Pensées: Ein Ausflug zur Tiberiusgrotte

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  1. Unsere Urlaubswoche ohne Kinder verbringen wir diesmal in Gaeta. Das liegt ziemlich genau in der Mitte zwischen Rom und Neapel.
  2. Die Autofahrt dorthin ist sehr weit, vorbei an den Marmorblöcken in Carrara, in den Stau vor verschiedensten toskanischen Ferienorten, den Cinecittà-Bauwerken entlang, durch die Pontinischen Sümpfe und dann ans Meer.
  3. Unser Hotel steht auf einem Felsen. 200 Stufen führen zum Meer hinunter. Am Abend des Reisetages baden wir noch, dann schauen wir uns den Sonnenuntergang auf der Hotelterrasse an.
  4. Sperlonga ist der Nachbarort von Gaeta. Hier hatte Kaiser Tiberius eine Villa mit einer Grotte für Festgelage im Garten.
  5. Die liegt etwas außerhalb des Ortes, fast finden wir die Einfahrt zum Museum nicht, als wir die Grotte am nächsten Tag besuchen wollen. Das Parken für das Museum kostet um einen Euro weniger als das Parken für den Strand.
  6. Der Parkplatz befindet sich in einem Wald, in dem es aromatisch duftet. Ich kenne den Geruch von irgendwoher, mir fällt aber nicht ein, woher er kommt. Auch die Bäume kenne ich nicht.
  7. Im Museum sind Gegenstände ausgestellt, die in der Villa und der Grotte gefunden wurden. Zum Teil sind es Rekonstruktionen, zum Teil Originale.
  8. Die großen Skulpturen aus der Grotte stellen Odysseus und seine Gefährten, wie sie Polyphem das Auge ausstechen, Scylla, Palladio, und Ganymed, der von einem Adler geraubt wird, dar.
  9. Man erfährt auch etwas über römische Villen und Frisuren und eben das Alltagsleben. Auf einer Tafel wird beschrieben, wie die Grotte gefunden wurde.
  10. Ein Bild zeigt den ersten Fund. Hier liegen nackte, zerbrochene Steinmänner durcheinander wie Figuren eines Splattermovies.
  11. Von der Polyphemgruppe war einiges zerstört und wurde rekonstruiert. Mir fällt auf, dass Polyphem einen ziemlich großen Penis hat, während die Helden eher kleine Penisse haben. Mich wundert, ob das ursprünglich so konzipiert war, oder ob KunsthistorikerInnen oder RestauratorInnen das bei der Rekonstruktion so gemacht haben. Wer bestimmt die Penisgröße eines Riesen, sollte dessen Penis verlorengegangen sein?
  12. Vom Museum aus kommen wir in den Garten. Touristen haben ihre Namen in Kakteen geritzt. Ein Schild warnt davor, dass es im Garten kein Wasser gibt. Es hängt neben einem Getränkeautomaten. Panikkäufe finden nicht statt, weil wir fast die einzigen Besucher sind.
  13. Über einige Stiegen gelangen wir zur Villa. Direkt hinter der Villa ist das Meer. Zwischen Museumskomplex und Meer ist ein öffentlicher Strand. Der Kontrast zwischen den alten Steinen und den bunten Sonnenschirmen wirkt lustig. Als würde hier doch noch jemand leben.
  14. Die Villa hat einen großen Innenhof und sehr viele relativ kleine Zimmer. Leider gibt es keinen Plan, wofür sie genutzt wurden.
  15. In manchen Zimmern ist sogar der Fußboden – fischgrätartig arrangierte Steine – erhalten. Auch den Backofen kann man noch erahnen.
  16. Die Grotte ist weitläufig abgesperrt. In ihr befanden sich die im Museum ausgestellten Skulpturen und noch weitere, die heute in Neapel und Kopenhagen ausgestellt sind. Wie solche Kunstwerke bis nach Dänemark kamen, weiß ich nicht.
  17. Um die Grotte sind künstliche Becken, in denen vor 2000 Jahren Fische gezüchtet wurden, die in einer Mischung aus Süß- und Salzwasser lebten.
  18. Im Hotel habe ich begonnen, Suetons Das Leben der Caesaren zu lesen. Ich hatte befürchtet, die Lektüre könnte zu trocken sein für die Ferien. Aber bei Tiberius ist sie eigentlich zu grauslich –  von den Morden bis zu den Ausschweifungen. Sueton schreibt, Tiberius hätte Säuglinge an seinem Penis saugen lassen. Und junge Buben durch seine Beine schwimmen lassen, wenn er im Wasser stand. Seine „Fischchen“ nannte er die Buben. Ich wundere mich, ob sie auch hier für ihn schwimmen mussten, oder ob das alles nur Suetons Propaganda war.
  19. Zurück am Parkplatz fällt mir ein, woher der Geruch kommt. Der Wald besteht aus Eukalyptusbäumen. Mussolini ließ tausende Eukalyptusbäume in der Gegend pflanzen, als er die Pontinischen Sümpfe trockenlegen ließ, weil diese Bäume besonders viel Wasser brauchen. Viele von ihnen mussten wieder gefällt werden, weil sie den Grundwasserspiegel senkten.
  20. Hier riechen sie gut (aber spannen einen Bogen von einem grauslichen Diktator zu einem anderen).

Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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