Pensées: Ein Ausflug in die Engelsburg

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  1. Von den Vatikanischen Museen wollen wir zur Engelsburg. Dort war ich noch nie. Die Bekannten, bei denen ich zweimal für eine Woche in Rom war, hatten die Engelsburg offenbar nicht als ausreichend sehenswert erachtet, obwohl sie mir sehr viele Sehenswürdigkeiten zeigten.
  2. Die Engelsburg ist mit dem Vatikan über einen Gang in der Verbindungsmauer, den Pasetto, verbunden. Der ist etwa 800 m lang.
  3. Wir sehen die Burg vom Vatikan aus und gehen in die Richtung. Es ist sehr heiß und Hunger habe ich auch. Bei einem Imbissstand kaufe ich Brötchen. Die Frau vor mir lässt sich einen Erfrischungssaft aus Orange, Karotte, Sellerie und Fenchel pressen. So etwas möchte ich auch, traue mich aber nicht, es zu nehmen. Nur falls es doch nicht gut schmeckt.
  4. Wir gehen weiter zur Burg. Auch hier hat sich eine Schlange gebildet, aber nur eine kurze.
  5. Die Burg war eine Fluchtburg, in der sich die Päpste verschanzten und verteidigten. Sie war auch ein Gefängnis. Auf dem Weg zu den Wohnräumlichkeiten ist eine Steinschleuder ausgestellt. Mit Türmchen von Steinkugeln.
  6. Ursprünglich war hier das Mausoleum von Hadrian. Aus einer Tafel vor seinem Grab steht:
  7. Animula vagula blandula / Hospes comesque corporis / Quae nunc abibis in loca / Pallidula rigida nudula /Nec ut soles dabis iocos
  8. Das wird übersetzt mit: “Little soul, gentle and drifting, guest and companion of my body, now you will dwell below in pallid places, stark and bare; there you will abandon your play of yore.” Es sollen die letzten Worte Hadrians gewesen sein.
  9. Sehr gewählte Worte, denke ich, und: Hoffentlich habe ich auch so viel Geistesgegenwart und poetischen Esprit, wenn es einmal bei mir so weit ist.
  10. Die Engelsburg heißt so, weil bei einer Pestepedemie in 590 hier der Erzengel Michael erscheinen sein soll. In einem Innenhof steht der ursprüngliche Engel, der daran erinnern soll. Bis ins 18. Jahrhundert stand dieser Engel auf der höchsten Stelle der Burg. Dann wurde er von dem Bronzeengel abgelöst, der immer noch dort steht.
  11. Die Wohnräume sind reich verziert. Mit Kampfszenen. Sogar ein Elefant, der einen Soldaten mit dem Rüssel würgt, ist dabei. Und Nackerte gibt es hier viele. Männer und Frauen. Das hatten die Päpste im 16. Jahrhundert offenbar gerne.
  12. In der Sala die Amore e Psiche steht ein Himmelbett. Die Wände zieren Fresken, die diese Geschichte erzählen. Auf einem davon hat ein Paar Sex.
  13. Der Ausblick von der Terrasse ist sehr schön. Man sieht über die ganze Stadt. Allein für diesen Blick ist die Burg einen Ausflug wert.
  14. Hier schwingt auch der neue Engel sein Schwert.
  15. Am Strand lese ich Leo Africanus von Amin Maalouf. Der war auch in der Engelsburg eingesperrt, also Leo nicht Maalouf. Beim Sacco di Roma war er bereits als angesehener Mann in Rom.
  16. Im Sacco di Roma 1527 wurde die Stadt von kaiserlichen Soldaten geplündert. Benvenuto Cellini (den man heute in Österreich hauptsächlich wegen des Salzfasses kennt, das im Kunsthistorischen Museum gestohlen wurde) schreibt in seiner Autobiographie darüber, wie er die Stadt und den Papst verteidigte damals. Mit einer Arkebuse, mit der er auf fast unmögliche Distanzen mit seiner eigenen Pulvermischung genau traf. Er wirkt bei den Beschreibungen seiner Fertigkeiten sehr eitel. Später wurde Cellini in der Engelsburg eingekerkert und brach aus, indem er zerrissene Bettlaken aneinanderknotete. Klassisches Prison Break Klischee.
  17. Cellinis Biographie ist sehr interessant. Interessant sind die vielen Abenteuer, die er erlebt, und erschreckend der Umgang mit Frauen. Vergewaltigung ist etwas Normales für ihn, etwas, das er sich nehmen kann, über das er gar nicht nachdenken muss, über das er eher prahlt.
  18. Im Außengang der Engelsburg ist ein kleines Café. Wir nehmen ein Kaltgetränk zu uns. Es ist heiß, der Schweiß rinnt, das Deo hat schon lange versagt. Aber das muss man als Touristin in Rom wohl in Kauf nehmen.

Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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