Pensées: Ein Ausflug zu Vincent Klink

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  1. Nachdem ich schon viel von Vincent Klink gehört habe – er schreibt auch unterhaltsame Bücher – will ich unbedingt einmal in der Wielandshöhe essen. Bodenständig koche er, schreibt Klink auf seiner Website. Speisekarte führt er keine an.
  2. Monate vorher bestelle ich einen Tisch. Sicherheitshalber.
  3. Zur Wielandshöhe fährt man mit der Zahnradbahn. Die Station liegt in einem steilen Hang. Rechts auf dem Hügel sieht man nur die Eingänge zu den ummauerten Villen. Links ist eine Villa mit Vorplatz, auf dem wir uns erst einmal orientieren wollen.
  4. Wir sind aber schon angekommen. Ein unscheinbares Schild zeigt an, dass das Restaurant genau neben der Station ist.
  5. Von dem Vorplatz aus sieht man über die ganze Stadt. Es ist halb acht, wir sind früh dran. Ich dachte, man könnte hier ein bisschen spazieren. Das geht aber nicht, also gehen wir gleich hinein.
  6. Im Restaurant sind schon fast alle Plätze besetzt. Manche sind schon beim Hauptgang. In Stuttgart scheint man früh essen zu gehen.
  7. Wir bestellen das sechsgängige Menü. Mit Weinbegleitung. Wenn wir schon extra hingehen.
  8. Als Amuse Gueule wird eine Muschelnudel mit Sugo und Parmesan gebracht. Das Sugo ist mit Kalbfleisch gekocht und schmeckt gut. Es schmeckt aber auch so ähnlich wie das Sugo, das ich zu Hause aus Schweinefleisch koche.
  9. Wir sitzen neben dem Fenster, alle Scheiben sind gekippt, bei der Hitze ist der Luftzug angenehm. Der Ausblick ist wirklich schön, wie beobachten, wie langsam die Sonne tiefer sinkt und im Lauf des Essens untergeht.
  10. Die kalte Vorspeise ist ein Confit eines Schwarzfederhuhns. Ich wollte schon lange Entenconfit kosten, weil ich nicht genau wusste, was das ist. Das wäre leicht herauszufinden gewesen, es war aber eines jener Dinge, die ich nie gemacht habe. Wie so viele.  
  11. Also koste ich es mit Huhn. Es ist eine Art von Pastete, Hühnerstücke mit Kräutern. Dazu eine glasierte Birne und ein Nockerl mit Leber, die schmeckt, als sei sie Foie gras. Es schmeckt gut.
  12. Der nächste Gang ist Spargelsuppe. Etwas reichhaltig, ohne Schnörkel, Spargelsuppe halt.
  13. Dann kommt Klink selbst in die Gaststube. Bei jedem Tisch bleibt er stehen und begrüßt die Gäste. Er sieht älter aus, als ich ihn mir vorgestellt habe. Ich möchte gerne etwas zu ihm sagen, aber mir fällt nichts ein. Bei solchen Gelegenheiten fällt mir nie etwas ein. Und wenn doch, dann bin ich zu schüchtern, es zu sagen.
  14. Ich weiß gar nicht, ob es der Etikette entspricht, etwas zu sagen. Niemand sonst tut das.
  15. Der Fischgang ist sehr gut, eine cremige Sauce, im Spinat versteckter Zwiebel.
  16. Zweierlei Lamm mit Unmengen von Rosmarin wird zum Fleischgang serviert.
  17. Die Sommelière scherzt mit uns, dass wir aus Österreich sind und jetzt deutsche Weine bekommen. Die sind aber gut, und zwei der Weine in der Weinbegleitung kommen aus Frankreich. Wir unterhalten uns über Weinskandale. Der Ausgang jedes Gesprächs über österreichische Weine.
  18. Als Käsegang gibt es Ziegenkäse, den ich aber lieber als Vorspeise gehabt hätte.
  19. Als es Zeit für das Dessert wird, hat sich das Lokal schon weitgehend geleert. Die Kellnerin fragt uns, ob wir uns auf die Terrasse setzen möchten.
  20. Bei Erdbeeren mit Eis und Schlag (einem Nachtisch, den ich zu Hause unter der Woche mache) schauen wir zu, wie die letzten roten Streifen des Sonnenuntergangs verblassen und essen von den Petit fours und Keksen, die nach dem Nachtisch gebracht werden.
  21. Der Abend ist schön, das Essen gut. Aber eben in etwa so gut, wie wenn wir zu Hause für uns kochen und uns dabei Mühe geben. Bis auf den Fisch, der war besser. Bis auf den Nachtisch, den schaffe ich auch ohne Mühegeben.
  22. Dafür ist das Essen doppelt so teuer wie in einem anderen Lokal.
  23. Ich mag einfache und unprätentiöse Küche sehr gerne. Aber die kann auch inspiriert sein und spannend, wie bei Karl Ederer in München zum Beispiel, dessen Lokal immer leer war, als wir dort waren (und der jetzt ein anderes Restaurant in München übernommen hat).
  24. Als wir gehen wollen, erfahren wir, dass die Zahnradbahn nicht mehr fährt. Es gibt aber ein Bahntaxi, das alle 20 Minuten vorbeikommt. Wir haben keine Lust darauf zu warten und gehen zu Fuß den Hügel hinunter bis zu U-Bahn.
  25. Vorbei an schönen Villen und vornehmen Wohnungen. In der lauen Luft eines der ersten wirklich heißen Tage im Jahr. Weit weg vom Dröhnen der singenden Christen in der Innenstadt.

Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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