Pensées: ein Ausflug zur Piazza di Spagna

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  1. Von der Engelsburg wollen wir zur Piazza di Spagna. Dort haben unsere Freunde gewohnt. Gleich oben an der Treppe nach ein oder zwei Straßen, kurz vor der Villa Borghese. Eine Wohnung mit Dachterrasse, mit einem knarrigen 100 Jahre alten Lift, mit einer Concierge, die ständig strickte. Sehr romantisch. Und so nobel, wie ich es als Tochter einer Haushälterin bei vornehmen Leuten bisher auch noch nicht gesehen habe.
  2. Die Piazza di Spagna ist nicht besonders weit entfernt von der Engelsburg, das weiß ich. Aus einem dummen Versehen habe ich aber nur einen Stadtplan von dieser Seite des Tibers. So müssen wir durch die Hitze zur nächsten U-Bahnstation auf dieser Seite gehen. Später merke ich, der Weg zur Piazza di Spagna wäre auch nicht weiter gewesen.
  3. Die U-Bahn ist nicht so voll wie am Morgen. Die Waggons sind mit Graffitis bemalt. Das sieht sehr cool aus.
  4. Die spanische Treppe liegt in der prallen Sonne. In den Schattenflecken davor drängen sich Touristen. Mir ist es zu heiß, ganz hinaufzusteigen und die Straße zu suchen, in der unsere Freunde damals gewohnt haben. Wahrscheinlich hätte ich sie ohnehin nicht gefunden.
  5. Babington’s Tearoom befindet sich am Fuße der Treppe.
  6. Der Eingang ist eher unscheinbar. Ein billig aussehendes Schild wirbt für das Lokal. Wir gehen hinein.
  7. Drinnen scheint es mir wie eine Oase der Ruhe. Und der Kühle. Obwohl der Raum nicht sehr stark heruntergekühlt ist.
  8. Zwei Tische sind frei, wir setzen uns an einen.
  9. Die Karte weist hunderte verschiedene Teesorten auf. Die meisten davon eisgekühlt.
  10. Sogar Schwarztee mit Milch gibt es eisgekühlt.
  11. Die Tees sind teuer wie Gold. Ich nehme zu meinem Grüntee mit Pfefferminze ein Cheesecake mit Lemon Custard.
  12. Es ist mir egal, wie teuer es ist, die Atmosphäre ist so schön und wir sind im Urlaub und zu Mittag haben wir nur ein Brötchen gegessen.
  13. Ein Mann betritt das Lokal. Als er die Speisekarte sieht, geht er wieder.
  14. Auf der Speisekarte steht, dass es den Tearoom schon seit über 100 Jahren gibt, dass er von zwei Frauen gegründet wurde, dass Liz Taylor und Richard Burton sich hier heimlich trafen. Ich fühle mich mondän.
  15. Erfrischt gehen wir wieder nach draußen. Auf dem Platz steht eine Marienstatue auf einer Säule. Zu deren Füßen, in etwa 15 m Höhe, liegen in Zellophan verpackte Dinge. Ich weiß nicht, was die sind und wie sie dorthin gekommen sind.
  16. Wir schlendern durch die via Condotti. Gucci, Prada. Geschäfte, bei denen man anläuten muss, um überhaupt hineinzukommen.
  17. In einer Seitenstraße hängt ein erschwingbares Kleid in der Auslage, das mir gefällt. Ich probiere es, obwohl mein Erhitzungszustand das eigentlich nicht zulässt. Es passt nicht. Ich gebe auf.
  18. Der Trevibrunnen muss hier irgendwo in der Nähe sein. Weil ich auch für hier keinen Stadtplan dabei habe, steigen wir wieder in die U-Bahn hinab. Der Bahnsteig ist deutlich voller. Es ist kurz nach Fünf.
  19. Weil ich die Abendrushhour befürchte, fahren wir lieber gleich zum Bahnhof. Dort wollen wir noch Santa Maria Maggiore ansehen.
  20. Ich habe diesmal einen Stadtplan für die Gegend, kann ihn aber nicht lesen und deshalb gehe ich erst einmal in die falsche Richtung.
  21. Wir kommen an den Thermen des Diocletian vorbei. Die wären auch interessant, aber wir sind zu erschöpft.
  22. Auf dem Platz vor den Thermen wurde mit Kronenkorken ein Herz in den weichen Asphalt gedrückt.
  23. Ein Vogel hat draufgekackt.
  24. Die Kirche finden wir dann doch.
  25. Sie sei aus dem fünften Jahrhundert. Sie sieht aber sehr barockisiert aus. Schon von außen.
  26. Auf den Stiegen hängen Schilder, dass man dort nicht sitzen darf. Vor dem Eingang liegen Tücher in einem Korb, die sich Nackerte wie ich umlegen können. Ich finde die Bedeckungsvorschriften immer noch affig.
  27. Innen gibt es schöne alte Mosaike. Aber der Gesamteindruck ist pompöser Barock. Und ein überlebensgroßer Pius IX. kniet in Marmor gemeißelt dazwischen.
  28. Weil wenig Zeit ist, bevor unser Zug abfährt, und wir im Bahnhof keine ansprechenden Imbissbuden finden, gehen wir über die Straße zum McDonalds und essen einen Burger zum Abendessen.
  29. Etwas, das man in Rom nicht tun sollte. Aber wir waren immerhin in Babington’s.

Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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