Pensées: Ein Ausflug nach Montecassino

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  1. Am zweiten Urlaubstag fahren wir nach Montecassino. Hier steht die Abtei des Benedikt von Nursia, also das Stammkloster des Benediktinerordens. Ein pompöses Bauwerk auf einem Hügel. Ursprünglich soll dort ein Apollotempel gestanden haben, den der gute Heilige abriss. Die Taliban waren also nicht die ersten, die jahrhundertealte Bauwerke mutwillig zerstörten.
  2. Vor dem Eingang der Anlage weisen Schilder daraufhin, dass es sich hier um eine heilige Zone (zona sacra) handelt und dass Fahrräder, kurze Hosen, Ruderleiberl und Hunde hier verboten sind.
  3. Der Ausblick ist sehr schön.
  4. Im Vorhof des Hauptgebäudes stehen Statuen von Päpsten und Königen (u.a. Benedikt XIII., Roberto Guiscardo, Lotario Tertio, Gisolfo Benev. Duci, Carolo Magno), Könige aus längst vergangenen Zeiten. Eine Statue zeigt Tertullio Patricio. Dien finde ich nicht einmal in der Google-Suche.
  5. Von der Mutter Benedikts gibt es auch eine Statue mit der Inschrift: „Benedictus fructus ventris mei.“ Mein Mann meint, die Statue stelle Maria dar. Ich halte die Inschrift für ein Wortspiel, weil sie gleichzeitig „gebenedeit sei die Frucht meines Leibes“ und „Benedikt ist die Frucht meines Leibes“ bedeutet.“
  6. Bei einer ohnehin schon äußerst geringen Frauenquote ist es nur bezeichnend, dass die Frau über den Sohn definiert wird.
  7. Die Kirche ist ein Barockungetüm (wieder einmal) mit einer Kapelle, die alt wirkt. In dieser gibt es Mosaike mit viel Gold, auf denen Pfaue abgebildet sind und König David und Moses mit den Gesetzestafeln und ein Jesus in einem Lebensbaum, unter dem einige Hirsche grasen. Die Ikonographie ist viel friedlicher als im Barockteil, in dem auf einem Bild gerade ein Mann entzweigehackt werden soll.
  8. Im Museum zeigt ein Film, wie das Kloster im zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Hauptaugenmerk  wird darauf gelegt, wie die Mönche die Kunstwerke in Sicherheit gebracht haben. Die Nazi-Kommandanten kommen dort eigentlich recht gut weg, was ich eher unangebracht finde.
  9. Die erretteten Kunstwerke sind ausgestellt: Eine Geburtsszene von Botticelli, ein Brotgewicht aus dem 7. Jahrhundert, Bischofsstäbe und Priestergewänder aus verschiedensten Jahrhunderten, alte Landkarten, alte Bücher – eines mit Illustrationen von geflügelten Panthern und einem Elefanten aus dem 11. Jahrhundert, eine Ausgebe der Historien von Herodot aus dem 15. Jahrhundert (wie gerne würde ich darin blättern und die Illustrationen ansehen).
  10. Ein Schaukasten ist voll mit Gekreuzigten aus Elfenbein oder hellem Holz, die so auf Glasplatten aufgezogen sind, dass sie sich gegenseitig darin reflektieren. Das sieht aus wie ein Jesus-Ballett aus einem Horrorfilm.
  11. Alte Ausgrabungsstücke sind auch ausgestellt, wirken aber eher unmotiviert.
  12. Ein Raum zeigt Bilder des zerstörten Klosters. Ein Trümmerfeld.
  13. Bei den Schlachten in Montecassino starben über 70.000 Soldaten.
  14. Als wir das Museum verlassen, laufen weiße Tauben über den Hof, diese hübschen mit den hochgestellten Schwänzen, die bei Veranstaltungen als Friedenssymbol fliegen gelassen werden.
  15. In der Nähe des Klosters befindet sich der Polnische Militärfriedhof. 1051 polnische Soldaten sind hier begraben. In einem Häuschen kann man über die Schlacht von Montecassino und die polnischen Truppen nachlesen.
  16. Im Boden des Vorplatzes ist ein Kreuz aus Stein eingelassen. Auf dem steinernen Lorbeerkranz, der das Kreuz umkränzt, wurden rot-weiße Blumen und Kränze aus Kunststoff abgelegt.
  17. Dahinter sind Reihen über Reihen von Gräbern angeordnet. Jedes mit einem Kreuz. Jedes mit Namen, Geburtsdatum, Geburtsort und Sterbedatum. Der Sterbeort muss nicht eigens angegeben werden.
  18. Um die meisten Kreuze hängt ein Rosenkranz.
  19. Es herrscht eine beklemmende Friedlichkeit.
  20. Es gäbe auch einen Wanderweg mit verschiedenen Denkmälern, aber es ist zu heiß und wir fahren zurück ans Meer.

Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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