezogen werden.
  18. Dauercamper sind abgestellt, manche mit Dächern, Satellitenschüsseln und Fensterbankbepflanzung.
  19. Ich höre ein Geräusch, das sich für mich wie Quorren anhört. Durch Max Goldt weiß ich, dass Schnepfen quorren, weiß aber nicht, wie sich das anhört. Aber dieses Geräusch kann nur Quorren sein, so schnarrend monoton und langgezogen klingt es.
  20. Ich schaue genauer und merke, das sind die Frösche in den seichten, sumpfigen Pfützen in Ufernähe. Dabei sehe ich auch die Schwertlilien, die hier blühen, gelb und lila.
  21. Wir spazieren am Ufer des Sees entlang, genau in der Mitte zwischen Rhein und altem Rhein. Das Schildgras blüht und sieht rosa aus. Reiher fliegen auf, Störche spazieren im Gras.
  22. Wir spazieren, bis wir genug haben und fahren dann nach Hause.

DSC04380 DSC04403 DSC04409

Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
Dieser Beitrag wurde unter Pensées abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Pensées: Ein Ausflug an den Bodensee

  1. damit man am rohrspitz weiter meandern kann, damit unsere kinder das quorren dort noch hören können: http://unser-rohrspitz.org bzw. https://www.facebook.com/unserrohrspitz

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s