Glastiere

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Als Kind hatte ich einen Setzkasten, einen richtigen, aus einer alten Druckerei. Und für den Setzkasten bekam ich immer wieder, wenn jemand aus meinem Umfeld an einem solchen Geschäft vorbeikam und an mich dachte, Glastiere. Meistens Familien. Schwäne hatte ich und Frösche, Schweine und Enten. Delfine und Mäuse. Und rote Elefanten. Die Rüssel der Elefantenkinder waren dünn wie Zwirn, aber eben aus Glas.

In der Schule dann – die Glastiere standen immer noch in meinem Setzkasten, ich füllte aber Fächer nun lieber mit Parfümproben, die ich mir in Parfümerien erbettelte – lasen wir die Glasmenagerie, und ich war herzerschüttert, dass der Besitz solcher Tierchen eindeutig auf eine ernsthafte psychische Erkrankung hinzudeuten schien. Fast schämte ich mich meiner Menagerie.

Später vergaß ich sie dann. Der Setzkasten ging verloren. Meine Mutter stellte die Tierchen in ihre Glasvitrine, die ich nur öffnete, wenn ich einen Schnaps zum Kochen brauchte, was sehr selten war.

Meine Kinder fanden die Tiere aber wieder und als sie klein waren, holte meine Mutter die Glastiere manchmal für sie heraus. Natürlich unter der Bedingung, dass sie beim Spielen sehr gut aufpassten. Das taten sie auch. Sogar die Rüsselchen der Elefantenkinder überstanden die Jahre.

In dieser Schmuckkolumne stelle ich einen Glasperlenschmuck vor. Anna und Katharina mögen immer noch Glastiere. Wenn wir in Italien sind, und sie ein Geschäft mit Glaswaren sehen, gehen sie immer hinein, stöbern, erwägen, welche Tiere sie sich wohl von ihrem Taschengeld leisten können, und kommen immer mit einem Tierchen, behutsam verpackt, heraus.

Neulich waren wir in Limone, Katharina kaufte eine Glaseule und Anna einen Glashund. In einem Korb lagen Glasperlen in allen Farben. Zum auf Armbänder und Ketten Hängen. Ich dachte, vielleicht kann ich mir Ohrringe daraus machen, und kaufte zwei blaue und zwei orange Perlen mit Blümchen drauf. Zu Hause fand ich eine etwas dickere Klappcreole, die Perlen passten genau darauf. Und schon hatte ich neue Ohrringe.

Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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2 Antworten zu Glastiere

  1. Xeniana schreibt:

    Meine Kinder sammeln die Glastiere auch. Muss ich mir jetzt Sorgen machen?

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