Pensées: Ein Ausflug zur Burg Hohenzollern

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  1. Über die Feiertage passt meine Mutter auf die Kinder auf und mein Mann und ich haben drei Tage für uns. Wir wollten nicht zu weit weg, es uns lieber gemütlich machen und im Notfall auch schnell wieder zu Hause sein (die Ängstlichkeit habe ich noch immer nicht ganz abgelegt). Deshalb haben wir uns für Stuttgart entschieden.
  2. Am Tag bevor wir losfahren, sehe ich zufällig, dass genau zu dieser Zeit der evangelische Kirchentag dort stattfindet. Fünf Tage lang. Die Stadt platze aus allen Nähten, der öffentliche Verkehr breche zusammen, die Christen würden an allen Ecken singen und jubilieren.
  3. Wir wollen uns auf der Hinfahrt das Schloss Hohenzollern ansehen. Dafür müssen wir die Autobahn verlassen und die Überlandroute Richtung Stuttgart nehmen.
  4. Zwei tote Dachse liegen im Abstand von etwa 10 Minuten auf der Straße.
  5. Beim Bodensee ist auch das Hopfengebiet. In Drahtkäfigen winden sich die Hopfenpflanzen in die Höhe.
  6. Die Burg Hohenzollern war die Stammburg der deutschen Kaiser. Sie wäre fast 1000 Jahre alt, wurde aber stark vernachlässigt. In einem Reisebericht von 1781 ist zu lesen, dass die Hohenzollern früher 6000 Gulden jährlich für die Instandhaltung investierten, nun aber nur noch 1000 Gulden und dass nur noch einige wenige Soldaten auf der Burg zu sehen waren, einige Räume aber noch eingerichtet seien.
  7. 1850 beschlossen die Hohenzollern die Burg wieder aufzubauen. Als Statussymbol vermutlich.
  8. Von der Ferne sieht die Burg aus wie ein Disneyschloss, mit Türmchen und Zinnen.
  9. Der Weg zur Burg ist recht steil. Man kann aber auch mit dem Bus vom oberen Parkplatz bis zum Eingang der Burg fahren. Der obere Parkplatz ist aber belegt und wir gehen durch den Wald und fahren dann, weil es heiß ist, mit dem Bus.
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  11. Von der Nähe sieht die Burg noch mehr aus wie ein Disneyschloss, die Steine wirken ganz neu, fast wie Pappmachésteine einer Filmkulisse.
  12. Heute sind nicht wie sonst üblich Führungen in der Burg, sondern man kann die Burg besichtigen, wie man möchte. „Königliches Flanieren“ nennt sich das und viele Menschen machen das. Es ist ein sonniger Tag und recht heiß.
  13. In einem Turm sind alte Ansichten der Burg ausgestellt. Und die eine oder andere Ansichtskarte. Wie die Burg zu verschiedenen früheren Zeiten aussah, erfährt man nicht.
  14. Vom Burggarten aus hat man einen schönen Ausblick auf die Umgebung. Hier stehen Statuen von Hohenzollern. Friedrich der Große sieht aus wie Helmut Schmidt. Friedrich I. sieht mit seinem vorstehenden Kinn wie ein Habsburger aus.
  15. Im Wohnbereich der Burg muss man Filzpantoffeln anziehen. Die Böden sind schön. Alles andere ist eher aufgrund einer seltsamen Geschmacklosigkeit bemerkenswert (in den Innenräumen darf nicht fotografiert werden, deshalb habe ich die Innenaufnahmen aus dem kleinen Burgführer verwendet).
  16. An den Kronleuchtern stecken tatsächlich noch Kerzen, obwohl die Burg neu erbaut wurde, als gerade die ersten Glühbirnenpatente angemeldet wurden. Die Kerzen sind in manchen Leuchtern ganz neu, in anderen halb heruntergebrannt.
  17. An den Wänden hängen Familienportraits oder Darstellungen von historischen Begebenheiten oder Sagen. Ein „Historienmaler“ hat diese gemalt. Mich verwundert, warum keine alten Kunstwerke, die sich doch vermutlich im Familienbesitz befunden haben mussten, verwendet wurden.
  18. Die Auswahl der Kunstwerke verstärkt das Gefühl des Nicht-Echtseins.
  19. Auf eine Wand ist der Stammbaum der Hohenzollern gemalt. Als Tapetenersatz.
  20. In einem Raum sind einige Museumsstücke ausgestellt – Geschirr, ein Kleid, Rüstungen, Schnupftabakdosen, Orden.
  21. Im Burghof befindet sich eine Imbissbude. Currywurst, rote Wurst, Pommes. Passt gut zur Burg. Wir essen dort und dann spazieren wir zurück zum Auto.
  22. Auf dem Wappen der Burg ist ein hässlicher Hund abgebildet, der die Zunge aus dem Maul heraushängen hat. Dieser Hund dient als Helmzier. Er wird Bracke genannt. Auch er passt zur Burg.
  23. Obwohl der Hund wirklich bereits seit fast 700 Jahren im Wappen ist.

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Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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