Pensées: Ein Ausflug zu Schloss Waldenbuch

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  1. Auf dem Weg von Hohenzollern nach Stuttgart liegt Waldenbuch. Also fast.
  2. Dort gibt es ein Schloss, in dem ein Museum für Alltagskultur untergebracht ist. Das muss ich natürlich unbedingt ansehen.
  3. Der Ort ist sehr nett gelegen. Das Café am Platz ist voll, dahinter sind das Rathaus und das Schloss.
  4. Vor dem Schloss hängt eine Landkarte mit einer Rad-Museums-Tour. Volkskundemuseen gibt es da und ein Puppenmuseum. Wie gerne würde ich so eine Provinzmuseenradtour machen.
  5. Die Werbeplakate des Museums zeigen als „Helden des Alltags“ eine Klobürste und eine Glühbirne.
  6. Der untere Stock ist kindgerecht gestaltet. In vielen Schaukästen sieht man Gegenüberstellungen von Alltagsdingen der Gegenwart und der Vergangenheit: Paninisticker und ein Liebig-Sammelalbum. Eine Werkstatt  und ein eingeschrottetes Auto. Ein Nachttopf und ein Klo.
  7. Es wird erklärt, wie Bauern früher arbeiteten. Dass Knechte und Mägde von Weinbauern zu Martini am 11.11. ihr Geld bekamen und dass es deshalb oft Martinimärkte gab. Eine Rübenmühle, ein Strohschneidestuhl und eine Windfege (zur Trennung von Spreu und Weizen) sind ausgestellt.
  8. Erst nach einer Hungersnot 1816/17 etablierte sich die Kartoffel in diesem Gebiet. Ab dieser Zeit wurden auch die Kühe ganzjährig im Stall gelassen.
  9. Der erste Stock widmet sich dem Wohnen: Ein Jungendzimmer von 1970. Eine Musiktruhe von 1961 um 898 DM (Durchschnittsverdienst damals 300 DM monatlich). Ein Fernsehzimmer mit Nierentisch, in dem man verschiedene Fernsehsendungen wählen kann, die im Fernseher gezeigt werden.
  10. Die Wohnung der Gayers (um 1900) und deren persönliche Geschichte sind ausgestellt und erzählt. Wie das Ehepaar auswandern wollte, aber die Frau aufgrund eines Herzfehlers keine Genehmigung zur Einreise in die USA bekam. Wie das Geld knapp wurde. Im Nachtkästchen neben dem Bett ist ein Nachttopf gelagert. Die Küche mit dem Spülstein und dem Holzofen. Bad gab es keines. Ein Sack mit Knöpfen als Kinderspielzeug liegt in einer Vitrine.
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  12. Eine ältere Frau kommt mit ihrem Enkelkind vorbei und sagt: „Ja, genau so war das damals, als ich ein Kind war.
  13. Ein Raum ist dem Licht gewidmet – von alten Glühbirnen, zu Gewitterkerzen und Nazipropaganda-Plakaten zur Verdunkelung.
  14. Es gibt einen Raum für Pflegeprodukte – mit Seifen, Klopapier (die erste Klopapierfabrik wurde 1928 gegründet, das Klopapier war aus Krepppapier), Massagegeräte oder Damenbinden, inklusive Anleitung für „Wäschestücke für besondere Zeiten“ – und einen Raum für Putzzeug – mit Besen und Waschmitteln. Elektrogeräte und Plakate, die für diese Werbung machen, sind zu sehen.
  15. Ein Raum widmet sich dem Wohnen, einer dem Bett, einer der Jagd. Auf einem Bild treiben Diener Hirsche und Wildschweine in eine Arena. Unter Sonnendächern saßen die illustren Gäste und schossen die Tiere ab.
  16. Alte Plakate und Werbetafeln hängen in den Gängen.
  17. Im oberen Stock gibt es einen Raum für Handwerk und Zünfte, inklusive Katalog für Outfits für die Walz und Lehrbriefen.
  18. Trachten werden gezeigt und wie diese die Gesellschaftsordnung widerspiegelten. „Hippe“ war der Rock einer evangelischen Schwarzwäldertracht.
  19. Der Zimmerdekoration – Erbauungsbilder, Stickbilder, Wachsdevotionalien und Schreine – ist ein Raum gewidmet und in einem Raum werden Druckwerke ausgestellt – kleine Büchlein, in denen Naturkatastrophen, Eisenbahnunglücke oder spannende Begebenheiten beschrieben werden, oder populäre Druckgrafiken aller Art. Ein Bild, in dem Hitler in einem germanischen Schurz ein Schwert schmiedet, hängt unkommentiert dazwischen.
  20. Ich bin nicht sicher, ob das gut ist, weil MuseumsbesucherInnen selbst wissen, was das zu bedeuten hat, oder schlecht, weil sie das nicht wissen.
  21. Die „Stände der Frau“ sind auf einem Bild dargestellt, wobei die Schneiderin am höchsten steht, die Bäuerin und die Nonne am tiefsten.
  22. Insgesamt bietet das Museum ein buntes Sammelsurium von Kleinigkeiten aus verschiedensten Aspekten des Alltagslebens. Etwas durcheinander mitunter, aber jedenfalls einen Besuch wert, wenn man in der Nähe ist.
  23. Im Museumsshop kaufe ich mir noch ein Buch über die Darstellung von Frauen auf Werbeplakaten.

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Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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2 Antworten zu Pensées: Ein Ausflug zu Schloss Waldenbuch

  1. daria1985 schreibt:

    Interessant dass sogar Hausmädchen in der Hierarchie über Bäuerinnen zu stehen scheinen. Gab es dazu irgendeine Erläuterung (oder eine Begründung dafür)?

    • Karin Koller schreibt:

      Nein, ich habe leider keine Erklärung gesehen. Was mir einfiele: Selbstständig über angestellt, über „unfrei“ weil Mann und Kloster ausgeliefert. Aber ich weiß nicht, ob das der Grund ist.

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