Pensées: Ein Ausflug nach Padua 1

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  1. Am zweiten Tag unseres Urlaubs in Caorle ist schlechtes Wetter angesagt. Deshalb fahren wir nach Padua, wo es sonnig sein soll.
  2. Um dorthinzukommen, fahren wir an der Brenta entlang. Giacomo Casanova fuhr mit dem Boot, wenn er von Venedig nach Padua wollte. Das habe ich in seinem Bericht über seine Flucht aus einem venezianischen Gefängnis gelesen (fast so spannend wie Prison Break).
  3. Am Weg stehen alte, verfallene Häuser und Fabriken, die fast unheimlich aussehen.
  4. Bevor wir in die Stadt hineinfahren, wollen wir uns die Villa Pisani ansehen, eine Prunkvilla aus dem 18. Jahrhundert, die auch einmal Napoleon gehörte.
  5. Eine hohe Mauer umschließt den großen Garten. Die Villa spiegelt sich in einem länglichen Teich.
  6. „Wie das Taj Mahal“, sagt Katharina.
  7. Im Garten ist ein Labyrinth aus Hecken. In der Mitte steht ein Türmchen, dort muss man hinfinden. Eigentlich ganz leicht. Solche Labyrinthe sind ja immer ganz einfach, denke ich mir und gehe los.
  8. Zum Glück gehe ich mit Katharina, sonst wäre ich heute noch dort drin.
  9. Irgendwie schaffen wir es zum Türmchen. Eine Frau, die sich mit zwei Kleinkindern im Labyrinth verirrt hat, fragt mich nach dem Weg.
  10. Ich kann ihr nicht helfen, obwohl ich einen Überblick habe. So schwierig ist das Labyrinth. Ich mache mir Sorgen, ob ich dort je wieder hinausfinden werde.
  11. Es dauert dann auch wirklich ziemlich lange. Unterwegs treffen wir Verzweifelte, die es auch nicht schaffen.
  12. Etwas später sehen wir die Frau mit den Kleinkindern. Wenigstens hat sie es auch nach draußen geschafft.
  13. Die Ausstellung „Italia a Tavola“ wird in der Villa und in verschiedenen Häusern im Garten gezeigt. Die alten Fotos von Speisesälen, Küchen, Picknicks oder LebensmittelverkäuferInnen sind sehr interessant.
  14. Eines ist von einem Mann, der die getrockneten Blätter von Maiskolben verkauft. Leider wird nicht erklärt, wofür man die brauchte. „Cartoccio vendor“ steht beim Bild dabei. Suche ich zu Hause „Cartoccio“ bekomme ich nur „Tüte“ als Ergebnis, bei cartocci überhaupt sizilianische Schaumrollen.
  15. 1840 wurde im Park ein Eishaus erreichtet, ein aufgeschichteter Hügel  mit einem höhlenartigen Gewölbe. Eis wurde im Winter gesammelt und hierhergebracht. Es sollte sich dann das ganze Jahr halten und wurde nicht nur für Kaltgetränke und Sorbets benutzt, sondern auch für medizinische Zwecke.
  16. Der Hügel ist mit Fabelwesen aus Stein, die hinter Felsen hervorlugen, geschmückt.
  17. Die Villa selbst ist voller Seidenvorhänge und Brokattapeten und großer Fresken mit barbusigen Frauen. Eines davon sogar mit einem Leoparden.
  18. Die Decke des Ballsaals schmückt ein Fresko von Tiepolo – „Der Ruhm der Familie Pisani“. Ein eher verstörendes Werk, in dem Familienmitglieder als Europa, Italien und Venezien in den Wolken schweben und halbnackte, mit Federn geschmückte Menschen werden auf der anderen Seite des Himmels von europäisch gekleideten Männern mit Schwertern bedroht.
  19. Am seltsamsten sind aber die Figuren am Rand, die mit Ziegenfüßen oder Hängebrüsten und gespitzten Ohren wie jene von Mr. Spock auf gemalten Brüstungen und Konsolen sitzen und sich über das absurde Sujet des zentralen Freskos lustig zu machen scheinen.
  20. Nachdem wir die Villa besichtigt haben, fahren wir in die Stadt Padua.
  21. Zuerst nehmen wir eine Erfrischung: Bubble Tea. Zum ersten Mal koste ich so etwas und weiß nicht genau, ob ich das Getränk gut finde, oder ob mir eher schaudern soll.
  22. Wir spazieren durch die Stadt. An vielen Straßenecken sind Schilder zu den Sehenswürdigkeiten. Trotzdem gehen wir irgendwie falsch und finden die Kirche des Hl. Antonius nicht. Als wir herausfinden, wo sie ist, sind wir auf der anderen Seite der Stadt. Das nächste Mal vielleicht.
  23. Es gibt viele große Plätze, die zum Verweilen einladen. Alte Gebäude, moderne Einkaufsstraßen. Manche Dinge sind mir fast unheimlich modern: Als wir parken, fahren wir durch eine Schranke, müssen aber keinen Parkzettel lösen. Beim Verlassen des Parkplatzes, wird die Autonummer in den Automaten eingegeben, dann erscheint ein Foto des Autos und man kann die Münzen einwerfen. Wieder gibt es keinen Parkzettel, sondern die Schranke geht auf, sobald sie die Autonummer erkennt. Vielleicht ist das in allen modernen Städten so, aber ich habe das noch nie gesehen.
  24. Bevor wir nach Caorle zurückfahren, gehen wir zum Museum. Zur berühmten Capella degli Scrovegni.

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Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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