Pensées: Ein Ausflug nach Bologna

P1010741.JPG

Der Urlaub ist aus und wir fahren nach Hause.

Einen kleinen Aufschub haben wir aber noch. Wir übernachten nämlich in Bologna. Dort war ich noch nie.

Aber zuerst müssen wir dort hinkommen. Auf der Anzeige des Autos leuchtet nämlich eine orange Warnleuchte. Orange ist wahrscheinlich nicht so schlimm wie Rot, denken wir und ich versuche fieberhaft, in der Bedienungsanleitung etwas zu finden.

Ich finde etwas mit Einspritzung, habe aber keine Ahnung, ob das gefährlich ist, und Ratschläge gibt es in der Bedienungsanleitung nicht.

Deshalb rufe ich beim Autohaus an. Die Frau am Telefon sagt, wenn nicht eine rote Warnleuchte aufleuchtet und/oder auf der Anzeige steht: „Der Motor könnte zerstört werden“, sollen wir einfach vorsichtig weiterfahren.

Ich überlege gerade, ob sich der Motor direkt vom Übergang von Orange zu Rot selbst zerstört, oder ob wir Zeit zu Aussteigen haben, da merke ich, dass ich pinkeln muss.

Ich traue mich aber nichts zu sagen, nur für den Fall, dass der Wagen sich nach einem Halt nicht mehr starten lässt.

Nach drei Stunden entwerfe ich Pläne, wie ich unauffällig im Stau in ein kleines Plastikgefäß pinkeln kann.

Aber das wird nicht nötig, wir kommen gerade rechtzeitig im Hotel an.

Und gehen gleich in die Stadt. Genauer: in die Pinacoteca Nazionale di Bologna.

Es ist heiß, viel heißer als in Neapel und sogar noch heißer als in Rom. Auch hier ist das Museum nicht oder kaum klimatisiert.

Und die Renaissanceräume sind geschlossen. Und der berühmte Giotto verliehen. Das ist schon ziemlich enttäuschend.

Von den älteren Werken sind sehr viele Altäre und sakrale Bilder ausgestellt. Auf ziemlich vielen von ihnen trägt Jesus als Kind eine Korallenkette. Das ist mir bisher nie aufgefallen. Zu Hause schaue ich nach: Im 15. Jahrhundert glaubte man, Korallen würden Unheil von Kindern abhalten.

Bei einem Bild aus 1370 schwebt über dem Kreuz Christi ein Storchennest. Die Störchin hat drei Junge und reißt sich selbst mit dem Schnabel das Herz aus der Brust.

Bei einem Kreuzigungsbild (1415) schießt ein Teufel Laserstrahlen auf einen Mönch (oder sie spielen das Fadenspiel Cat’s Cradle).

Ein Bild vom letzten Gericht ist wie eine Sanduhr aufgebaut. An der engsten Stelle lässt ein Heiliger die Teufel tanzen. (Das Bild ist sehr ähnlich wie das Fresko in der Basilica San Petronio, aber etwas jünger)

In der Sala delle Sinopie sind Szenen aus dem Alten und Neuen Testament ausgestellt. Die Fresken stammen aus dem 14. Jahrhundert und erinnern an Giotto.

In den nächsten Sälen beginnt das Barock. Der berühmte Jesus mit der Dornenkrone von Guido Reni, der auf keinem Kitschbildmarkt fehlen darf.

Vom gleichen Künstler ist auch der siegreiche Samson. Er steht fast nackt da und hält sich einen Fisch über den Kopf. Das wäre nicht die Siegespose meiner Wahl, sollte ich etwas gewinnen, aber Geschmäcker sind verschieden.

Das Museum hat einige lustige, schöne und kuriose Ausstellungsstücke, die über das Versäumte hinwegtrösten.

Dann gehen wir zum Hauptplatz, vorbei an Arkaden und schönen Graffitis und an Türmen.

Im Schaufenster einer Bäckerei sind zig Brotsorten ausgestellt: Spighina, Realino, Mustafà, Farfallina, Garofanino, Montasù…

In der Cremeria Sette Chiese kaufen wir Eis. Das soll der beste Eissalon der Stadt sein. Das Eis schmeckt auch gut.

Dann gehen wir in die Basilica San Petronio. Für die muss man Eintritt bezahlen. Dafür, dass man Fotos machen darf, noch extra 2 €. Das mache ich gerne, denn ich möchte die Capella Bolognini fotografieren. Dort gibt es ein Fresko aus dem 15. Jahrhundert, das das Jüngste Gericht darstellt.

Doch als ich durch die Kirche gehe, sehe ich, man hätte für die Kapelle extra Eintritt zahlen müssen. Der Eingang ist mit Seilen abgesperrt, schon von weitem, so dass ich mir den Kopf verrenken muss, um überhaupt hinsehen zu können. Im Eingangsbereich stehen Schilder, die das Fotografieren verbieten.

Ich habe aber bezahlt und deshalb fotografiere ich alles, was ich auch sehen kann. Gefälligst.

Die Fotos werden nicht sehr gut, ich hoffe aber zumindest auf den Fotos mit Vergrößerung sehen zu können.

In der Hölle ist ein großer haariger Teufel zu sehen, der einen Menschen frisst und aus seinem Uterus, der ein Gesicht hat, einen Menschen gebiert. Die SünderInnen sind nackt, von Schlangen umgarnt, von Wildschweinen belästigt, von Teufeln gequält. Der Himmel ist ein eher langweiliger Ort, an dem Menschen einfach nur herumsitzen.

Auch in dieser Kirche, wie in Neapel, gibt es eine eigene Kapelle, in der Reliquien ausgestellt sind.

Als wir aus der Kirche herauskommen, schließt das Archäologiemuseum gerade.

Im Innenhof einer der Palazzi sind viele Steinplatten ausgestellt. Sie sind alte Dokumente. Über die Krönung von Karl V. in Bologna. Über gefallene Soldaten. Das Bolletino della Vittoria von Armando Diaz zum Ende des Ersten Weltkriegs.

Ich bin mir nicht ganz schlüssig, ob das für alle sichtbare Geschichte ist, oder nicht unbedenkliche Propaganda.

Auf dem Platz, vor dem Neptunbrunnen (bei dem die Meerjungfrauen auf Delfinen sitzen und sich Wasser aus den nackten Brüsten quetschen), ist ein Schaukasten.

Dort sind die Namen und Bilder jener Frauen und Männer ausgestellt, die im Widerstand zwischen 8. September 1943 und 25. April 1945 starben.

Die Stadt spiegelt sich darin.

Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
Dieser Beitrag wurde unter Pensées abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s