Pensées: Ein Ausflug nach Birnau, Salem und Hohentwiel

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  1. Diesmal begeben wir uns ans andere Ende des Bodensees. Nach Birnau und Salem und Hohentwiel. Ein ambitioniertes Programm.
  2. Diesmal kommt Katharina mit. Lukas und Anna ist ihre Freiheit, zu Hause „chillen“ zu können, lieber.
  3. Die Basilika unserer Lieben Frau in Birnau sieht von außen aus wie ein rosa Herrschaftshaus mit einem Kirchturm. Sie thront über dem Bodensee, auf der anderen Uferseite ist Konstanz zu sehen.
  4. Im Eingangsbereich zur Kirche ist auch der Eingang zum Pfarrhaus. Mit einer „Beichtklingel“, auf der feste Zeiten für die Beichte angegeben sind, kann man wohl den Pfarrer zur Beichte rufen.
  5. Beim Betreten der Kirche werde ich fast von der Überfülle an Barock geblendet. Eine Führung findet in der Kirche statt. Der vordere Teil der Kirche ist abgesperrt. Auf den Deckengemälden wird Maria verehrt. Um sie herum steht auf Spruchbändern „Laetitia Israel“ und „Gloria Jerusalem“.
  6. An den Wänden stehen nackte Barockengel. Einer von ihnen trägt eine Totschlägerkeule. Er winkt aber ganz freundlich. Einen anderen übersehe ich und finde ihn erst als ich mir zu Hause das Beibuch durchlese: Dieser Engel trägt einen Bienenstock, den er zu verstecken versucht und aus dem goldene Bienen hervorquellen. Der Engel schleckt sich den Finger ab.
  7. Ich übersehe auch das zentrale Element der Kirche, die Maria aus dem 15. Jahrhundert, die Jesus auf dem Schoß und einen angebissenen Apfel (als Symbol der Erbsünde) in der Hand hält. Die Apfelsymbolik ist mir auch noch nie aufgefallen.
  8. Im Shop neben der Kirche kann man Bodenseeschirme und Bodenseeservietten kaufen. Und Wurst und Obst.
  9. Wir fahren weiter zum Schloss Salem. Der Name Salem stammt aus der Bibel, König Melchisedek lebte im ursprünglichen Salem, das möglicherweise ein älterer Name für Jerusalem ist.
  10. Vor der Schlossanlage, in einem Glashaus, befindet sich das Ticketoffice. Die Innenräume sind nur im Rahmen einer Führung zu besichtigen. Der Kaisersaal nur mit der großen 90 Minuten-Führung. Wir entscheiden uns dafür, nur den Außenbereich, das Münster und das Feuerwehrmuseum anzusehen.
  11. Das Schloss hat eine umfangreiche Gartenanlage. Jedes Blumenbeet ist von einer kleinen Buchsbaumhecke umzäunt. Jede Buchsbaumhecke hat der Buchsbaumzünsler kahlgefressen.
  12. Katharina läuft ins Labyrinth. Und findet auch wieder hinaus.
  13. In den Häusern an der Parkanlage entlang sind einige Geschäfte: Ein Juwelier, eine Schmiede, eine Kunsthandlung mit nachgemalten Van Goghs, eine Weinhandlung und ein Glasbläsergeschäft. Katharina kauft sich ein Glashündchen.
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  15. Vor dem Münster liegt die Skulptur eines in Sand eingegrabenen alten Mannes, auf einer Parkbank sitzt ein nackter alter Mann aus Stein in Ballerinas. Katharina gefallen die beiden.
  16. Im Münster stehen viele Altäre für verschiedenste Heilige, deren Geschichte in sehr schönen Steinarbeiten erzählt wird. Einige von ihnen wurden erschlagen oder geköpft.
