Fischteich

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Wasser hat mich immer schon fasziniert. Die Tümpel mit den Molchen und Blutegeln, vor denen mir ein bisschen graulte. Das Rauschen eines Wasserfalls, wenn ich mit meiner Mutter durch die Klamm spazierte. Das Meer, das ich als Kind nicht sehr oft sah. Und Aquarien. Wie gerne schaute ich im Warteraum eines Arztes den Fischen zu. Wie gerne hätte ich ein Aquarium gehabt. Mit Korallen und Clownfischen. Und Shrimps.

Aber ich bekam keines. Zu Weihnachten wünschte sich Anna ein Aquarium. Ein Süßwasseraquarium. Eigentlich war ich dagegen. Was würden wir mit den Fischen machen, wenn wir im Urlaub sind? Fütterautomat, sagte Anna. Würde ihr das nicht zu viel Arbeit sein und zu schnell langweilig? Nein, sagte Anna.

Jetzt hat sie ihr Aquarium. Drei Wochen mussten wir fischlos darauf warten, dass das Wasser und die Pflanzen genügend für die Fische vorbereitet waren. Dann holten wir Fische: Diskusfische, Neonfische, Guppies (nur Buben, weil Anna sich davor ekelte, dass die Fische ihre Kinder fressen) und zwei kleine Welse als Fensterputzer.

Jeden Tag gehe ich in Annas Zimmer und schaue den Fischen zu. Wie die Guppies immer herbeischwimmen, wenn jemand kommt, wie sie alle aussehen, als würden sie Nelly heißen. Wie die Neonfische immer zusammenbleiben. Wie die Diskusfische träge vor sich hinschweben. Wie ich die Welse jedesmal wieder suchen muss. Das finde ich sehr schön.

In dieser Schmuckkolumne stelle ich Ohrgehänge aus Glas vor. Ich habe die Anhänger im Stadtmuseum von Nürnberg gekauft. In der Vorweihnachtszeit war dort ein Handwerksweihnachtsmarkt mit Schalen aus Holz, selbstgeschöpften Papier, Strickwaren, Schmuck aus Seidenraupenkokons und Glaswaren aller Art. Sehr schöne Stücke waren dabei. Aber ärgerlich erschien mir, dass ich nicht alle Ausstellungsstücke sehen konnte, weil Verkaufsbudeln und Hutständer und Regale mit zerbrechlichen Vasen davor aufgebaut waren.

Der Schmuck, bei dem Glasstäbe verbogen, zu Spiralen geformt und zusammengeschmolzen waren, gefiel mir am besten. Auch weil die Kettenanhänger in der Mitte ein Loch hatten, das gerade groß genug war, um eine Creole durchzufädeln. Das tat ich dann auch und schon hatte ich meine kleinen Wellenteiche oder noch fischlosen Aquarien an den Ohren.

Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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4 Antworten zu Fischteich

  1. misssunshine schreibt:

    sehr schön (hübsch auch das neue piercing). machste denn den ohrbogen noch voll?

  2. joansanders schreibt:

    Always soo nice and feminine!

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