Pensées: Ein Ausflug in archäologische Museum in Neapel

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  1. Ins das archäologische Museum wollten wir eigentlich nicht. Altes Steinzeugs, und so. Aber in allen Reiseführern steht, dies sei das bedeutendste Museum Neapels. Und der Bus hält direkt davor. Wir steigen aus und stärken uns mit einem Eis.
  2. Auch vor diesem Museum gibt es keine Warteschlangen.
  3. Im unteren Stock stehen römische Statuen. Eine Athene mit Eulen im Haar und Brezeln um den Hals. Ein Claudius, splitternackt. Wer würde sich heute eine Statue eines nackten Politikers in den Garten stellen? Eine Büste von Tiberius, an der ein zungezeigender Teufelskopf von einem Gurt an der Schulter hängt. Auf den Brustplatten sind kleine Totenköpfe abgebildet, und darunter nackte gefesselte Männer (oder Frauen, genau erkenne ich das nicht, obwohl sie nackt sind). Wahrscheinlich habe die alle ihre Bedeutung. Ich weiß nicht einmal, ob sie Wertschätzung oder Verachtung ausdrücken.
  4. Eine Skulptur (Farnese Stier) zeigt, wie Dirce zur Strafe an einen Stier gebunden werden soll. Viele Kleinigkeiten deuten auf den Dionysoskult hin. Alles scheint auf diesen Statuen bedeutungsschwer zu sein.
  5. Im oberen Stock sind Mosaike ausgestellt. Von Panthern und kämpfenden Hähnen, von Seenymphen und Gauklern, von der platonische Akademie und von Alltagsszenen.
  6. Eines dieser Mosaike hat einen Totenschädel als zentrales Element: Der Tod (Schädel) sitzt auf der Seele (Schmetterling) und beide auf dem Glück (Rad). Sie balancieren Reichtum (rechts mit Zepter und Purpurrobe) und Armut (links mit Bettelrucksack und Wanderstock).
  7. Ein ziemlich beschädigtes Mosaik stellt die Schlacht bei Issos zwischen Alexander und Dareios dar. Es soll eine Nachbildung eines Bildes sein, dass knapp nach der Schlacht gemalt wurde. Möglicherweise von der ägyptischen Malerin Helena (oder von Philoxenos). Das Bild sei damals so beliebt gewesen, dass es gerne kopiert wurde, wie hier in Mosaikform. Das zeigt, wie vernetzt die Welt schon vor weit über 2000 Jahren war.
  8. Zu Hause versuche ich etwas über die Künstlerin herauszufinden. In Wikipedia steht, Plinius der Ältere erwähnt sie als Urheberin des Werks, das sei aber unwahrscheinlich, weil sonst kein Mosaik nach einer Künstlerin gefunden wurde. Eine sehr schlüssige Argumentation. Für die Marginalisierung von Frauen in der Kunst.
  9. Ein Mosaik zeigt eine Schlange, ein Krokodil und ein Nilpferd mit Zähnen, die zwischen Enten schwimmen. Eines zeigt verschiedene Fischarten.
  10. In einer Kammer sind Erotika ausgestellt. Es gab Zeiten, da war es verboten, sie zu besichtigen. Oder es war, wie im Beibuch steht: „Private Room of Obscene Objects“ open only to „persons of a mature age und well-known morality“. Als Garibaldi nach Neapel kam, wurde die Kammer geöffnet, unter den Savoyern und später unter den Faschisten wieder geschlossen. Die Ausstellungsstücke können erst seit 1967 wieder besichtigt werden.
  11. Phalli von einem Meter Höhe sind zu sehen. Figürchen, die Lämpchen auf ihrem Penis haben. Ein Mann, dessen Penis ein Panther ist, mit dem er kämpfen muss. Viel mehr phallische Symbole als weibliche.
  12. Eine Statuette stellt einen Faun dar, der sich an einer Ziege vergeht. Das galt damals angeblich als lustige Gartenzier. Als die Staue gefunden wurde, durfte sie nur der König sehen, als so obszön galt sie 1752.
  13. In einem Raum sind Koch- und Essgeschirr als Pompei ausgestellt. Backformen. Silbergeschirr und Silberlöffel, die genau in dieser Form auch 2000 Jahre später so hätten benutzt werden können. Ich wusste gar nicht, dass Silberlöffel im alten Rom verwendet wurden.
  14. Bilder hängen an den Wänden. Das Bild, von dem immer gesagt wird, es stelle Sappho dar. Das stimmt aber nicht, steht bei dem Bild, es stellt eine Frau dar, die darüber nachdenkt, was sie schreiben soll. Diese Art von Bildern sei häufig gewesen und stellten nur sehr selten berühmte Menschen dar. Das Haarnetz der Frau war zur Zeit Neros in Mode.
  15. Ein Bild stellt den Aufstand dar, der im Jahr 59 im Amphitheater in Pompei ausbrach. 10 Jahre lang war das Theater danach gesperrt. Das Bild ist nicht nur interessant, weil es eine historische Szene darstellt, sondern auch wie die Perspektive gewählt wurde. Ein Swimmingpool ist auch auf dem Bild zu finden.
  16. Das Museum ist überraschend abwechslungsreich und fast habe ich das Gefühl, einen kleinen Einblick in das römische Leben und Denken erhalten zu haben.

 

Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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