Cosmicomics

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Nach vielen Jahren las ich Italo Calvinos Cosmicomics wieder. Ich mache das nicht oft, Bücher wiederzulesen. Es gibt so viel zu lesen, da erschiene es mir schade, manche Bücher zweimal zu lesen und andere, die mich auch interessieren, nie. Aber manchmal interessiert es mich doch, herauszufinden, was mich an einem Buch faszinierte. Ob ich wiederfinde, woran ich mich zu erinnern glaube. Zu sehen, wie anders ich eine Geschichte heute wahrnehme, nach 25 Jahren oder mehr.

Cosmicomics sind eine Kurzgeschichtensammlung. In jeder Geschichte wird eine wissenschaftliche Theorie (die bestätigt, oder mit neueren Erkenntnissen wieder verworfen wurde) vorgestellt. Der Erzähler der Geschichten – Qfwfq, der schon vor dem Urknall da war und offenbar ewig lebt – berichtet von seinen Erfahrungen in den verschiedenen Epochen der Erdgeschichte.

Er sitzt vor dem Urknall in einem Punkt mit dem ganzen Universum und einer italienischen Mama, die so gerne Nudeln kochen würde für alle, wäre nur der Platz vorhanden. Er springt auf den Mond, um Mondmilch zu schöpfen. Er schämt sich für seinen alten mürrischen Onkel, der im Wasser bleibt, obwohl  es modern ist, an Land zu gehen. Er lebt in einer farbenlosen Welt, weil es noch keine Atmosphäre gibt. Er macht ein Zeichen ins Universum.

Dabei überlegt er sich, wie das wohl gewesen ist. Wie man das erzählen kann. Wie man die Motivationen von Naturereignissen beschreiben kann. Ob diese als gut oder schlecht empfunden werden können. Und ich versuche das alles in seiner Absurdität nachzuvollziehen und überlege mir, wieviel Philosophie und fantastische Vorstellungskraft tatsächlich in wissenschaftlicher Forschung steckt und stecken muss. Wie schwierig es ist, sich Dinge vorzustellen, die wissenschaftlich abstrahiert wurden. Wie leicht man dabei auf einen falschen Weg kommt. Wie schwierig es ist, zu wissen, ob es tatsächlich der falsche Weg ist. Wie genau Begriffe definiert werden müssen, beginnt man erst einmal mit der Abstraktion.

Ich meine, beim zweiten Mal mehr über Wissenschaft und Philosophie zu verstehen, und bin sehr froh, das Buch noch einmal gelesen zu haben. 

In dieser Schmuckkolumne stelle ich eine Spiralenkombination vor. Meine große Silberspirale habe ich durch den verschraubbaren goldfarbenen Tunnel gesteckt. Das Ende habe ich in den Tunnel geklemmt, damit die Spirale nicht verrutscht. Im zweiten Ohrloch trage ich meine Goldspirale, für die ich das Ohrloch leicht gedehnt habe.

In einer Geschichte klebt Qfwfq als fühl- und hirnloser Mollusk auf einem Stein, erahnt dass da noch andere Molluske kleben, kann aber nicht erklären, warum er das ahnt, er fühlt ja nichts und kann nicht denken. Da beginnt er plötzlich eine kalkhaltige Substanz auszusondern und eine Schale zu bilden, um sich von den anderen abzuheben. Diese Schale wird zur perfekten Spirale, nicht weil Qfwfq so ein Künstler ist, sondern weil sie sich durch die Art der Aussonderung ergibt.

Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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3 Antworten zu Cosmicomics

  1. joansanders schreibt:

    Always soo elegant! The septum clicker would be a nice addition? Br. Joan S.

  2. Gilbert Pothmann schreibt:

    Das Ende der Spirale könnte man in einem weiteren Ohrloch über dem Tunnel enden lassen
    (von vorne nach hinten laufend) !
    Ansonsten wider eine schöne Zusammenstellung von Spiralen ++.
    Wo kann man diese Spiralen erwerben?

  3. Pingback: Ein Tattoo | Karin Koller

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