  17. Ein Chorgestühl aus Holz und Gold sieht sehr aufwändig aus.
  18. An den Seitenwänden entlang stehen viele Beichtstühle. In jedem von denen sind Erbauungsbilder für die SünderInnen aufgemalt. Manche zeigen die Hölle, manche die Vergebung, manche Agonie, manche ein Memento mori.
  19. Auf einem Deckengemälde sitzt ein sehr rosa gemalter Mann, der wütend dreinschaut und den Finger mahnend zu tanzenden Engeln in die Luft streckt. Um ihn herum tummeln sich Affen, Bären und Vögel. Auch die Tiere sehen eher unzufrieden aus. Was das Bild bedeutet, erschließt sich mir nicht. Überhaupt würde mich die Bildsprache dieser Kirche interessieren. Aber auch das aufliegende Büchlein gibt keinen Aufschluss.
  20. Das Feuerwehrmuseum ist sehr klein, aber einige Feuerwehrautos aus dem 18. Und 19. Jahrhundert und dampfbetriebene Pumpen sind ausgestellt. Man erfährt ein bisschen über Signalhörner, die ersten Feuerlöscher für den Hausgebrauch, Schlauchmaterialien und Schutzbekleidung von vor 100 Jahren.
  21. Nach einer Runde durch den Park fahren wir weiter zur Festung Hohentwiel.
  22. Bei Parkplatz muss man Eintrittskarten kaufen, die werden aber von niemanden angeschaut.
  23. Am Wegesrand ist ein alter Friedhof, dessen verwitterte Grabsteine zum Teil schon schief im Bärlauch stehen. Viele Gräber sind erst 100 Jahre alt, manche sind sogar neu.
  24. Der Aufstieg zur Burg ist recht angenehm. Nach etwa zwanzig Minuten kommt man zu einer Schranke, die nur mit der Eintrittskarte passiert werden kann. Wer keine Karte hat, hat Pech und muss noch einmal hinunter.
  25. Nach der Schranke beginnt der alte Weg. Die Steine sind ganz glatt, weil so viele Menschen schon darübergegangen sind. Wenn der Weg steil wird, ist es sehr rutschig. Wenn es regnen würde, wären Bergschuhe angebracht. Aber es regnet ja nicht.
  26. Die Burg ist nur noch als Ruine erhalten. Zerstört wurde sie 1801 auf Anordnung Napoleons. Trotzdem meine ich, mir hier recht gut mir ausdenken zu können, wie die Burg einmal aussah. Ganze Häuser und Zimmer sind stehengeblieben, ohne Dach zwar und grasbewachsen anstatt eines Bodens, aber immerhin.
  27. Eine Schmiede ist beschildert und die Wohnung des Küfers, die sehr geräumig scheint. Es gab auch Wirte, Bäcker, Metzger, Gärtner und andere Handwerker auf der Burg.
  28. Weil Hohentwiel eine württembergische Exklave auf österreichischem Gebiet war, diente sie immer als Festung. Es gibt auch einen Galgenrain. Auf unerlaubtes Verlassen der Festung stand die Todesstrafe. Wurden die Soldaten nicht gefasst, wurden Tafeln mit ihrem Namen an den Galgen geschlagen (1701).
  29. Im 17. Jahrhundert war auf Hohentwiel ein württembergisches Staatsgefängnis. Sträflinge wurden hier in Ketten gehalten. Es gab aber auch eigene Räume für straffällig gewordene Adelige oder politische Gefangene.
  30. Die Aussicht ist schön –  vom Bodensee bis zum Schwarzwald.
  31. An einer Mauer ist eine Plakette für Josef Victor von Scheffel abgebracht. Unten bei der Kasse angekommen, sehe ich dessen Buch Ekkehard im Shop aufliegen. Am Klappentext wird Theodor Fontane zitiert. Das sei eines der besten Bücher, die er je gelesen habe.
  32. Das macht mich neugierig und ich kaufe das Buch.
  33. Obwohl ich nie ein Fan von Fontane war.
  34. Zu Hause merke ich, das Buch ist unlesbar.

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Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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