Nationalteam – USSI1

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  1. Es ist Fronleichnam. Zum Baden ist es zu kalt. Die Kinder murren. Dann sieht mein Mann, dass das österreichische Nationalteam in Graubünden ein Testspiel gegen die Lokalmannschaft USSI (US Schluein Ilanz) hat.
  2. Das ist nur eine Stunde von uns entfernt und wir entschließen uns, hinzufahren.
  3. Wir fahren recht früh, Karten konnte man keine vorbestellen. Eine Stunde vor dem Spiel kommen wir in Schluein an.
  4. Es sind schon ziemlich viele Leute in der Arena, wir müssen bei einem Schotterwerk parken, die EinweiserInnen lotsen uns dorthin.
  5. Die Arena liegt am Rhein. Fast eine Stunde vorher haben wir bei der Herfahrt auch den Rhein überquert.
  6. Tickets für Stehplätze kosten 15 Franken für Erwachsene und 5 Franken für Kinder.
  7. Mit den Tickets bekommen wir Schleifen, die wir uns um den Arm binden müssen, grün für Kinder, blau für Erwachsene. So knapp nach der Bundespräsidentenwahl ist es mir unangenehm, dass ich die blaue Schleife tragen muss.
  8. Zuerst gehen wir zum Würstelstand. Eine Cervelat kostet nur 4 Franken. Wir bekommen sie in Papiertüten. Wo ich den Senf hintun soll, weiß ich nicht, also nehme ich keinen.
  9. Der österreichische Fansektor hat sich schon gefüllt. Viele schwingen Fahnen. Die größte Fahne hat einen Bundesadler und rote Streifen, auf denen Hurricanes steht. Auf einem Transparent steht „Blutgruppe“, der Name berührt mich unangenehm. Pielachtal steht auf einem anderen. Fans sind also bis aus Niederösterreich angereist.
  10. Tgi havess partertgau da quei? Steht auf dem Programmheft und darunter auf Deutsch: Wer hätte das gedacht? Romantsch ist eine so schöne Sprache. Und in der Schweiz hat man auch nicht so viel Angst vor Zweisprachigkeit.
  11. Die Mannschaften kommen auf den Platz, sie wärmen sich auf. Arnautovic und ein paar andere kicken sich eher lustlos den Ball zu. Baumgartlinger und andere rennen und hüpfen.
  12. Das Spiel beginnt. Eine Schiedsrichterin leitet das Spiel. Jene, die engagiert aufwärmten, spielen, die anderen sitzen auf der Bank. Nach dem Ankick stürmt die Mannschaft von Schluein auf das österreichische Tor zu. Das wird ihre einzige Offensivaktion bleiben, die Spieler bleiben sonst in der eigenen Hälfte.
  13. Sie können den Österreichern nicht viel entgegenhalten, es sieht aber auch fast so aus, als würden sie sich gar nicht an sie heranwagen. Es gibt keine Fouls.
  14. Nach fünf Minuten fällt das erste Tor für Österreich. Bis zur Halbzeit steht es 6:0. Die meisten Aktionen gehen von Baumgartlinger aus. Der hat aber auch sehr viel Platz und Muße im Mittelfeld, weil USSI nur ganz tief verteidigt. Harnik spielt engagiert, Hinterseer verschießt so oft, dass die Fans zu schimpfen beginnen.
  15. Ein Spieler kickt den Ball einem Ballbuben ins Gesicht. Die Schiedsrichterin pfeift, der Bub weint. Die Österreicher auf der Bank am gegenüberliegenden Spielfeld winken den Buben zu sich. Er darf bei ihnen auf der Bank sitzen und wird von ihnen getröstet und getätschelt.
  16. Eine Viertelstunde vor Ende der ersten Halbzeit gehen sich die Spieler, die auf der Bank waren, auf der Wiese hinter den Tribünen aufwärmen. Lukas und Katharina sehen das und laufen mit einem Edding hin. Sie werden vom Trainerassistenten abgewimmelt. Zuschauen dürfe sie aber.
  17. Nach dem Halbzeitpfiff unterschreiben ein paar Spieler T-Shirts. Kevin Wimmer tätschelt Katharina und vertröstet sie auf das Spielende. Mark Janko kommt auch dazu, er spielt heute nicht, wahrscheinlich weil der FC Basel gestern Meisterfeier hatte. Er unterschreibt viel.
  18. In der Halbzeitpause spielt die Blasmusik.
  19. Während des Spiels sehe ich Menschen mit langen Fleischspießen. Ich will auch einen haben. Zigeuner heißen die und ich sollte sie deshalb nicht kaufen. Ich mache es aber trotzdem. 15 Franken kostet einer und er wird frisch gegrillt. Und dazwischen in Suppe (oder so etwas Ähnliches getaucht). „Medium?“ fragt der Grillmeister. Ich nicke. Das Fleisch, das ich bekomme, ist fast roh und schmeckt so rauchig, dass mir das Stunden später noch aufstößt. Geschieht mir recht.
  20. Aber den Spieß nehme ich mit. Einen halben Meter lang ist der. Überall sonst würde es bei so einem Spiel als Sicherheitsrisiko gelten. Ich finde es schön, dass hier die Stimmung so gut ist, dass man sich über hunderte mit Spießen ausgerüstete leicht angetrunkene Zuschauer keinerlei Gedanken machen muss.
  21. Das Spiel beginnt wieder, die andere Hälfte der Mannschaft spielt, die Tore fallen wieder. Jetzt auf der uns gegenüberliegenden Seite. So weit weg erkenne ich nicht so viel.
  22. Ich muss aufs Klo. Ein Klogang entspricht zwei Toren für Österreich. Das Spiel geht 14:0 aus. Ein USSI-Spieler wagt sogar ein Foul, aber nur ein ganz kleines.
  23. Nach dem Abpfiff werden Geschenkskörbe verteilt. Über 1.900 Zuschauer waren bei diesem Spiel, sagt der Stadionsprecher.
  24. Die Mannschaften lassen sich ein bisschen bejubeln. Kinder, auch Lukas und Katharina, rennen auf das Feld und die Spieler unterschreiben ihre T-Shirts.
  25. Als wir hinausgehen, sehen wir den österreichischen Mannschaftsbus. Die Kinder warten ein bisschen, und tatsächlich kommen die Spieler heraus. Sie tragen noch ihre Trikots, wahrscheinlich gibt es nicht ausreichend viele Duschen. Die Kinder bekommen noch einige Unterschriften.
  26. Lazaro, Garics, Wimmer und Dragovic gehen am Bus vorbei und verschwinden hinter einem Schotterhügel. Hinter dem Schotterhügel ist der Rhein. Die Spieler kühlen sich im Fluss ab und haben offensichtlich Spaß dabei.
  27. Ich verstehe, dass Sicherheitsvorkehrungen oft notwendig werden bei solchen Stars. Ich finde es aber besonders schön, wenn diese manchmal nicht als notwendig erachtet werden, weil sie nicht notwendig sind, wie es in Schluein mit der österreichischen Nationalmannschaft der Fall war.

 

Über Karin Koller

Biochemist, Writer, Painter, Mum of Three
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