Pensées: Ein Ausflug nach Neapel

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  1. Am nächsten Tag machen wir Pause, liegen am Strand, lesen, schleppen uns die 200 Stufen hinauf, um ein Mittagsschläfchen zu halten.
  2. Am übernächsten Tag stehen wir wieder früh auf, fahren zum Bahnhof und von dort aus nach Neapel.
  3. Ganz sicher waren wir nicht, ob wir noch einmal einen so anstrengenden Ausflug machen wollten. Aber wann kommt man schon nach Neapel?
  4. Neapel sei so schmutzig hat mir jemand gesagt, der vor 40 Jahren dort war.
  5. Ein bisschen ein mulmiges Gefühl habe ich schon vor Neapel. Ich könnte gar nicht genau sagen, warum.
  6. Vielleicht weil ich vor dem Sommer die Serie Gomorrah angesehen habe.
  7. Vom Bahnhof aus wollen wir zuerst mit der U-Bahn ins Zentrum fahren. Aber es strömen wieder hunderte Menschen zu den U-Bahnstationen und ich finde nicht genau heraus, wo man eine Karte kaufen kann.
  8. Vielleicht ist mir Neapel unheimlich, weil ich ein Landei geworden bin.
  9. Weil ich ohnehin den Dom sehen möchte, und der nicht weit vom Bahnhof entfernt ist, gehen wir eben zu Fuß.
  10. Vor dem Bahnhofsgebäude liegt ein sehr großer Platz, die Piazza Garibaldi. Der größte Teil der Fläche ist eine Baustelle.
  11. Diesmal habe ich einen Stadtplan für die ganze Innenstadt. Wir wollen zuerst den Dom ansehen und dann zum Museo Capodimonte. Laut einer nicht näher spezifizierten Internetquelle, die ich in meinen Vorbereitungen bemüht habe, soll ein Bus dorthin von der Piazza Trieste e Trento fahren.
  12. Von der Piazza Garibaldi gelangen allmählich zur Via dei Tribunali. Das ist eine jener engen Straßen, für die Neapel berühmt ist.
  13. Angenehm kühl ist es hier. Die Geschäfte machen gerade auf. Brotgeschäfte, Fleischer, die dicke Würste nach draußen hängen, Fischhändler, die Eis über Fische und Krabbentiere leeren.
  14. In anderen Städten sieht man im Zentrum kaum noch Lebensmittelgeschäfte für Menschen, die dort wohnen. Sondern eher nur die Mozartkugel-Gedenktassengeschäfte.
  15. Ich finde es sehr nett, hier durchzugehen.
  16. Der Dom ist wieder eine seltsame Mischung aus alter Kunst und alles überdeckendem Barock.
  17. Auf Tafeln sind verschiedene Dinge über die Kirche aufgeschrieben. Über das Blutwunder zum Beispiel. Das Blut des Hl. Gennaro wird hier in einer Ampulle aufbewahrt. Jedes Jahr wird die Ampulle herausgeholt und das Blut verflüssigt sich dann. Wissenschaftliche Analysen eines Professors haben – gemäß Tafel – ergeben: das Phänomen „escapes fundamental laws of physics.“
  18. Seit 1389 wird das Verflüssigungsevent dokumentiert.
  19. In einem Seitenraum des Domes werden ausschließlich Reliquien aufbewahrt. In großen Kommoden mit Sichtfenstern. So wie alte Täntchen ihre Kristallgläser oder Nippesfiguren zur Schau stellen. Es fehlen nur die Häkeldeckchen.
  20. Die Knochenteile sind gut sichtbar. Teils schön eingefasst, teils auf einen Haufen geworfen, manche mit Zertifikat, manche ohne.
  21. Wir gehen weiter. In den Straßen sieht man viele Graffitis. Sehr oft sind das sehr schön gemachte, witzige Malereien, die die Häuser schmücken. Nur selten sind es lieblose Schmierereien.
  22. In einer Bar an der Straße trinken wir Kaffee. Das Knattern der Mopeds, der Lärm der Stadt, die Geräusche von sich unterhaltenden Menschen und spielenden Kindern finde ich schön.
  23. Ich beginne mich in Neapel wohlzufühlen.
  24. An der Piazza Trieste e Trento finde ich keine Busstation. Ich frage einen Polizisten, wie man von hier aus zum Museo Capodimonte kommt. Der Polizist denkt nach, schüttelt den Kopf, als könne man von hier aus Capodimonte überhaupt nicht erreichen und als hätte so etwas noch nie jemand gewagt (man kann den Hügel von hier aus zwar sehen) und schickt uns zu einer Busstation drei Straßen weiter.
  25. Ich finde die Busstation. Die scheint aber aufgelassen zu sein.
  26. Mit dem öffentlichen Verkehr in Neapel haben wir bisher kein Glück.
  27. Wir stehen aber vor dem Castel Nouvo. Dann gehen wir eben dort hinein.

Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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