Pensées: Ein Ausflug ins Museo Capodimonte

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  1. Nachdem wir den Palazzo Reale besichtigt haben, bleiben noch einige Minuten bis zur Abfahrt des Touristenbusses. Es ist Mittag und wir kaufen ein Stück Pizza bei einem Imbiss/Feinkostladen.
  2. Man kann nicht in Neapel gewesen sein, ohne ein Stück Pizza gegessen zu haben.
  3. Wir essen es auf der Piazza del Plebiscito, einem sonnigen, offenen Platz mit Kirche, die aber über Mittag geschlossen hat. Der Platz ist fast leer, weil er in der prallen Sonne liegt. Es ist aber viel weniger heiß als in Rom, weil eine leichte Brise vom Meer her weht.
  4. Die Pizza schmeckt wie Pizza eben schmeckt. Aber das ist bei Lokalspezialitäten, die es auch sonst überall gibt, meistens so. Wie der Gugelhupf im Demel.
  5. Im Bus setzten wir uns auf das offene Oberdeck.
  6. Andere TouristInnen tragen Hut. Ich hätte auch einen mitnehmen sollen. Aber wer kann schon wissen, dass ich auf einem Touristenbus sitzen werde.
  7. Wir bekommen rote Kopfhörer. Zuerst fahren wir ein Stück der Strecke, aus der wir gekommen sind. Zu manchen Bauwerken wird etwas erklärt in unseren Kopfhörern, dazwischen wird neapolitanische Musik gespielt.
  8. Neben uns steht ein Wagen, der Wassermelonen auf dem Dach geladen hat. Das erinnert mich an die Bücher von Richard Scarry. Dort kommt auch immer ein Melonenwagen vor.
  9. Der Bus fährt über eine Brücke, die über ein Stadtviertel führt. Die Kirchen dort haben bunt gekachelte Kuppeln. Es muss ein armes Viertel sein, denn die Tonbandaufnahme erzählt etwas Rührseliges über Menschen, die nicht verzweifeln und sich immer wieder hochrappeln, wie das der Mentalität Neapels entspricht. Das erscheint mir etwas zu dick aufgetragene Sozialnostalgie.
  10. Aber der Bus bringt uns zum Museo Capodimponte, ein pinkfarbenes (oder die Farbe von dunkel angeröstetem Leberkäse) Schloss in einem großen Park.
  11. Als wir die Eintrittskarten zahlen, sagt die Frau an der Kasse, für den zweiten Stock würde man sich in zwei Stunden beim Lift treffen.
  12. Zuerst schauen wir uns aber den ersten Stock an.
  13. Bilder von Farnese- und Medicipäpsten hängen dort. Allegorien, in denen Wahrheit, Gerechtigkeit und Laster als weibliche Figuren dargestellt sind. Natürlich sind allen die Blusen verrutscht und mindestens eine Brust ist entblöst.
  14. In vielen Museen möchte ich zählen, ob mehr Frauen (die nicht in Herrschaftsportraits dargestellt sind) mit entblößter oder mit bedeckter Brust gezeigt werden.
  15. Aber dann schaue ich doch lieber auf die Bilder.
  16. Mir fällt zum ersten Mal auf, dass Polyptychon auf Italienisch polittico heißt. Das finde ich spaßig, weil es ja gerade bei sakralen Werken durchaus eine politische Entscheidung ist, was man darauf darstellt (obwohl die beiden Wörter nichts miteinander zu tun haben).
  17. In einem Raum ist der Raphael ausgestellt, den wir zu Ostern in Turin sahen. Neben mehreren Bildern, von denen eines auch eine ähnliche Szene darstellt, wirkt er nicht so außergewöhnlich wie alleine in einem Raum.
  18. Ein Bild von Jan Soms (1587) stellt Cebetis Thebani Tabula dar, der Weg des Menschen zur Weisheit, an Tugenden und Lastern vorbei, durch konzentrische Ringe, von nackten Engeln bis zu weisen Frauen mit verrutschten Blusen.
  19. Zwei Brueghels hängen hier – Der Blindensturz (der auf Englisch The blind leading the blind heißt) und Der Misanthrop.
  20. Ein kleiner Raum ist Joachim Beuckelaer gewidmet. Bilder von einem Fleischerladen, einem Obststand, einem Fischmarkt, Verkäufern von exotischen Tieren und einer allgemeinen Marktszene (ca 1570). In Bild mit dem Fleisch werden neben einer Schweinshälfte, Schinken und Würsten auch ein Kalbskopf, ein Rinderschädel und Füße von drei verschiedenen Tieren ausgestellt. Die exotischen Tiere sind hauptsächlich Affen und Papageien. Diese Alltagsszenen gefallen mir fast immer am besten, als könnte ich einen Eindruck von damaligen Leben gewinnen.
  21. Ein Bild vom Paradies von Marcantonio Bassetti (1621) zeigt dieses als überfüllten Barockort. Weshalb dort jemand hinwollen sollte, ist mir schleierhaft.
  22. Die Landschaftsbilder finde ich auch sehr schön.
  23. Es ist ein tolles Museum. Aber in einer Stunde haben wir den unteren Stock gesehen und bis zur Besichtigung des zweiten Stockwerks, in dem sich noch mehr sehr interessante Meisterwerke befinden, beginnt erst in einer Stunde. So lange wollen wir nicht warten.
  24. Wir gehen wieder zur Touristenbusstation und zufällig steht der Bus schon bereit.

 

Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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