Pensées: Element of Crime

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  1. Element of Crime mag ich seit langem, schon seit Delmenhorst. Und den Herrn Lehmann von Sven Regener auch.
  2. Die Vorband ist Apples from Space, eine junge Frau und ein junger Mann mit Gitarre und Örgelchen. Sie klingen ganz nett, aber die Akustik scheint schon auf die größere Band eingestellt zu sein.
  3. Die Menschen im Saal reden laut, während die Vorband spielt. Manche scheinen regelrecht schreien zu müssen.
  4. Ich finde das sehr unhöflich.
  5. Beim letzten Song kommt der Schlagzeuger von Element auf Crime und spielt mit den beiden mit. Jetzt überspielen sie die Lautreder.
  6. Nach der Vorgruppe gehen wir ein Bier holen. Die Bierbons werden von taubengrauen Papierrollen abgerissen. „100 g Fett“, denke ich, und „Lebensmittelmarken“.
  7. Bis wir endlich das Bier haben, hat Element of Crime schon zu spielen begonnen. Am Morgen danach.
  8. „Dann kam der Regen. Du ohne Schirm, ich ohne Plan, war ja klar. Und am Morgen danach waren wir beide noch da.“
  9. Und später: Rette mich (vor mir selber) – „Das sind die Worte, die einer findet, auf den keiner mehr hört.“
  10. Und dann auch aus dem neuen Album: Wenn der Wolf schläft müssen alle Schafe ruhn – „Was ich sagen kann, ist längst gesagt, und was ich tun will, trau ich mich nicht zu tun.“
  11. Regener klingt live anders als auf dem Album. Seine Albumstimme erinnert mich immer an Martin Semmelrogge.
  12. Das neue Album Lieblingsfarben und Tiere gefällt mir gut. Ich verstehe nicht alle Texte. Wenn ich meine, Teile dieser Texte nachvollziehen zu können, kommt meist irgendein sonderbarer Bruch, den ich nicht verstehe. Vielleicht um nicht rührselig zu werden. Vielleicht ist dieser Bruch genau das, was mir an der Musik gefällt.
  13. Regner steht auf der Bühne und hält eine Trompete umklammert. Manchmal bläst er hinein. Zwischen den Songs sagt er nicht viel. Manchmal nichts. Als wäre ihm Entertainmentgefasel unangenehm.
  14. Liebe ist kälter als der Tod, sagt er, ist dem Titel eines Fassbinder-Films entlehnt. „… und die Sonnenmilch und die Brille, das Kreuz und das Batiktuch und die Glückspillen nichts bringen und du ihrem Charme erliegst.“
  15. Zu einem Song erklärt er, dass die Band ihn für ein Theater gemacht hat. Peter Pan. Der Song geht darum, dass Captain Hook Peter Pan sagt, er wäre ohne ihn auch nichts, würde durch seinen Tod nur verfressen und faul werden.
  16. Peter Pan ist das beängstigendste Kinderbuch, das ich je vorgelesen habe. – Peter, der nie erwachsen werden will Tinkerbell, die nur 100% gut oder 100% böse sein kann, weil sei zu klein für alles dazwischen ist.
  17. Manche Songs werden wie Jahrmarktsmusik groß inszeniert, andere ganz ruhig gespielt. Einige Songs kannte ich kaum. You fucked up your life „and I wonder why you sit there and smile“. Bei anderen freue ich mich, sie wieder zu hören. Michaela sagt „egal was man nimmt Hauptsache viel.“
  18. Als Immer dort wo du bist bin ich nie gespielt wird „Und in der Luft die Arme wie zur Massenhysteriebekämpfung schwenkte und aufs Pflaster fiel, dachte ich, ich wär am Ziel“, meine ich, Delmenhorst wird wohl nicht mehr kommen, weil der Text doch zu ähnlich ist. Und tatsächlich ist das Konzert zu Ende, Regener verabschiedet sich kurz und ich bin ein bisschen enttäuscht.
  19. Aber dann kommt die Band wieder zur Zugabe herein. Und die dritte Zugabe sagt Regner an: „ Es geht um eine Kleinstadt in Niedersachsen“ und beginnt zu singen: „Ich bin jetzt immer da, wo du nicht bist, und das ist immer Delmenhorst.“ Und ich bin restlos glücklich. „Auf der Straße der Verdammten, die hier Bremerstraße heißt.“
  20. Es ist ein schönes Konzert.
  21. Ich würde Regener gerne Bescheid sagen, dass ich ihn liebe, wenn ich nicht sicher wäre, dass das ohne ironischen Bruch nicht angemessen wäre. Aber den überlasse ich dem Künstler.

Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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Eine Antwort zu Pensées: Element of Crime

  1. Alex schreibt:

    So gerne ich die neuen EoC-Sachen mag: nichts erreicht mMn Damals hinterm Mond und Weißes Papier

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